Klasse Endzeitserie von Ellis, 1. Juli 2009
Als Ellis diese feine Serie Ende der 90er startete, war vieles, von dem er schrieb, noch Zukunftsmusik, was heute schon Realität geworden ist (mobile Internetzugänge etc.). So ist die Gesellschaft heute näher an Ellis' Zukunftsvision.
In einer Cyber-Punk-Zukunft ist es die Kolumne "Ich hasse diese Stadt" von Spider Jerusalem, die der Stadt ihre Häßlichkeit und Dummheit vor Augen führt. Egal, ob es um den Präsidentschaftswahlkampf, Armut, Prostitution oder was immer geht, Ellis schafft es, auf eine witzige Weise durch die Augen von Spider die Dinge näher zu bringen, und unserer heutigen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das ganze natürlich in dem abgefahrenen Stil, für den Ellis bekannt ist, und mit dem trockenen Humor.
Dabei ist Spider keinesfalls ein Sympathieträger. Er raucht, nimmt Drogen, ist tätowiert, knallt seine Assistentin, und pißt auch ganz gern mal auf seine Feinde. Ach ja, er ist auch ein rachsüchtiger Mensch, der einen Analdisruptor zur Geißelung verwendet, und das sind die nur guten Eigenschaften.
Eigentlich will er nur eines: Zurück auf seinen Berg, um wieder in Abgeschiedenheit zu leben.
Das er dabei mit Vollbart und langen Haaren so aussieht wie Alan Moore zu seinen besten Zeiten, ist kein Zufall, widmet Ellis diese Serie doch ihm und Garth Ennis. Nebenbei, wie kommt es, daß ein Land, was keine gute Küche hat, so viele klasse Autoren hat? Besteht da ein Zusammenhang?
Ach ja, und eines noch, und das ist das Wichtigste: Spider Jerusalem will die Wahrheit verbreiten. Egal, wem er dabei auf die Füße treten muß.
Seht auch die Wahrheit und lest Transmetropolitan. Dazu ein schönes Glas Ebola-Cola: Beides so gut, daß dir das Blut in die Augen schießt.