Aus der Amazon.de-Redaktion
In der Romantik und ihrem Vor- bzw. Umfeld war es sehr beliebt, Bücher zu schreiben, die man dann mit einem Vorwort versah, um so zu tun, als habe sie der Autor nur herausgegeben.
Die Handschrift von Saragossa von Jan Potocki ist so ein Beispiel, und bis zum Expressionismus -- etwa bei Robert Müllers
Tropen -- wurde das immer wieder gerne zelebriert. In der schwarzen Romantik war zudem das Diabolische, Dunkle, Satanische gern Stoff für gruselige Geschichten. Warum um alles in der Welt ist damals eigentlich niemand auf die Idee gekommen, die Biografie des Teufels selbst zu schreiben?
In der Ewigkeit der Unterwelt herrschen ja bekanntlich andere Gesetze, und deshalb war es noch nicht zu spät dazu. Nun nämlich hat Andreas Schlieper die Aufgabe übernommen und in einer Herausgeber-Fiktion Die Geschichte des Teufels, von ihm selbst erzählt (Untertitel) geschrieben. Dabei kommt allerlei Erstaunliches über den Werdegang der Menschheitsgeschichte und ihre Beeinflussung durch Satan ans Tageslicht, auch wenn der Unaussprechliche inzwischen einsehen muss, dass sich seine bösen Pläne wie Goethes Zauberlehrlingsgeister inzwischen verselbstständigt haben und der schnöde Mammon in gewisser Weise auch das Böse kontrolliert.
Leider hat Schlieper bei seinem opulenten Tractatus Satanicus dem geschwätzigen Teufel das ein oder andere Wort zu viel entlockt. So viel es aus dem Jenseits auch zu berichten gibt, etwas Straffung hätte dem Buch sehr gut getan. Und auch die Grunderkenntnis Satans, dass die Menschen dem großen diabolischen Plan immer wieder entgegenstehen, ist so originell leider nicht. Im Großen und Ganzen aber ist der Tractatus Satanicus ein höllisch gutes Buch. Der Teufel hätte seine helle Freude. --Stefan Kellerer
Kurzbeschreibung
Am Anfang schuf Gott eine perfekte, makellose Welt, um sich dann sogleich zu verabschieden. Das Licht der Erkenntnis aber brachte der Teufel zu den Menschen. Endlich bricht er jetzt sein Schweigen und erzählt seine Version vom Gang der Dinge: Er schuf den Neid als revolutionäres Prinzip. Er erfand die Wollust als unstillbaren Wunsch aller Wesen, sich zu entwickeln. Denn das Sein ist das Werk Gottes, das Werden jenes des Teufels. Er setzte die Regeln und gab den Menschen die Freiheit, selbst zu entscheiden, wohin sie gehen. Zuzeiten streben sie danach, sich und die Welt zu vervollkommnen. Der Blick auf die Weltgeschichte lässt jedoch Zweifel am Gelingen aufkommen: Vom Turmbau zu Babel über die gottfernen Irrwege des Christentums bis zur Alleinherrschaft des Götzen Mammon verdichten sich die bedrohlichen Anzeichen. Inzwischen scheint es, als habe sich der Fürst der Welt entschieden: Ohne die Menschen hat seine Schöpfung größere Chancen, vollkommen zu werden. Mit leichter Hand und überbordender Lust an der Erkenntnis bürstet Andreas Schlieper Menschheitsgeschichte gegen den Strich. Eine Lesereise durch den gewaltigen Ozean menschlicher Möglichkeiten - zwischen herrlichstem Gelingen und apokalyptischem Scheitern.