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Transversal
 
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Transversal [Broschiert]

Gerald Raunig
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Broschiert: 215 Seiten
  • Verlag: Turia & Kant; Auflage: 1., Aufl. (1. Januar 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3851323521
  • ISBN-13: 978-3851323528
  • Größe und/oder Gewicht: 23,6 x 16,2 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.862.195 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Gerald Raunig, geb. 1963 in Klagenfurt, ist Philosoph, Redakteur und Kulturarbeiter. Er lebt in Wien.

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Wenn schon hin und wieder ein Buchstabe ausreicht, um neue Klassenkämpfe zu entfachen - wie Althusser sagte -, kann die Nebenbemerkung eines Theoretikers wohl locker zu einem neuem Konzept werden. Gilles Deleuze sprach einmal, als er sich im Zusammenhang mit Foucault Gedanken über die Rolle von Intellektuellen in sozialen Auseinandersetzungen machte, von „transversalen Kämpfen". Wie diese aussehen oder was sie überhaupt beinhalten könnten, wurde im Rahmen eines Symposiums im April/ Mai 2002 in Wien auf Initiative des Europäischen Instituts für progressive Kulturpolitik (eipcp) erörtert. Vom „Konzept der Transversalität" (11) handeln folglich die Beiträge, die der daraus entstandene Sammelband enthält.

Transversal, das bedeutet durchquerend, querlaufend und man denkt an Foucaults schöne Formulierung: „Sie wissen, ich bin wie der Krebs, ich bewege mich seitwärts voran". Ob diese Bewegung aber der Zweck selbst ist, oder nur die Methode zum Vorankommen, das ist auch im Band umstritten und wird von den verschiedenen AutorInnen unterschiedlich beantwortet. Gerald Raunig, der Herausgeber, plädiert gleich zu Beginn für die erste Variante. Transversalität sollte ihm zufolge angesichts allgegenwärtiger Netzwerke und Dezentralisierungen zur entscheidenden Differenz werden, mit der sich die Bewegung gegen die neoliberale Globalisierung von ihren Gegnern unterscheiden solle: zur vorrangigen Frage werde gerade „die Unterscheidbarkeit von Organisationsformen von Empire und Multitude, von Macht und Widerstand" (15). Den Gegenpol am Ende des Buches (be)setzt Oliver Marchat: Politik könne nur wirksam sein, wenn sie erstens kollektiv statt individualistisch wäre und wenn zweitens dieses Kollektiv organisiert, also nicht bloß Haufen oder Menge sei (206). Mit der Organisationsform Partei habe die radikale Linke fälschlicherweise jede Form der Organisation verworfen. Das Problem an einem Begriff wie Transversalität, wendet Marchat auch gegen Hardt/ Negri und Deleuze/ Guattari ein, sei, „dass er so tut, als wäre er schon die Antwort auf die Frage, während er sie doch gerade aufwirft: die Frage nach der Organisationsform nämlich" (204). Marchat hingegen schlägt mit Universalisierung, Synthetisierung, Ent-Individualisierung und Permanentisierung vier notwendige Kriterien für eine politisch effektive Organisationsform vor (208ff.). Eine solche, abseits von hegemonialen Strukturen, sieht Andreas Görg in vernetzten Plena und beschreibt sie ausführlich als „Alternative zur Organisierung des Politischen insgesamt" (172).

