Richard von Volkmann-Leander
Täumereien am französischen Kaminen
Mitteldeutscher Verlag ISBN 3898123898
Richard von Volkmann gehörte zu einer berühmten Familie, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Sachsen ansässig war.
Der Urgroßvater, ein bekannter Rechtsgelehrter, verkehrte im Hause Goethes, der Vater war Professor der Anatomie und der Physiologie, und die Mutter stammte aus einer weltbekannten und angesehenen Verlegerfamilie in Leipzig. Wilhelm von Kuegelgen, Ludwig Richter, Clara und Robert Schumann gehörten zum Freundeskreis der Familie. Als Richard von Volkmann 1830 geboren wurde, galt die universale Bildung noch als Privileg der Gebildeten und kulturell Interessierten. Richard studierte später Medizin und zählte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den genialsten Chirurgen seiner Zeit. Noch später nimmt er am deutsch-französischen Krieg 1871 teil. Während der langen Nächte an französischen Kaminen und mit der Sehnsucht nach dem heimischen Herd und nach seiner zahlreichen Kinderschar entstehen auf diese Weise 22 wunderbare Kunstmärchen. Er hat sie mit seinen Briefen aus französischen Schlössern und Villen von der Belagerung vor Paris nach Hause geschickt und später unter dem Namen Richard Leander veröffentlicht. Man konnte über ihn lesen, dass er sowohl ein weiches < gläsernes > Herz hatte, als auch schroff und verletzend zu seinem Nächsten sein konnte. Sein Schreiben hat niemals seine wissenschaftlichen Arbeiten tangiert, sondern beide Talente bestanden uneingeschränkt neben einander.
Das Goldtöchterchen, Der verrostete Ritter, die drei Schwestern mit den gläsernen Herzen und die Traumbuche gehören sicher zu den bekanntesten Titeln seiner Märchen.
Alle Märchen spiegeln etwas von der Traurigkeit wieder, die den Erzähler mit seinen Kriegserlebnissen gefangen hielt. Man sieht, dass hier Märchen ausgedacht wurden und nicht wie die Volksmärchen überliefert wurden. Ob es die traurigen Eltern sind, die dem Goldtöchterchen hinterher weinen, oder ob der alte Herr, der den alten Koffer, in dem ein hübsches Prinzesschen versteckt ist, streng hütet wie seinen Augapfel: eine leise Melancholie schwebt über den Geschichten. In dem Märchen von den drei Mädchen mit den gläsernen Herzen zeigt sich der Chirurg, der weiß Cit < ..was in der Jugend einen Sprung kriegt und geht nicht gleich entzwei, das hält nachher oft gerade noch recht lange. > Dass am Ende Glück verheißt, was zu Beginn recht traurig stimmt, das zeigen alle 22 Geschichten.
Beim Mitteldeutschen Verlag sind die Märchen 2006 mit Illustrationen von verschiedenen Künstlern neu aufgelegt worden, die zu einem freudigen Wiedersehen für diejenigen führen, die sich als heranwachsende Kinder von den Märchen begeistern ließen.
Das Büchlein eignet sich für Kinder ab ca 8 -10 Jahren.