Romantische Liebe, Freundschaft und Mitgefühl: TRANSFER bietet dem Zuschauer neben einer medizinischen Zukunftsvision auch starke emotionale Aspekte - und das ist ja nicht selbstverständlich für das Science Fiction Genre. Die Gefühle, die den Zuschauer beim Ansehen bewegen, wirken noch lange nach, auch nachdem man das Kino verlassen hat.
Hier erstmal eine kurze Beschreibung, worum es in dem Film geht:
Deutschland in der nahen Zukunft: Hermann (Hans-Michael Rehberg) und seine Frau Anna (Ingrid Andree) haben ein langes, glückliches Leben miteinander verbracht. Im hohen Alter erkrankt Anna an Krebs und hat nur noch wenige Monate zu leben. Der Gedanke, dass seine Frau bald sterben muss, ist für Hermann schmerzvoll und unerträglich. Er überredet Anna, die Dienste der Firma Menzana in Anspruch zu nehmen, welche nicht weniger verspricht, als ein zweites Leben. Menzana ermöglicht es seinen Kunden, ihre Persönlichkeiten in einen jungen Körper zu transferieren, in welchem sie weiterleben können. Die ursprüngliche Persönlichkeit des jungen Körpers, also seine wahre Identität, wird dabei zwar nicht gelöscht, ist allerdings nur noch nachts während vier Stunden aktiv. 'Spender' findet die Firma vorwiegend in Drittweltländer; vor allem junge Afrikaner, die aus ärmsten Verhältnissen stammen und ihren Familien eine bessere Zukunft ermöglichen wollen, stellen sich zur Verfügung.
Anna und Hermann bekommen die Körper von Apolain aus Mali und der Äthiopierin Sarah (die beiden amerikanischen Schauspieler B.J. Britt und Regine Nehy).
Zunächst genießt das verjüngte Paar seinen zweiten Frühling aus vollen Zügen. Aber der Film bleibt bei dem hedonistischen Thema nicht stehen. In der Nacht kämpfen Apolain und Sarah, um ihrer Zeit in der Gefangenschaft eine Bedeutung abzutrotzen. Am Tage werden Anna und Hermann mit den rassistischen Vorurteilen ihrer Bekannten konfrontiert.
Auch körperlich ist es für alle ein Arrangement, das nicht perfekt funktioniert. Es gibt eine Szene, in der sich Anna und Hermann betrinken und Sarah und Apolain mit einem Kater aufwachen. Als auch Sarah und Apolain anfangen miteinander zu schlafen, wird Hermann eifersüchtig vor Wut. Und als Anna/Sarah schwanger werden, zweifeln sowohl Hermann, als Apolain, ob sie wirklich der Vater sind und lehnen das Kind ab. Nachdem sich Sarah und Apolain ineinander verliebt haben, entschließen sie sich, ihrer Gefangenschaft zu entfliehen...
TRANSFER erzählt seine komplexen Themen als eine sehr fokussierte und unterhaltsame Liebesgeschichte auf zwei Ebenen. B.J. Britt und Regine Nehy spielen die armen Immigranten und das reiche Millionärspärchen so überzeugend, dass für mich nie ein Zweifel aufkam, welche "Seelen" in der jeweiligen Szene gerade in ihnen präsent waren. Regisseur Damir Lukacevic hat alles nahtlos miteinander verzahnt und auch die Details handwerklich so gut gestaltet, dass es bis zum Ende spannend bleibt. Hinzu kommt eine hervorragende Kameraarbeit, durchkomponierte Bilder und eine kühl-elegante realistische Ausstattung ohne Sci-Fi-Schnickschnack.
TRANSFER lief auf vielen internationalen Festivals und hat dort etliche Preise gewonnen. In Deutschland wurde er leider kaum gesehen. Umso schöner, dass die DVD nun erscheint.