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Eines Tages trifft sie einen jungen Mann aus dem Westen vor dem Bahnhof, der aussieht wie eine Gurke, leichtsinnig ist und klaut ihm den Rucksack. Wow, ein Handy und ein MP3 Player, die sie sofort verkauft und sich von dem Geld Aurolac zum Schnüffeln besorgt. Und in einer Seitentasche siebzig Euro. Schwierig zu wechseln, ohne dass der Geldwechsler sofort die Polizei ruft, doch ihr gelingt es.
Dann kehrt sie wieder ins Lazar zurück. Und trifft dort ausgerechnet die Gurke wieder. Die tritt hier ein einjähriges Praktikum als Sozialhelfer an. Aber Gurke verrät sie nicht. Was denkt sich dieser reiche Schnösel, sie braucht sein Mitleid nicht!
Eine Woche hat Caroline Philipps in dem Haus der Concordia in Bukarest verbracht, zugehört, was ihr die Kinder erzählten, die Helfer, von denen viele aus dem reichen Westen kommen. Sie beschreibt das Leben Sandales, eines rumänischen Straßenkinds zwischen Bahnhof und Sozialstation. Eine Achterbahnfahrt ist es, oft möchten wir Leser Sandale zuschreien: „Tu's nicht!" und oft hat uns das Mädchen etwas zu sagen, was wir schon lange vergessen haben. Der Autorin gebührt Dank, dass sie nicht in Sozialromantik abrutschte, sondern beides schildert, die Widersprüche zulässt, ihre Protagonistin nicht verklärt, aber auch nicht verteufelt.
Gegründet hat den Verein Concordia Pater Georg Sporschill. Der Verein unterhält auch eine Farm und Kinderhäuser, die den Kindern Schulbesuch und Berufsausbildung ermöglichen. Mittlerweile ist er auch in Moldawien und der Ukraine aktiv. Die Autorin hat es meisterhaft verstanden, Straßenkinder, ihr Leben und ihre Gefühle dem Leser nahe zu bringen. Ein Jugendbuch, das auch Erwachsene verschlingen werden.
(C) Hans Peter Roentgen
Sandale ist zäh, Sandale ist schnell, Sandale ist wütend. Sandale ist die couragierte Hauptfigur des Buches. Sie weiß wie man im Augenblick lebt und das Beste aus schlimmen Situationen macht.
Wir erleben mit, wie sie sich im unterirdischen Kanalsystem von Bukarest gegen Ratten erwehren muss, die ihre Zehen anknabbern. Wie sie Essen organisiert, wie sie einem Jungen aus dem Ausland den Rucksack klaut und was sich daraus für sie ergibt. Das Leben hat nicht viel zu bieten für die Kinder am Bahnhof; was sie brauchen, müssen sie stehlen oder erbetteln. Zuflucht bietet die Sozialstation Concordia; Sozialarbeiter und Jugendliche, die monatelang auf westlichen Wohlstand verzichten, bieten den Kindern Geborgenheit und lehren sie träumen und hoffen.
Behutsam und mit sicherem Gespür für den Erfahrungsraum jugendlicher Leser, geht die Autorin ganz nah an ihre Protagonistin heran und lässt sie in packenden Szenen agieren. Dabei wahrt sie aber genügend Distanz, um ihre Leser nicht mit allzu viel Dramatik zu überfordern. So ist das Buch gut geeignet, über den Tellerrand des eigenen behüteten Lebens zu schauen und Einblick in eine andere Welt zu bekommen.
Das Nachwort der Autorin verrät uns: Carolin Philipps hat das soziale Milieu in Bukarest und auch die Sozialstation Concordia selbst kennen gelernt und sehr genau erforscht. So ist ein eindrucksvoller Jugendroman entstanden, der Einblick gibt ins Leben der Straßenkinder, die bei Concordia Zuflucht finden können.
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