Motivation
Lange habe ich auf so ein Android-Tablet (und speziell das Infinity) gewartet. Aber bereits vorweg: es hat sich gelohnt.
Mein persönlicher Workflow hat sich zwischenzeitlich nämlich ein wenig weg von Note-/Netbooks, hin zu Android-basierten Geräten entwickelt. Hauptgründe: sofort verfügbar ohne lange Einschalt-/Bootzeiten, offene Plattform mit flexiblen Schnittstellen (z.B. zum freien Zugriff auf USB-Geräte und SD-Cards), lange Betriebszeiten pro Akkuladung (z.B. zum Einsatz an langen Bürotagen), jederzeit schneller Zugriff auf Internet und verschiedenste Dokumente, als mobiler Informations- und Ideenspeicher im privaten und beruflichen Umfeld (hier mittlerweile v.a. stark gestützt durch "Evernote"). Praktisch erscheint das Asus dabei v.a. durch das Dock. 64GB Speicherkapazität sind für mich zur Ablage von Dokumenten und Fotos sehr sinnvoll, und keineswegs oversized (mein Tablet soll unterwegs z.T. auch als Picture-Tank dienen). Was mir bislang fehlte, war ein Android-Tablet mit adäquater Auflösung (die auch bei 10 Zoll je nach Einsatzzweck durchaus einen gewaltigen Unterschied macht). Das Acer A700 kommt aus verschiedenen Gründen nicht in Frage (Form/Gewicht, keine Tastatur, Probleme mit Stabilität und Performance). Andere Ansätze, wie das angekündigte Microsoft Surface Tablet, sehen nur auf den ersten Blick geeignet aus (ich kann mir z.B. nicht vorstellen, wie man das Surface vernünftig bedienen soll, wenn man es mit seiner flexiblen Tastatur und den problematischen Schwerpunkt-Verhältnissen auf den Schoss legen will). Das Asus Infinity bietet zumindest auf dem Papier alles. Ob sich das in der Praxis bestätigt, soll im Folgenden erläutert werden.
Gehäuse und Verarbeitung
Echte Probleme mit Verarbeitung sind nicht feststellbar: das Gehäuse wirkt massiv (kein Knarzen der Umrandung, gute Spaltmasse mit bündigem Abschluss). Weil beim Asus z.T. ganz spezielle Verarbeitungsschwächen diskutiert werden, habe ich mir insbesondere den Displayrand genauer angesehen: hier weicht das Mass tatsächlich an zwei Stellen (in der Nähe der Tasten für Ein/Aus und Lautstärke) ganz leicht ab, d.h. der schwarze Kunststoffrand ragt hier etwas weiter heraus. Aber wirklich so minimal, dass mir das im Leben nie aufgefallen wäre (zudem hier auch bei Druck keine Geräusche entstehen oder irgendetwas nachgibt, geschweige denn Staub durch Lücken eindringe könnte).
Alles in allem wirken Tablet und Dock bzgl. Qualität und Haptik sehr edel und solide (auch wenn m.E. Apple hier immer noch Maßstäbe setzt). Einzig die Taster zum Ein-/Ausschalten und Einstellen der Lautstärke wirken auf mich ein wenig billig, weil hier ein satter Druckpunkt fehlt (man fühlt nicht so schön, ob man tatsächlich schon gedrückt hat). Die Gehäuseform des Tablets ist m.E. ein wenig scharfkantig ausgefallen, d.h. es ist im Randbereich nicht unbedingt ein Handschmeichler (ist allerdings wirklich "Klagen auf sehr hohem Niveau").
Ich habe die "Gold"-Variante gewählt. Das Gehäuse ist dabei eher kupfer-/champagnerfarben, als Gold (sieht sehr edel aus, wobei die Geschmäcker natürlich verschieden sind). Aber: diese Farbe ist deutlich weniger anfällig für Fingerabdrücke als die graue Variante (die ja zudem eher metallic-lila ist).
Das Dock trägt einen Aufkleber mit der Bezeichnung "Eee Pad TF201 Mobile Dock", scheint also baugleich mit demjenigen des Prime zu sein. Von den z.T. berichteten Farbabweichungen zwischen Dock und Tablet konnte ich bei meiner Gold-Version allerdings nichts erkennen (wobei die Farbe hier evtl. auch nicht so problematisch ist, wie "lila"). Ich finde, bei der goldenen Version sieht die Kombination von Kunststoff-Streifen und strukturierter Metallrückseite sehr gefällig, und trotz Plastik-Anteil stimmig aus.
Anfangs tat ich mir ein wenig schwer damit, die Kombi von Tablet & Dock aufzuklappen, weil hier nirgends ein Eingriff oder kleine Lasche vorgesehen ist. Es genügt nicht, nur den Deckel anzuheben, weil sich das Dock dann mit anhebt, d.h. hier muss sich erst eine bestimmte Fingertechnik zum Aufklappen und Festhalten entwickeln. Dafür schliesst die Kombi sehr satt (wenn auch nicht an den Rändern bündig). Zumindest bislang ist die Halterung für das Tablet so stabil, dass der Touchscreen auch im Dock ohne viel Gewackel, oder Gefahr des Umwerfens bedient werden kann.
