Das bei Heyne erschienene deutschsprachige Taschenbuch des Rechenkünstlers Rüdiger Gamm geht davon aus, dass Gehirnleistungen nicht lediglich angeboren, sondern auch trainiert und damit verbessert werden können. Dazu plaudert er in gefälliger Umgangssprache, angenehm lesbar, sehr offenherzig über seinen ungewöhnlichen Lebensweg. Nicht ganz ohne Koketterie kontrastiert er dabei sein ihm bescheinigtes Schulversagen mit den augenscheinlichen heutigen Lebenserfolgen in den Medien. Selbstbewusst leistet er sich angesichts seiner unbestreitbaren Hochbegabung als Gedächtnisgenie Hinweise auf die für die Inselbegabung charakteristischen Defizite in anderen lebensnahen Bereichen.
Die Ausführungen über die menschliche Physiologie, speziell des Gehirns, werden leider nicht belegt und sind nicht immer zutreffend. Man muss sie glauben oder in der wissenschaftlichen Literatur selbst recherchieren, wenn man zweifelt. Die Kapitelüberschrift ,Intelligenz kann man essen' ist natürlich ein Denkfehler, meint wohl, dass man die Intelligenzentwicklung durch eine entsprechende Ernährung fördern kann.
Hier liegen dann auch die Stärken des von Co-Autorin Alexandra Ehlert unterstützten Büchleins, -in der Botschaft, dass Intelligenzleistungen von zahlreichen Faktoren wie Erbmasse, Lernumfeld, Ernährung, Bewegung, Gefühlslage, Wahrnehmung abhängen und entsprechend beeinflussbar sind. Der über Rechenaufgaben hinausgehende praktische Übungsteil und das handliche Taschenbuchformat bieten die Chance zur sinnvollen Nutzung von Wartezeiten oder langen Bahnfahrten. Auch wenn etwas zu kurz kommt, dass Intelligenz sehr viel mehr ist als Gedächtnisleistung, ist das handliche Buch sicher ein Gewinn und freundlicher Begleiter für ,Gehirnjogger' und ,Gedächtnistrainer'.