...lauert bei diesem Roman bereits nach wenigen Kapiteln....
Wie die Marathonpremiere eines unerfahrenen Läufers schießt diese Geschichte rasend schnell vom Startbereich los, um wenig später von Kapitel zu Kapitel immer mehr abzuflachen, bis es schließlich zu einen ganz schwachen Schluß kommt.
Die Story in Kürze: Während der großen Depression der frühen Dreißiger Jahre veranstaltet der Promoter C. C. Flanagan einen Wettlauf von Los Angeles nach New York. Die riesigen Preisgelder locken Läufer - erfahrene Profis und völlige Anfänger - aus der ganzen Welt in die USA. Der Lauf ist vom Start weg von vielen Schwierigkeiten begleitet und von Etappe zu Etappe häufen sich die Probleme, vor allem finanzieller Natur.
Hauptakteure neben Flanagan sind vor allem einzelne Läufer und eine Läuferin, die samt und sonders aus verschiedenen Gründen die Preisgelder erhaschen wollen. Ein Mexikaner will damit sein Dorf retten, ein anderer läuft seiner Vergangenheit davon, und der schon ältere Doc Cole will seine letzte Chance auf einen Gewinn wahren.
Die Geschichte bleibt sehr klischeehaft und schwach. Steht zu Beginn noch das Laufen im Vordergrund - einzelne Etappen z. B. durch die Rocky Mountains oder die Wüste werden noch anschaulich aus Sicht der Läufer geschildert - rückt in der Hälfte des Buches das Organisatorische in den Vordergrund.
Die Charaktere wirken blaß, darüber hinaus sind nur die "guten" Protagonisten im Vordergrund. Gegenspieler bleiben relativ sprachlos. Die Chance, auch einem Antagonisten eine Stimme zu verleihen, wird vertan. So nimmt an diesem Rennen eine Gruppe der zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Hitlerjugend am Rennen teil, doch bleiben diese mit Ausnahme ihres Teamchefs, der, oh Klischee, mit Monokel auftritt, wortlos bis zum Schluß. Selbst als ein US-Amerikanischer Gewerkschafter die Nationalsozialisten irrtümlicherweise für "Kollegen" aus dem alten Kontinent hält - wie ich finde originelle Idee - bleibt die Chance, daraus etwas zu entwickeln, ungenutzt.
Von den Hauptdarstellern überzeugt eigentlich nur der Charakter des Doc Cole, mit dem auch sowas wie eine Sympathie von Leser auf Romanfigur entstehen kann. Geschickt werden auch in seinen Erläuterungen immer etwas Geschichte des Ultra- und Extremlaufes eingeflochten, so daß der Leser auch ein wenig über die uns heute so verrückt anmutenden Profirennen des 19. Jahrhunderts in Erfahrung bringt.
Ganz grausig ist das "Da ist ein Problem - schwupps - sofort gelöst"-Syndrom in jedem Kapitel. Was es auch ist - korrupte Politiker, die Mafia (z. B. ein Gastauftritt von Al Capone), aufgehetzte Gewerkschafter, ein streikender Catering-Service und und und - noch im gleichen Abschnitt tritt entweder jemand auf, der einen der Darsteller von früher her kennt und das Problem beseitigt, oder das Problem wird anders gelöst. Zumindest nerven diese Happy-Ending-Kapitel mit der Zeit.
Höhepunkt des Kitsches bleibt dann der Schluß des Romanes, aber da soll nicht zu viel verraten werden, außer, das die Laufveranstaltung ihr Ziel New York erreicht. Aber das überrascht bei den Happy Ends nicht wirklich.
Natürlich gibt es auch positive Seiten des Buches. Neben den erwähnten Charakter des Doc Cole, mit dem sich der Autor wirklich Mühe gemacht hat, gefällt mir Kapitel 3 ("Broo-Park") sehr gut, in dem das Glasgow von 1930 mit samt seinen Milleau der Arbeitslosigkeit und Armut sehr authentisch geschildert wird. Auch tauchen doch hin und wieder kleinere Abschnitte auf, die in ihrer Beschreibung und Erzählung Stimmung aufkommen lassen, auch wenn diese spärlich besetzt sind.
Vielfach werden allerdings Personen der Zeitgeschichte erwähnt, die nicht unbedingt jedem Leser eine Begriff sein werden, die man allerdings kennen sollte, wenn der Satz, in dem sie erwähnt werden, einen Sinn ergeben soll.
Das Buch selber liest sich sehr schnell, die deutsche Übersetzung ist allerdings teilweise mißlungen und inkonsequent. So wird z. B. ein Colonel als Oberst übersetzt, zwei Sätze weiter bleibt der Seargant ein Seargant. Auch sonst wurde teilweise geschludert.
Alles in allem ein Buch, das nur zur Hälfte direkt mit Laufen zu tun hat. Kann man lesen, kann sogar stellenweise Spaß machen. Aber man stirbt nicht, wenn man es nicht gelesen hat.