Die Anthologie „Trash-Piloten. Texte für die 90er" (der Titel ist aus einem Gedicht des deutschen Pop-Ahnherrn Rolf Dieter Brinkmann abgeleitet), erschien bei Reclam Leipzig und erhebt für sich den Anspruch, eine „Bewegung", eine neue „Schreiblust/Wut/ Intensität" zu dokumentieren, die sich abseits vom etablierten Literaturbetrieb entwickelt hat, eine Bewegung, die nichts vom „germanistischen Muff" und „akademischen Duktus" wissen will, die „unprätentiös" das ganz alltägliche „Idiotenkarussel" darstellt, eben den „Trash". Weitab vom „Mainstream", so verspricht es Herausgeber Heiner Link im Vorwort, soll die „Popkultur" endlich auch die deutsche Literatur „durchdringen", und das alles von lauter jungen Autoren.
Link stellt die vollkommene Unabhängigkeit dieser Literaten von jeder nur erdenklichen Norm heraus, die eine lebendige Literatur behindern könnte: ästhetische Vorschreibungen, Kunstansprüche, Verbreitungsmechanismen, schriftstellerische Rollenbilder usw. Als ein Hindernis gilt hier noch der „Buchmarktautomatismus, der auf eine uniforme Autorenriege, letztlich den Autor als Warenlieferanten abzielt", dem sich andere wieder unbeschränkt ausliefern wollen. Link propagiert den flexiblen und vielfach tätigen Nebenerwerbsschriftsteller, der sich nicht auf seinen Autonomiestatus zurückzieht. Links programmatisches Vorwort erweckt die Hoffnung das mit den am "Trash" orientierten Poeten das Auseinanderdriften von Kunst und Leben aufgehoben wird. Das Ergebnis war eine Sammlung von spannenden Texten, die das Banale und Abfällige des Alltags thematisieren, einige davon jedoch mit einem verschwitzten Zwang zum Nonkonformismus.