Kein Benjamin Biolay Album ist wie ein anderes. Sicherlich vermittelt er immer und grundsätzlich eine gewisse Schwere, gut so, die durch seine satte, sonore Stimme unweigerlich verstärkt wird. Der Vergleich mit Serge Gainsbourg mag inzwischen etwas abgedroschen sein, weil er immer kommt, aber er drängt sich einfach auf. Da muß Biolay durch. Und nun können einen ja auch weitaus härtere Schicksale ereilen, als das, als würdiger Nachfolger einer Legende, als Gainsbourg 2000+ bezeichnet zu werden und betrachtet man Biolay, scheint er es durchaus auch in Gestik, Mimik und mit gesamtem Habitus darauf anzulegen, daß man irgendwann den Vergleich umkehrt und sagt: Gainsbourg? Das war der Biolay der 60er und 70er Jahre.
Zurück zum Album. Das 2007 veröffentlichte "Trash yéyé" ist klanglich sagenhaft dicht, druckvoll, fast magnetisch. Auch wenn der größere Teil der Lieder Biolay typisch eher balladesk daherkommt, vermitteln viele Lieder des Albums ganzheitlich eine leichtfüßige Grundstimmung, die sich plötzlich ins dramatische wendet. Mehr als bei den vorangehenden Alben Biolays entwickeln sich nahezu alle Lieder und werden erst nach und nach mehr oder verändern sich mittendrin ganz grundsätzlich. Kaum ein Lied ist sofort da, so daß man nach 30 Sekunden schon behaupten könnte, man wisse womit man es zu tun hat.
Und insbesondere die vier temporeichen Lieder der Platte "Regarder la lumière", "Qu'est-ce que ça peut faire?", "La chambre d'amis" und "Rendez-vous qui sait" erzeugen eine eindringliche Dynamik, die den Hörer erfaßt und mitreißt.
Obwohl es schnelle Popsongs sind, laufen sie nicht Gefahr zum dumpfen Party-Liedchen zu verkommen. Pop kann auch Kunst sein! Das beweist Biolay keineswegs nur mit diesem Album.