Kein großer Wurf aber auch kein ganz schlechter Roman.
Verglichen mit den beiden vorangegangenen Büchern "Der Orden" und "Sternenkinder" fällt die Qualität doch etwas ab. Die beiden Handlungsstränge haben nicht wirklich viel zu erzählen. In der nahen Zukunft kann mich die Story von Michael Poole mit seinen familiären Zerwürfnissen und diversen Schicksalsschlägen nicht wirklich überzeugen. Baxter ist doch nun wirklich nicht der Autor, der mit hervorragend herausgearbeiteten Einzelschicksalen punkten kann. In der Sache mit dem Klimawandel macht er es sich auch etwas einfach. Ein Dutzend guter technologischer Ideen und etwas politische Weitsicht einer amerikanischen Präsidentin und schon ist die Welt umgestellt auf "viel Ozean und kein Öl". Damit Poole auch noch was zu tun hat, außer sich mit seiner Familie zu streiten, wird noch mal die Sache mit den Methangaslagern ausgegraben.
Was Baxter kann, ist uns ein Gefühl für das ganze große Universum mit seinen erstaunlichen, komplexen und kniffligen Zusammenhängen zu geben. So das man fast neidisch ist bei so viel verrückten Sachen die es in unserem Kosmos geben könnte, hier auf diesem Planeten festzusitzen. Wenn uns einer einen Eindruck davon vermitteln kann wie es im Zentrum unserer Galaxis aussieht oder was aus uns in 250.000 Jahren werden könnte, dann Baxter. Ich gebe zu, auch wenn es in allen 3 Bänden immer wieder auftaucht, die Beschreibungen der Schwarmgemeinschaften haben mich in ihrer Variation immer gefesselt. Und das es Posthumane auf Siliziumbasis gibt, die aussehen wie Monumente von den Osterinseln und die sich so langsam bewegen das es Jahrhunderte dauert um es zu bemerken. Das war faszinierend, aber leider nur eine kurze nicht weiter herausgearbeitete Randnotiz.
Der zweite Handlungsstrang um Alias, der ja wie es sich für Baxter gehört ordentlich weit auf der Zeitlinie entfernt liegt, fängt doch auch ganz unterhaltsam an. Aber er hetzt die Protagonistin derart durch einen Prozess, der in der Transzendenz enden soll, um sich dann endlos langatmig mit dem Kernproblemen der Transzendenten zu beschäftigen, das mir nur noch Querlesen geholfen hat. Und überhaupt, das diese Transzendenten das größte Problem mit dem Leiden jedes einzelnen Menschen seit der Geschichte der Menschheit haben, ist mir persönlich zu tief in die Schmalzkiste gegriffen. Sie sehen also nur die Lösung, die Menscheit nie existieren zu lassen, oder jeden Menschen der je gelebt hat durch rückwirkende Wiedergutmachung glücklich zu machen. Und da Alias merkt das es so nicht funktionieren kann, fragt sie eben mal den ihr ans Herz gewachsenen Michael Poole was er denn davon hält wenn seine verstorbene Frau wieder zum Leben erweckt wird.
Ich kann nur sagen: Stephen Baxter bleib bei deinem großem Talent uns die kleinen und großen Theorien über unser Universum unterhaltsam, farbenfroh, monumental und sehr weitsichtig nahe zu bringen. Denn du bist ein großer Ideenautor und nur sekundär ein Autor über tief greifende zwischenmenschliche Beziehungen. Und das man mich nicht falsch versteht, ich kaufe trotzdem jeden neuen Baxter.