Ich finde nicht, dass man als begeisterter Leser eines großen Schriftstellers auch immer alles gut finden muss, was dieser schreibt. Gerade in der Liebe und in der Verehrung sollte der Blick frei bleiben für Kritik. Und vorliegender Band, der ausschließlich Gedichte in musikalischer Liedform beinhaltet, hat mir persönlich nicht so gut gefallen. Die Gedichte sind mir allzu moralisch, sie beinhalten nicht - wie sonst Endes Kurzgeschichten zum Beispiel - jene unnachahmlichen surrealistischen Ideen. Hier ist alles ganz einfach. Der Dieb wird bestraft, der Krieg ist böse, die leichte Liebhaberin verschwindet... nein, das hat mir persönlich nicht imponiert. Auch sind mir die Gedichte allzu einfach gereimt. Natürlich sollen sie liedhaft sein. Aber man denke an Mathias Claudius, auch das leichte Lied kann Tiefe haben,... vorliegender Band erinnerte mich an Janosch - den ich ebenfalls sehr schätze - der aber etwas ganz anderes ist als Michael Ende, weswegen ich, in der Erwartung großer Gedanken Michael Endes und großer Phantasien - hier an der Stelle doch eher enttäuscht war.
Ende war kein Dichter, das spürt man hier.
Bei aller Liebe - nur 2 Sterne.