Sofsky zelebriert Kulturpessimismus in Reinform: Ausgehend von Freuds These (in: Das Unbehagen in der Kultur), dass Kultur Gewalt produziert, entwickelt Sofsky ein Panoptikum des Grauens.
In jeweils zwölf Kapiteln analysiert er - ausgehend von einem historischen oder biblischen Exemplum - warum der Mensch Gewalt braucht. Da kommen "Der Kampf" unter die Lupe, "Die Hinrichtung", "Das Massaker".
Stilistisch und argumentationstechnisch ist eine Nähe zu Canettis "Masse und Macht" nicht zu übersehen. Problematisch hierbei: Viele Argumente tauchen drei- oder viermal nacheinander, nur in anderer Formulierung auf. Immer wieder setzt Sofsky neu an, um sich einem Phänomen zu nähern. Er kann sich nicht für einen Satz entscheiden, der alles in aller Kürze sagen würde. Das verleitet zum Überfliegen. Der Vorteil: Was wiederholt wird, bleibt in den Neuronen hängen.
Das Ganze mündet in der für Kulturpessimisten bestätigenden Feststellung: "Die Beteuerung, in einem Zeitalter sittlichen Fortschritts zu leben, zeugt nicht nur von Vermessenheit, sondern auch von historischer Verblendung." Freud ging gar so weit, dass er forderte, der Mensch solle einer anderen, "besseren" Spezies Platz machen. Dies allerdings lässt Sofsky weitgehend unkommentiert.