Dieses Bilder-Buch ist richtig gut. Obwohl ich sehr viele der dargestellten Orte (meist aus Transsylvanien) schon zigmal gesehen habe, ist wirklich jedes einzelne der Fotos erstens technisch super (stimmungsvoll, satte Farben, großformatiger, hochwertiger Druck) und zweitens immer aus einem anderen Winkel fotografiert, als ich es vorher jemals gesehen habe.
Das gilt sowohl für den Friedhof von Schässburg, wo allerdings auf einmal ein Kreuz in der Erde eines abgedeckten Grabes steckt (Bild-Text: "Um einen Vampir zu töten, muss man ihm einen Holzpflock ins Herz schlagen") bis hin zum angeblichen Geburtshaus von Vlad Tepes, dem Pfähler, in dem heute ein Restaurant zu finden ist. Auf dem Foto sieht das allerdings und zum Glück ganz anders -- wesentlich düsterer und pittoresker -- aus...in einem Wort: Das Buch wird Gruselfreunde ebenso überraschen wie abgeklärte Transsylvanien-Touristen.
Der Text ist gut und flüssig geschrieben und gleitet in angenehmem Zeilenabstand sozusagen entlang der schönen Fotos. Dass es sich dabei nicht um einen streng historischen Text mit jeder Menge akademischer Fussnoten handelt, ist hier angenehm; die wenigen angegebenen Quellen sind hier völlig okay. So kommt es zwar, dass die angeblich "zwanzigtausend Gepfählten" im Buch auftauchen, die vermutlich damals in doch eher deutlich geringerer Zahl vorlagen, äh, steckten, aber das macht echt nix.
Denn in diesem Buch ist alles im angenehmen Flow -- von Märchen über Vlad über Kriegsstrategien, eine aktuelle Vampir-Enterdigung und natürlich die geschichtlichen Abläufe mit viel Mord und Totschlag. Vor allem gibts im Buch aber wunderbar fotografierte Gemäuer und Landschaften mit -- und das finde ich besonders gut -- liebevollen Bild-Texten. Auch hier sollte man aber in Ruhe lesen: Der Arzt Glaser "ließ" zwar Gräber öffnen (eigentlich: beschäftigte sich in Wien mit den Befunden der Öffnungen), aber nicht in der Gegend, die im betreffenden Bild zu sehen ist ;)
Ich werde das Buch gerne jedem Journalisten und Vampirfan in die Hand drücken, der über den Rand von "Twilight" und Blutbädern hinaus lieber (oder zusätzlich) etwas über die Geschichte Transsylvaniens erfahren will -- mit allen Facetten, mit vielen alten Gemäuern und mit einem wunderschönen Schwerpunkt auf dem südosteuropäischen Reich der echten Dracul(e)as und der damit nix zu tun habenden, aber dennoch sehr spannenden Romanfigur und ihrem Schöpfer.
Endlich hat sich mal jemand die Arbeit gemacht, die spannende Geschichte und die spannenden Dracula-Geschichten aus und in Transsylvanien in einem sehr, sehr, sehr schönen und modernen Buch zusammenzubauen. Ein Index hätte dem Buch gut getan (wäre besser zum Nachschlagen), aber das extrem coole Foto des Fotografen sowie zwei schöne und nützliche Karten am Ende des Buches lassen mich auch darüber sehr gerne hinwegsehen.
Vergleichbar schickes gibts in keinem Reiseführer und erst recht nicht im Netz...daher ist das Buch ab sofort Pflichtlektüre für die Anwärter der Transylvanian Society of Dracula (tsdracula.org), deren deutscher Vorsitzender ich bin...be aware! ;)
Mark Benecke, Autor von
Vampire unter uns!