Welche Rolle aber spielt nun der Bereich, der im Untertitel als zweiter Gegenstand der Organisationsfragen ausgewiesen wird, die Kunst nämlich? Auch in diesem Band lässt sich der uralte Dissenz auffinden zwischen denen, die Kunst als Medium und Ausdrucksform politischer Anliegen betrachten, wie beispielsweise die AktivistInnen des Autonomen Zentrums von und für MigrantInnen Linz (MAIZ) (140), und jenen, die in Kunst eine eigenständige Erkenntnisproduzentin sehen. Mit der Analyse konkreter Werke anhand übergreifender Fragen beschäftigen sich nur Hito Steyerl und Christian Höller in ihren Beiträgen. Steyerl wendet die Reflexion über die künstlerische Produktionsweise der Montage auf das politische Feld an und insistiert, dass künstlerische Werke wie beispielsweise Dokumentarfilme nicht nur den Ausdruck der internen, politischen Organisation zu reflektieren hätten, sondern auch die „Organisation ihres Ausdrucks" (25). Die Artikulation von Protest ist demnach nicht nur eine Frage des Inhalts, sondern auch der Form. Die Frage nach dem Wie der Sichtbarmachung stellt auch Höller, und zwar, mit etwas befremdlich holistischem Anspruch, in Bezug auf die Globalisierung als ganze. Anhand verschiedener Arbeiten von zeitgenössischen KünstlerInnen diskutiert er, wie umfassend eine „Gesamtkartografie von `Globalisierung' beschaffen sein müsste, um (...) das Geflecht von Ursachen und Wirkungen auf unterschiedlichsten Ebenen abzubilden" (83f.). Es geht also, um mit den Worten der Mediengueriller@as von der autonomen a.f.r.i.k.a. gruppe zu sprechen, um eine politische Positionierung, „die sich nicht auf theoretische Analyse in den Begrifflichkeiten der Soziologie und der Kulturtheorie beschränkt, sondern auch in Bildern denkt und Zeichensysteme zu nutzen weiß" (104).

Dass die SpezialistInnen der Zeichennutzung, die AkteurInnen des künstlerischen Feldes also, zu den ersten wirklich globalisierten Personen gehörten und bis heute mit allen Kennzeichen der transnationalen Weltläufigkeit und interkontinentalen Mondänität ausgestattet sind, ist einer der liebsten und gängigsten Mythen, die sich um dieses Feld ranken. Ulf Wuggenig liefert ein paar schöne Zahlen zur Demontage: So ist die Anzahl der einflussreichen KünstlerInnen, die nicht aus Nordamerika oder Westeuropa stammen, in den letzten dreißig Jahren nur um zwei Prozent gestiegen und liegt nun bei satten zehn von Hundert. Von den wenigen, die nicht im Nordwesten geboren sind, sind aber die meisten dorthin emigriert und leben da. Dass das Thema Migration nicht vorkäme, lässt sich dem Band aber keinesfalls vorwerfen. Ob die Kampagne kein mensch ist illegal als hybride Praxis vorgestellt wird, wie im Beitrag von Ralf Homann, oder ob Ljubomir Bratic die Forderung nach gleichen Rechten für alle diskutiert, durch viele der 19 Aufsätze ziehen sich die MigrantInnen als Bezugspunkte, deren Rechte, Kämpfe und Lebensbedingungen zum Maßstab der Kritik herangezogen werden. Dass das alles im Rahmen oder anhand der in Österreich geführten Debatten geschieht, verleiht dem Antiglobalisierungsbuch eine merkwürdige, aber nicht unangemessene Lokalität. Wenn Theorie immer so gut ist, wie das, was man mit ihr machen kann, wie Katja Diefenbach in ihrem schon in der Jungle World veröffentlichten Text zu Empire schreibt (33), dann ist dies bestimmt ein gutes Buch. Vielleicht lässt sich der Band selbst als transversale Praxis beschreiben, denn entgegen der üblichen Trennung durchqueren sich hier die Diskurse „zweier marginaler gesellschaftlicher Bereiche, der Kunstszene und des Polit-Aktivismus" und können in einer optimistischen Leseweise „zur Entstehung eines transversalen Kunst-Polit-Aktivismus Anlass geben, der die Grenzen und Beschränkungen der jeweiligen Szenen überwindet" (autonome a.f.r.i.k.a. gruppe) (100). Um da nicht zirkulär zu werden, bleibt die Organisationsfrage selbstverständlich offen.

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