Der Film:
Mehr.
Mehr Roboter, mehr Bombast, mehr Nahaufnahmen von Megan Fox.
Und leider auch mehr Unübersichtlichkeit, mehr Tom & Jerry-Humor, mehr Plotlöcher.
Transformers war kein Lehrstück in Sachen drehbuchtechnischer Kohärenz, doch hangelte er sich erfolgreich von Actionsequenz zu Actionsequenz. Natürlich zehrte der Film auch von einem gewissen Überraschungseffekt, denn was für ein grandioses Spektakel da aus einer Spielzeugreihe extrahiert wurde, hatte niemand kommen sehen.
Dieser Effekt entfällt bei der Fortsetzung zwangsläufig, und sie hätte ihn bitter nötig gehabt.
Transformers 2 beginnt mit einem Prolog, der zwei Dinge zeigt: Die Roboter waren vor langer Zeit schon einmal auf der Erde, und sie hatten Kiemen. Nun kehrt einer der Damaligen zurück und will uns allen das Licht ausblasen, indem er unserer Sonne die Energie aussaugt.
Da niemand auf die Idee kommt, einfach eine der hundert Millionen anderen Sonnen in unserer Galaxie zu ernten, bekämpfen sich also Autobots und Decepticons 147 Minuten lang bis aufs Öl. Die Übersicht geht im ewigen Flirren des computergenerierten Blechs natürlich regelmäßig verloren. Vor allem beim großen Endkampf muss man teilweise blind auf die gewohnt pompöse Musik vertrauen, um mitzubekommen, welche Seite gerade die Oberhand hat.
Und immer mittendrin die Menschen, und man fragt sich, warum. Diesmal ist es ein Jahrtausende altes Memo, das sich in Sams (Shia LaBeouf) Gehirn gepflanzt hat, wegen dem er mit seiner Mikaela (Fox) von Drehort zu Drehort hetzt und wegen dem die mächtigen, außerirdischen Roboter einfach nicht ohne ihn auskommen.
Dass Mikaela für den Film so wichtig ist wie Regenmäntel für Beduinen, ist dabei das kleinste Problem. Die Mythologie der Roboter wird um einige Facetten erweitert und mit jedem Schritt lachhafter. Obwohl "lachhaft" in Michael Bays Welt ein relativer Begriff ist, wo Universitäten ausschließlich von Models bevölkert werden und Videoaufnahmen von gigantischen Robotern, die sich auf offener Straße bekriegen, ein Schattendasein auf obskuren Internetseiten fristen.
Vielleicht das Erstaunlichste an Transformers 2 ist, wie offensichtlich egal Regisseur Bay die emotionale Seite der Geschichte war. Während Megan Fox keinen Schritt ohne extreme Nahaufnahmenzeitlupe tut, opfern sich Autobots füreinander, sterben Legenden auf dem Schlachtfeld, werden Andere wiedergeboren. Diese Szenen, die sowohl den Robotern als auch dem Film eine Seele - oder wenigstens eine emotionale Basis - hätten geben können, fängt Bay so beiläufig ein, als versuche er gar nicht erst, irgendeine andere Reaktion zu bekommen als das untote "boah krass" der Fanboys.
Entsprechend schmerzhaft wird es, sobald vermeintliche Charakterszenen die Action vom Bildschirm vertreiben. Ob Mikaela versucht, eine Liebesbekundung aus Sam herauszukitzeln, ob die Eltern nach Ägypten gekarrt werden, um noch eine Moralpredigt mehr abzusondern, oder Sams Zimmergenosse, nun, egal was macht. Frischen Wind bringt allein John Turturro, der zur zweiten Halbzeit dazustößt und das dröge Geschehen zeitweise aufzulockern vermag.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Filmen, deren Betonung auf der Action liegt und solchen, deren Handlung so hundsmiserabel konstruiert ist, dass die Action bedeutungslos wird. Transformers 2 führt seinen Vorgänger ad absurdum, um mittels einer "Ups, war doch alles anders!"-Wendung die gleiche Geschichte nochmal zu erzählen. Der Film bietet einige tolle CGI-Momente, doch das ist für zweieinhalb Stunden viel zu wenig.
Zur Disc:
Die Disc:
Die beiden Discs stecken in einem blauen Standard-Slimcase, dem ein Infoblatt zum Thema BD-Live sowie ein kleines Werbeheftchen mit weiteren Blu-ray Discs sowie Sicherheitshinweisen bezüglich Firmwareaktualisiereungen von Blu-ray-Disc-Playern beiliegen.
Nach dem Einlegen der Hauptfilm-Disc folgt der Verleihvorspan. Nach der Sprachauswahl sowie den Copyright- und FSK-Hinweisen geht's auch schon ins aufwendig animierte Menü.
Das Bild:
Praktisch ein Spiegelbild zur Bildvorstellung der Blu-ray Disc des ersten Teils: Die Schärfe ist hervorragend, die Farben sehr kräftig und durch den typischen Michael-Bay-Filtereinsatz deutlich in Richtung Gelb/Orange/Blau verfremdet. Ein Bonusschmankerl: Die ungeheure Plastizität.
