Obwohl dieses Buch oft als die Bibel für Transsib-Reisende bezeichnet wird, kann ich insgesamt nur ein Negativurteil fällen.
Wer sich als Individualtourist, besonders mit kleinem Budget, einzig auf dieses Buch verlässt, wird recht schnell aufgeschmissen sein.
Bei den aufgelisteten Unterkünften handelt es sich durchweg um Hotels der obersten Preisklasse, die sowieso jeder Taxifahrer kennt, und auch mit einer zwei Sekunden dauernden Googlesuche zu finden sind. Die traditionelle Art in Russland für kleines Geld zu übernachten sind Homestays, meist bei Babuschkas die oft an Bahnhöfen auf Kundschaft warten. Diese Möglichkeit der Unterkunft wird gar nicht erwähnt. Ein weiterer großer Kritikpunkt ist, das nur auf das Reisen in der zweiten bzw. ersten Klasse eingegangen wird.
Außerdem werden, wie auch auf vielen Internetseiten, Behauptungen aufgestellt, die schlichtweg falsch sind, hier einige Beispiele:
1. Das Reisen in der dritten Klasse ist für Ausländer nicht zu empfehlen.
2. Die gesamte Reise sollte vorher bei einem professionellen Reiseanbieter gebucht werden.
3. Ohne Russischkenntnisse ist es fast unmöglich, Fahrscheine ganz normal am Schalter zu erstehen.
Zu 1.): Aus meiner Sicht reist es sich in der dritten Klasse sogar sicherer (dank besserer sozialer Kontrolle), geselliger, interessanter und teilweise sogar komfortabler - günstiger ist es allemal. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, das Reisen in der dritten Klasse noch vor dem in der zweiten Klasse zu empfehlen. Auf keinen Fall ist es nötig, davon abzuraten.
Zu 2.): Die Plätze in der dritten Klasse sind schnell ausgebucht, daher empfiehlt es sich die Fahrkarten einige Tage vorher zu erstehen. In der ersten und zweiten Klasse sind aber meist auch noch am Reisetag Plätze frei. Von der Buchung der kompletten Reise im Voraus kann ich auch nur abraten. Abgesehen von den extrem hohen Preisen, ist man bei der Wahl der Unterkünfte dadurch doch sehr eingeschränkt. Als ich das letzte Mal bei den einschlägigen Anbietern recherchiert habe, war es außerdem gar nicht möglich dort dritte Klasse zu buchen.
Zu 3.): Als ich meine erste Fahrkarte in Russland gekauft habe, konnte ich nur "Bier" und "Ja" auf russisch sagen. Die Fahrkarte habe ich aber ganz normal wie in jedem anderen Land am Schalter bekommen.
Ich persönlich hätte mir außerdem noch Informationen über die Ticket-Mafia und zur Prostitution des Zugpersonals gewünscht.
Noch kurz ein Wort zu den positiven Aspekten: Viele fachliche Informationen sind sehr gut und auch sehr detailiert beschrieben, wie zum Beispiel die Fahrpläne und die Zugtechnik inklusive Aufbau und Sitzaufteilung der Wagen.