Ich bin insgesamt recht enttäuscht über die neue CD von Michael Morgan. Ich hatte es ja schon gleich vermutet, als ich erfahren habe, dass Michael Morgan nun von Jack White produziert wird: Das neue Album ist zu mehr als die Hälfte eine Retorten-CD. Es ist ja nichts Neues, dass Jack White üblicherweise einen komponierten Titel mit teilweise verschiedenen Texten von etlichen Interpreten singen lässt, doch bei Michael Morgan hatte ich zunächst noch ein wenig die Hoffnung, dass uns da diesmal etwas Abwechslung erwartet, da die beiden Vorab-Singles "Die Frau in meinen Träumen" (keine Komposition von White) und "Träumen von Liebe" doch neu und vielversprechend waren. Doch gleich der erste Titel des neuen Albums bestätigte meine Befürchtung, dass wir da nicht viel Neues zu hören bekommen werden. Gleich bei den ersten Tönen von "Die Liebe weint" dachte ich mir sofort: das kennst du doch. Und ganz spontan fielen mir ohne groß nachzudenken gleich drei frühere Aufnahmen mit derselben Melodie ein: "September Love" aus dem Jahr 1990, jeweils einmal von Tony Christie und David Hasselhoff interpretiert und "Die Liebe kommt" von Andrea Jürgens aus dem Jahr 1991. Es würde mich aber nicht wundern, wenn es auch noch 13 weitere Aufnahmen geben würde ;-)
Auch der zweite Titel "Bella Italia (Auf die Liebe und das Leben)" ist bereits mehrmals bekannt. Ich kenne ihn als "Bella Italia", jeweils einmal von Audrey Landers (1987) und Engelbert (1988) und als "Zu Hause in Griechenland" von Vicky Leandros (1998).
Titel Nr. 4 ("Du oder keine") gibt es bereits von Tony Christie als "One Dance With You" (1991)
Titel Nr. 7 ("Du bist die Frau für immer") kenne ich als "The Girl Forever" von David Hasselhoff (1992), "Ich liebe dich noch immer" von Olaf Berger (1993) und "Du bist die Frau für immer" von Hansi Hinterseer (2005).
"Das kannst du mir nicht verbieten" (Titel Nr. 9) ist zwar keine Komposition von Jack White, aber auch nichts Neues.
"Ich hol dir von Himmel die Sterne" (Titel Nr. 10) - ein Lied mit diesem Titel gibt es von Tony Marshall aus dem Jahr 1971. Ich habe diese Aufnahme allerdings schon seit Jahren nicht mehr gehört und kann mich auch nicht mehr an die Melodie und den Text erinnern, so dass ich nicht sagen kann, ob es sich hierbei um den selben Titel handelt. Würde mich aber nicht wundern, da dies eine White-Komposition ist. Aber wie gesagt, ich weiß es nicht.
Titel Nr. 12 "Du und ich" ist keine White-Komposition, trotzdem gibt es diesen Titel bereits von Tony Christie als "Lonely Nights" aus dem Jahr 1993.
Und Titel Nr. 13 ist ein Remix von "Die Frau in meinen Träumen", der auch in der Radio-Version auf dem Album vorhanden ist.
Die anderen nicht genannten Titel kannte ich vorher noch nicht, was aber nicht heißen muss, dass es nicht davon auch schon frühere Aufnahmen von anderen Interpreten gibt. Es sind also maximal 5 neue Titel, die es zuvor noch nicht gegeben hat, auf dieser CD - meiner Meinung nach ein recht enttäuschendes Ergebnis. Dabei ist in der auf Smago veröffentlichten Vorankündigung der Plattenfirma von "13 brandneuen Songs" die Rede, mal wieder ein Etikettenschwindel.
In der Vorankündigung der Plattenfirma ist auch von "Facettenreichtum" die Rede. Auch davon ist nichts zu merken, alle Titel sind Einheitsbrei und klingen irgendwie gleich.
Michael Morgan ist für mich vom Können her einer der besten Sänger, die wir in Deutschland überhaupt haben. Ich mag seine kraftvolle Stimme sehr gerne. Ich erinnere mich auch noch gut an seine Auftritte in der ZDF-Hitparade mit Live-Gesang, allen voran sein Auftritt in der Hitparade vom Oktober 1995, als er mit "Komm zurück zu mir" zum zweiten Mal in Folge gewonnen hatte und den Titel dann am Ende der Sendung spontan Acappella vortrug - das war Perfektion pur. Deshalb finde ich es sehr schade, dass sich dieser großartige Sänger, der wirklich etwas kann, auf seinem neuen Album ausschließlich dem Einheitsbrei hingibt. Meisterhafte Balladen nach der Art von z.B. "Seit wir uns lieben", "Heut Nacht" oder "Ruby", die meiner Meinung nach Morgans größte Stärke sind, sucht man auf dem neuen Album leider vergebens.
Mein Fazit: Für einen so guten Sänger wie Michael Morgan und für eine Pause von drei Jahren ist dieses Album doch ein recht schwaches Ergebnis und mit dem vorherigen Album "Es geht immer nur um Liebe" (2005) nicht annähernd vergleichbar. Ich bezweifele, dass der Wechsel zu Jack White ein guter Schritt war.