Rauschmuster oder andere Fehler waren nicht auszumachen, das Filmkorn ist aber gelegentlich recht deutlich wahrzunehmen. Die Schwarzdarstellung ist exzellent, die Durchzeichnung könnte aber noch etwas besser sein. In Summe wirkt das Bild einen Tick zu dunkel.
Der Ton:
Die deutsche Dolby-Digital-5.1-Spur bietet soliden, effektgeladenen Mehrkanalton, der gelegentlich etwas drucklos wirkt. Der englische Master-Audio-5.1-Ton ist hingegen auf Referenzklasse: Breit, dabei ungeheuer aufgeräumt und klar. Ein Bass, der den Putz von den Wänden rieseln lässt und massenhaft Effekte, die in ihrer Präzision nicht mehr zu toppen sind. Ein garantierter Wow-Effekt für jeden Heimkinofan.
Die Extras:
Disc 1:
- Audiokommentar von Michael Bay, Roberto Orci und Alex Kurtzman:
Ein Glück dass das Autorenduo Orci/Kurtzman die Großkotzigkeit Michael Bays ein wenig übertünchen kann. Die Entwicklung der Story zum zweiten Teil und der Zeitdruck unter dem man stand, stehen immer wieder im Mittelpunkt des Kommentars. Dazu gesellen sich einige Anekoten, das obligatorische Hohelied auf die US-Armee sowie Infos u.a. über Kamera- und SFX-Arbeit.
Nicht uninformativ, aber recht witzlos und trocken dargeboten.
Disc 2:
- Der menschliche Faktor - Die Präzision der Rache (02:14:31 Min., OmU):
Sehr ausführliches, äußerst ansprechend produziertes, aus acht Teilen bestehendes Making Of mit der typischen Mischung aus Interviews mit Besetzung und Machern, Ausschnitten aus dem Film, Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen und Auszügen aus den Dreharbeiten. Vom Erfolg des ersten Teils über die schwierige Produktion des Nachfolgers (Autorenstreik) und die Handlungsentwicklung, die Dreharbeiten (aufgeteilt auf USA, Naher Osten und Militär) bis hin zum Schnitt, den visuellen Effekten, der Postproduktion und der Veröffentlichung bekommt man einen schönen Über- und guten Einblick in die Entstehung und den Aufwand des Großprojekts.
- Ein Tag mit Bay (Tokio) (13:23 Min., OmU):
Eine Art eintägiges Videotagebuch, das den vom Jetlag geplagten Regisseur bei Interviews, einem Fototermin, einer Pressekonferenz, am roten Teppich der Weltpremiere von Transformers 2 sowie der Premierenfeier zeigt.
Nicht sonderlich informativ, aber kurzweilig und unterhaltsam.
- 25 Jahre Transformers: (10:44 Min., OmU):
Ein Werbefilm für den Spielezeughersteller Hasbro, der die an den Film angelehnte Transformers-Figurenreihe vorstellt.
- Das Nest: Transformers-Daten:
Englische Infos sowie Bilder zu den Autobots und Decepticons, darunter Konzeptzeichnungen und ILM Production Art.
Für Komplettisten.
- Das Allspark-Experiment:
Eine ebenfalls ausschließlich in Englisch gehaltene Spielerei, bei der man mit Hilfe des Allspark selbst Transformers zum Leben erwecken kann.
Die Geek-Fraktion wird's freuen.
- Analyse des visuellen Chaos (22:46 Min., OmU):
Michael Bay arbeitet ausgiebig mit Prä-Visualisierung, also mehr oder weniger simplen Vorab-Animationen für viele, insbesondere komplexe Szenen des Films. In diesem Segment kann man sich ausgewählte "Pre-Visuals" aus verschiedenen Blickwinkeln mit Begleitkommentar ansehen.
Gelungen.
- Verdammt riesiger Film (24:03 Min., OmU):
Ein ausführlicher, fetzig geschnittener Blick hinter die Kulissen bzw. auf die Dreharbeiten, der den immensen Aufwand hinter einem solch riesigen Vorhaben ganz gut rüberbringt. Kurze Kommentare von Bay & Co. lockern das Geschehen noch zusätzlich auf, auch der Spaß am Set (insbesondere von bzw. mit Shia LaBeouf) kommt endlich mal zum Vorschein.
Zusätzlich werden noch entfernte bzw. alternative Szenen (06:01 Min., OmU), das Musikvideo zum Transformers 2-Titellied "New Divide" von Linkin Park sowie Die Matrix des Marketings (TV-Spots, Kinotrailer, Galerien) angeboten.
Fazit: Die zwei Blu-ray Discs umfassende Special Edition verschafft Michael Bays Blockbuster-Fortsetzung einen würdigen HD-Auftritt: Extrascharfes Bild, bombastischer Ton und üppige Extras - für Fans des Films ein Pflichtkauf.