Nein, diese Platte ist kein unbedingtes Must in einer Sammlung. Wenn man allerdings Bach einmal anders hören will, schadet es sicher auch nicht, sie im Regal stehen zu haben: Esa-Pekka Salonen und sein Los Angeles Philharmonic Orchestra haben sich fünf verschiedene Instrumentationen von Bach-Werken auf die Pulte gelegt und geben zum Abschluss noch Mahlers Bearbeitungen einiger Sätze aus den Orchestersuiten Nrs.2 und 3.
Diese letzte "Suite für Orgel, Cembalo und Orchester" ist auch das Stück, dass den Repertoirewert der Platte hebt: Meines Wissens ist es sonst nicht eingespielt. Mahler erarbeitete diese Fassung als Chefdirigent des New York Philharmonic, und spielte bei der ersten Aufführung auch den Cembalopart selbst (ganz im Stile der Alten, wie er selber in einem Brief meinte). Ein Dokument der Bach-Rezeption ist das, dass Originalklangpuristen sicher die Tränen in die Augen treiben kann, denn da wird mit Vibrato, Pizzikato und einer eher grossen Besetzung Bachs Original gegeben, dazu werden noch Sätze aus zwei verschiedenen Bach-Suiten zu einer neuen Suite gefügt - man kann sich heute kaum mehr vorstellen, dass diese Bearbeitung ein Meilenstein war und es dem Publikum überhaupt weitgehend erst ermöglichte, diese Musik einmal im Konzertsaal zu hören.
Die fünf anderen Orchestrationen sind sehr unterschiedlich, das Spektrum reicht von Weberns zarter Bearbeitung des Riccercare Nr.2 aus dem Musikalischen Opfer über Schönbergs deutlich an der Orgel orientierter Fassung von BWV 552 hin zu Bearbeitungen von Stokowski (natürlich die berühmte Toccata und Fuge in d-moll, aber auch die "kleine" Fuge BWV 578) und der wahrhaft monströs-scheusslichen "Pomp-and-Circumstance"-Version von BWV 537, in der Edward Elgar allerlei Schlagwerk auffährt, um Bach (in der Fuge) gleichsam für die Imperialmacht Englands marschieren zu lassen (immerhin kann man bisweilen darüber schmunzeln)....
Die Interpretationen sind gut gelungen, allein bei den beiden Bearbeitungen von Schönberg und Webern bleiben Salonen und die seinen hinter Konkurrenzaufnahmen zurück: Die Webern-Bearbeitung ist Boulez und den Berliner Philharmonikern ungleich stringenter gelungen (Salonen setzt eher auf das impressionistische), und die Schönberg-Fassung hat Gielen mit dem SWF-Sinfonieorchester detail- und farbenfreudiger eingespielt (Salonen bleibt auch in der Rhythmik hier erstaunlich ungenau).
Wirklich kein Schaden, wenn man diese Aufnahme besitzt....