Hätten sich die beiden Bewerbungs-Päpste Hesse und Schrader auf die Elemente eines Vorstellungsgesprächs konzentriert, die sich vermitteln und erlernen lassen, wären fünf Bewertungssterne die logische Folge. Denn tatsächlich scheitern wohl die meisten dieser Gespräche am mangelnden Bewusstsein, worum es in dieser Situation überhaupt geht. Das wiederum bewirkt eine schlechte Vorbereitung, Stress, Ungeduld, Unsicherheit. Weitaus schwieriger ist es allerdings, sich die passende Körpersprache zuzulegen und seinen Sprachstil zu ändern. Auch wenn ich im Kapitel "Faktor Körpersprache" die netten Illustrationen sehe oder Hesse und Schrader auf der CD betrachte, kriege ich die besten Signale nicht auf Reihe, indem ich mich mit dem Buch in der Hand vor dem Spiegel verrenke. Das bestätigte mir bei einem Treffen auch Samy Molcho, einer der bekanntesten und erfahrensten Pantomimen und Trainer für Körpersprache. Ohne intensives Coaching geht auf diesem Gebiet gar nichts. Und wer anderes verspricht, lügt sich und seinem Publikum in die Tasche.
Zu Beginn dieses Trainingsbuchs werden dem Leser drei Schlüssel zum neuen Job in die Hand gegeben. Es sind dies: Kompetenz, Leistungsmotivation und Persönlichkeit. Das Dumme ist nur, dass sich diese Schlüssel so schlecht beschreiben lassen, dass die Herstellung passender Duplikate ein Ding der Unmöglichkeit ist. Und mit der Selbsteinschätzung ist es ebenfalls nicht so einfach, wie es die paar Tests vermuten lassen. Praxisnaher wird dieses Buch, wenn es um Einblicke in Vorstellungsgespräche geht. Denn diese Passagen geben dem Leser eine Ahnung, auf welcher Bühne er sich bewähren muss, was seine Rolle ist und welche Dialoge oder Monologe Sinn machen könnten. Der Leser erhält einen Überblick über die wichtigsten und gängigsten Fragen, was ihn vor unliebsamen Überraschungen bewahren kann.
Nachdem verschiedene Fragetypen aufgelistet und erklärt werden, gehen die beiden Autoren auf den Gesprächsablauf im Einzelnen ein. Auch dieses Wissen schafft Sicherheit. Danach folgen gute Antworten auf schwierige Fragen, Strategien und Techniken, Tipps und Tricks. In diesem Kapitel wird meiner Meinung nach zu wenig auf den Umstand eingegangen, dass man Antworten schlecht auswendig lernen kann. Was ich von einem Kapitel "Körpersprache" halte, habe ich bereits gesagt. Sinnvoller finde ich eher scheinbare Banalitäten wie Anreise, Nachbereitung und Umgang mit Absagen. Und ob sich der Leser schließlich die Merksätze auf große Plakate schreiben will, überlasse ich gerne ihm selber.
Mein Fazit: Wer mit diesem Trainingsbuch das einübt, was sich innert nützlicher Zeit auch wirklich üben lässt, wird die Investition bestimmt nicht bereuen. Aber wer glaubt, auch der Körper höre auf die Tipps von Hesse und Schrader, wird wahrscheinlich eine Enttäuschung erleben. Auf der CD finden sich Videos, die 100 häufigsten Fragen, Lerntests, Audiobeispiele und Rhetorikübungen.