Einer meiner Vorrezensenten beschwert sich darüber, dass man in Hamiltons Commonwelth-Universum nicht einfach mitten drin einsteigen kann.
Eine Buchreihe zeichnet sich aber eben gerade dadurch aus, dass es eine Reihe ist und die Bücher nicht einzeln gelesen werden können. Je nach Autor wird in den einzelnen Bändern zu Begriffsschöpfungen und Namen mehr oder weniger nochmals Stellung genommen, um dem Gedächtnis des Lesers wieder auf die Sprünge zu helfen.
Bei Träumende Leere handelt es sich zwar um den Anfang einer neuen Geschichte im Commonwelth-Universum, nicht jedoch um den Beginn der Commonwelth-Saga schlechthin.
Vor diesem Hintergrund muss die Geschichte auch gesehen werden. Es kommen viele Protagonisten der ersten Geschichte im Commonwelth-Universum auch in der zweiten wieder vor - wenn auch teilweise erst im Folgeband. Und genau hier bietet Hamilton seinen Lesern auch diverse Stützen, um ihnen wieder in Erinnerung zu rufen, wer diese oder jene Person war oder für welche Technologie dieses oder jenes Kürzel steht. Er beschreibt diese jedoch nicht wieder ganz von vorne und im Detail.
Wen die Geschichte bereits gefesselt hat und diese aufmerksam liest, dem erschließt sich allerdings durchaus aus dem Kontext, für welche Technologie gewisse Begriffe stehen sollen und wie diese funktioniert oder was sie bewirkt.
Wer mit der Commonwelth-Saga (Erste Geschichte: Der Stern der Pandora, Die Boten des Unheils, Der entfesselte Judas und Die dunkle Festung) also nicht vertraut ist, kann es zwar riskieren hier mit Träumende Leere in Hamiltons neue Geschichte, der Void-Triologie, einzusteigen, ist meiner Meinung nach aber fast besser beraten erst die vorhergehenden vier Bände der ersten Geschichte zu lesen.
Zwischen Träumende Leere und Schwarze Welt besteht ein nahtloser Übergang. Dementsprechend werden Sie als Leser in Schwarze Welt auch keine einführenden Erklärungen zu Personen, Technologien, etc. erhalten. Am besten also direkt nacheinander lesen.
Dieser Umstand ist allerdings nicht auf Hamilton sondern auf die Unverfrorenheit des deutschen Verlags zurückzuführen, der hier schnelles Geld machen wollte und das Original des Autors im Deutschen kurzerhand in zwei Teile geteilt hat.
Bei Träumdende Leere handelt es sich folglich um die erste Hälfte des englischen Originals.
Fast war ich versucht dafür einen Punkt abzuziehen, habe es aber dann doch gelassen. Schließlich geht es hier darum Hamiltons Werk zu beurteilen und nicht die Verlagspolitik.
Zur Geschichte selbst möchte ich nur sagen, dass es ein typischer Hamilton ist - komplex, mit Liebe zum Deteil und aufgefächert in mehrere Handlungsstränge geschrieben.
Den Vorwurf den andere erhoben haben, dass Hamilton die Stränge nicht verbindet und es eigenständige Geschichten wären, kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Natürlich lässt der Autor sich Zeit damit, bis die Protagonisten der einzelnen Handlungsstränge sich erstmals begegenen oder er die Relevanz dieser Stränge für einander offen vor dem Leser ausbreitet.
Wer die Geschichte allerdings WIRKLICH liest und begeistert dabei ist, dem erschließt sich aber mit Sicherheit auch so, was die Handlungsfäden miteinander verbindet.
Hamilton hat auch hier - wie in seinen anderen Zyklen - wieder sein besonderes Talent gezeigt. Er fesselt den Leser an einen Handlungsstrang bis zu einem zwischenzeitlichen Höhepunkt......nur um dann den Schauplatz zu wechseln. Ist man dann endlich an der Stelle, wo es mit dem zuvor unterbrochenen Strang weiter geht, hat man das selbe Gefühl bei dem Strang der dafür wiederum unterbrochen wird. Ich hoffe ich konnte verständlich machen was ich damit meine.
Alles in allem führt dieses Konzept dazu, dass man das Buch im Rekordtempo verschlingt, da man immer wissen will, wie es an anderer Stelle weiter geht.
Wer andere Geschichten von Hamilton kennt, der kennt vielleicht auch das Gefühl, dass dort der ein andere Handlungsstrang nicht ganz so interessant war - um nicht zu sagen langatmig (wenn auch auf minimalstem Niveau). Denen sei hier gesagt, dass das in Träumender Leere mit nichten der Fall war - alle Stränge waren (so gut wie immer) auf ganzer Länge durch und durch interessant. Wenngleich mich die Handlung rund um die Person Edeard, welche sich in der Leere (auf die auch der Buchtitel anspielt) abspielt, besonders gefesselt hat.
Abschließend kann ich nur sagen, dass ich von Hamiltons neuer Geschichte vollauf begeistert bin und dafür 5 Sterne vergebe.
FAZIT:
* Hamilton Fans, die die Commonwelth-Saga (Erste Geschichte die in diesem fiktiven Universum spielt) bereits kennen: Uneingeschränkte Kaufempfehlung
* Hamilton Fans, die die Commonwelth-Saga noch nicht kennen: Können getrost auch zugreifen, sind meiner Meinung nach aber fast besser beraten, vorher die erste Geschichte zu lesen, um das Lesevergnügen wirklich ungetrübt genießen zu können
* SciFi-Fans, die noch nichts von Hamilton gelesen haben, denen parallele Handlungsstränge nichts ausmachen bzw. von solchen sogar begeistert werden können: Hier würde ich wirklich empfehlen vorher unbedingt die Commonwelth-Saga zu lesen, ehe man sich die Void-Triologie zu Gemüte führt (ansonsten führt das nur zu weiteren 1-Stern Rezensionen, welche der Geschichte wirklich unrecht tun)
* SciFi Fans, die absolut nicht auf komplexe, selbst kreierte Technologien und weitschweifige parallele Handlungen stehen: Finger weg
Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen Unentschlossenen mit meiner Rezension helfen :-)