Display
Das Display weist bei mir keine sichtbaren Lichthöfe, Pixelfehler oder eingeschlossene Schmutzpartikel auf (wäre für mich ein Grund zur sofortigen Rückgabe). Der Touchscreen ist angenehm berührungsempfindlich (hier von "Druckempfindlichkeit" zu sprechen verbietet sich bei einem kapazativen Display von selbst), und reagiert manchmal schon, wenn man mit dem Finger noch knapp über dem Glas schwebt (dies scheint bei anderen Geräten wie dem Acer A700 spürbar anders zu sein). Beim Infinity kommt Cornings "Gorilla Glas 2" zum Einsatz, das sehr bruch- und kratzfest sein soll. Dabei aber angeblich 20% dünner als sein Vorgänger, was dazu führt, dass es evtl. leicht flexibel erscheint. Dies fördert aber letztendlich die Stabilität ("was nachgibt, bricht weniger leicht"), und stellt bei normaler Bedienung absolut kein Problem dar (es handelt sich schließlich um einen Touch-, und keinen "Press-like-hell"-Screen).
Die Farbdarstellung ist erfreulich neutral (für mich als Hobby-Fotograf sehr wichtig). Der Schwarzwert ist natürlich nicht so beeindruckend, wie beim OLED-Display meines Samsung Galaxy S+ (das dafür Farben übertrieben intensiv zeichnet). Die Auflösung ist eine Wucht, und leistet genau das, worauf ich bei Android so lange gewartet habe. Trotzdem erreicht die Darstellung noch nicht die Qualität eines iPad3 (dessen "Ökosystem" für meine praktischen Anforderungen allerdings denkbar ungeeignet ist). Der Blickwinkel-Bereich ist so groß, dass z.B. auch mehrere Personen gleichzeitig angenehm Fotos betrachten können. Vor allem, weil Fotos auf diesem Gerät ein wahrer Genuß sind. Allerdings ist mir aufgefallen, dass diese auf meinem bislang bevorzugten Bildbetrachter (QuickPic) erst mit leichter Verzögerung nachgeschärft werden, was z.B. bei dem von Asus mitgelieferten Programm (MyNet) nicht der Fall ist.
Den Einstellbereich der Bildschirmhelligkeit finde ich optimal. Angenehmes Surfen ist damit sowohl Abends im Bett, als auch bei Sonne draußen auf der Terrasse möglich. Der "Zusatzboost" im IPS+-Modus hilft hier auf alle Fälle, kostet aber auch Strom. Weniger gut gefällt mir allerdings der Modus zur automatischen Helligkeitsregelung, weil das Display hier für meinen Geschmack stets zu dunkel reguliert wird. Es wäre besser, wenn man hier den Wert für die Grundhelligkeit flexibel anpassen könnte. Statt dessen setze ich daher nun eine App zum schnellem Umschalten per Tastendruck ein (Brightness Level).
Tastatur(en)
Die Asus Touchscreen-Tastatur finde ich zu groß (nimmt zu viel Platz ein) und zu umständlich. Ich bevorzuge "SwiftKey X Tablet", wobei hier allerdings noch ein Problem mit dem Dock besteht, weil dieses dann nicht mehr mit deutschem Tasten-Layout läuft. Fairerweise weist Asus mit einer Meldung auf mögliche Probleme hin, sobald man das Tablet ins Dock einsetzt, und nicht die originale Asus Tastatur eingestellt ist. Wenn dieser Umstand aber schon so schön erkannt wird, wäre es m.E. wesentlich sinnvoller, hier auf Wunsch eine automatische Umschaltung zu integrieren, solange die Dock-Tastatur im Einsatz ist (es gibt hier zwar bereits Workarounds, die erfordern allerdings Root-Rechte). Die Tastatur des Docks finde ich hervorragend: optimaler Kompromiss zwischen Größe und Bedienbarkeit, gut arrangierte Tasten für Standard-Funktionen, gemessen an den technischen Bedingungen sehr schönes Druckgefühl. Es lohnt sich allerdings, im Internet mal nach Tastatur-Kürzeln für die Asus Tastatur zu suchen, weil hier einige praktische Shortcuts zu finden sind, die einem ansonsten verborgen bleiben. Schade, dass Asus hier keine vollständige Kurzdoku in digitaler oder Papier-Form mitliefert.
GPS und WLAN
Den GPS-Empfang (für mich als Geocacher durchaus von Bedeutung) habe ich im direkten Vergleich mit meinem Samsung Galaxy S+ und einem Garmin Oregon 450 getestet: schnelles Fixing, Anzahl erkannter Satelliten und Genauigkeit der Standortermittlung deutlich besser als beim Samsung, sogar fast auf Garmin-Niveau (allerdings stärker schwankend). Perfekt.
Der erhoffte Nutzen des im Vergleich zum Asus Prime neu verbauten Kunststoff-Streifens (der übrigens schön bündig mit dem Gehäuse abschließt) stellt sich tatsächlich ein: GPS- und WLAN-Empfang bewegen sich auf vernünftigem Niveau (hier gab es beim Prime noch vielfach bestätigte Probleme). Der Vergleich mit meinem Samsung Galaxy S+ an verschiedenen WLAN-Routern und bei unterschiedlichen, räumlichen Situationen zeigt, dass das Asus durchwegs eine um ein paar dBM bessere Empfangsleistung hat (gemessen mit "Wifi Analyzer").
Dass dem Infinity ein eigenes 3G/LTE-Modul fehlt, finde ich nicht störend: Tethering in Verbindung mit meinem Samsung funktioniert hervorragend. Wenn man das Handy dabei via USB ans Dock anschliesst, ist auch der erhöhte Stromverbrauch gut zu verschmerzen (das Asus hat ja genügend Saft an Bord). Wahlweise kann man hier auch einen mobilen Hotspot verwenden.
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