Bisher hatte ich immer mein Fernglas 7x35 mit einem Sehfeld von 141m/1000m im Gepäck. Mit 600g ist dies jedoch nicht gerade ein Leichtgewicht fürs tägliche Handgepäck. Daher suchte ich nun ein wesentlich leichteres Glas, denn mein 20 Jahre altes Monukular 6x18 mit einem Sehfeld von 96m/1000m ist für längere Beobachtungen mit einem Auge nun doch allmählich zu anstrengend geworden.
Nach langen Recherchen fand ich das Trailite TL-MT100WBK Binokular 6x18 mit 131m/1000m Sehfeld für <13 Euro bei Amazon.de. Die Eckdaten stimmten, gute Rezensionen waren bereits geerntet, also mal eben für den Preis 2 Stück bestellt, um Versandkosten zu sparen. Dann die Überraschung: Das Glas war noch viel kleiner als erwartet, kürzer als mein altes Monokular und etwa gleich schwer, sehr angenehm. Dann der erste Test:
Die Scharfeinstellung erfolgt für jedes Auge getrennt, ist ein Arbeitsgang mehr, stört aber nicht wirklich. Und dann war ich doch positiv überrascht: Außer der üblichen 10% Randunschärfe, die ich noch bei jedem Fernglas festgestellt habe, ist für alle Entfernungen ab 2m (!) ein super scharfes Bild möglich. Die 6-fache Vergrößerung erlaubt trotz des leichten Gewichts recht zitterfreie Beobachtungen. Die Jupiter-Monde sind freihändig jedoch nicht zu erkennen, dafür müsste das Glas zumindest auf einem Stativ befestigt werden, wofür ein Stativgeinde jedoch fehlt. Es gibt aber Stativadapter, die das Fernglas wie eine Schraubzwinge halten und selbst ein Stativgewinde besitzen. Ob die Helligkeit für die Monde dann noch ausreicht, konnte ich noch nicht testen, mit meinem 7x35 hat es einmal bei optimalen Bedingungen für alle vier Mondes gerade noch so ausgereicht.
Dann heute Abend der zweite Test: Details, die man bei Dämmerung mit bloßem Auge nicht mehr auflösen kann, sind mit diesem Modell prima zu erkennen. Beispiel: Vor einem Haus in 300m Entfernung stehen zwei Straßenlaternen. Die Haustür daneben war mit bloßem Auge noch vorstellbar. Mit diesem Fernglas konnte man dann noch hinter den Lichtquellen drei Fenster erkennen. Das hat mich überzeugt, die Lichtstärke empfinde ich als brauchbar.
Das Fernglas besitzt noch einen eingebauten Kompass. Dieser ist mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich funktioniert er, aber scheinbar ist die Kompassscheibe zu leicht und wird von einigen verbauten Metallteilen abgelenkt. Denkt man, der Kompass hat soeben Norden angepeilt, sollte man das Fernglas ebenfalls in Blickrichtung Norden ausrichten, dann korrigiert sich der Kompass und man sollte nun wieder mit dem Fernglas entsprechend mitdrehen, usw.. Irgendwann sind dann Kompass und Fernglas nach Norden ausgerichtet und man kann davon ausgehen, dass dies nun die richtige Richtung nach Norden ist.
Ich muss sagen, dass ich sehr zufrieden mit dem Kauf beider Gläser bin. Ich hoffe, sie werden eine Weile ihre Dienste verrichten, die Verarbeitung macht aber auf mich einen guten Eindruck. Die Knickgelenke sind sehr straff und verstellen sich nicht versehentlich. Die Fokussierung besitzt eine gute Haptik, nicht zu schwer und nicht wackelig. Beide Gläser funktionieren außerdem gleich gut. Bei dem aktuellen Preis für diese Größe meine definitive Empfehlung!