Bislang war mir die Schlacht am Wolchow, Ladogasee und Illmensee "nur" als 900-tägige Schlacht um Leningrad bekannt. Das Ausmaß, daß praktisch die gesamte Heeresgruppe Nord in diesen Kämpfen gebunden wurde,war mir nicht bekannt.
Das sich z.B. der anglo-amerikanische Nachschub über den Eismeerhafen Murmansk dort hätte abschneiden lassen, entzog sich meiner Kenntnis.
Es ist anzumerken, dass in der Öffentlichkeit, in Bezug auf den dt.-russ. Krieg, das Augenmerk immer auf Moskau 41, Stalingrad 42/43 und Kursk 43 lag. Dieses Buch trägt dazu bei, einen Gesamteindruck zu vermitteln.
Der Autor hat als junger Mann an den Kämpfen teilgenommen und leitet das Buch mit einer Schiffsreise nach Leningrad, jetzt wieder St.Petersburg, ein. Er befindet sich auf einer Art Reise zu sich selbst, ein Stückchen Vergangenheitsbewältigung schwingt mit. Er setzt jetzt erstmal den Fuß in eine Stadt, um die er fast drei Jahre gekämpft hat.
Dem Autor gelingt es, die Kämpfe realistisch und ohne Pathos darzulegen. Er betont immer wieder, dass es beide Seiten schwer hatten, dass junge russische und deutsche Männer elendig zugrunde gingen.
Das Kartenmaterial entstammt dem Kriegstagebuch der Heeresgruppe, für mich war es nur bedingt verständlich, da zu ausführlich, zu detailliert. Das Leiden der Leningrader Bevölkerung findet nur am Rande statt.
Positiv sind die Augenzeugenberichte, die Quellenangaben und auch der Bildteil.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das in das Bewusstsein rückt, dass überall an dieser verfluchten Ostfront junge Männer beider Seiten elendig starben. ihre Gesundheit an Geist und Körper einbüßten oder lebenslang traumatisiert wurden.