Am Ende musste ich heulen und der Titel "Tränen im Heiligen Land" wandelte sich leicht: "Tränen ums Heilige Land". Am Ende treffen sich die Jüdin Rachel, die als Kind den Holocaust überlebt hat, und Fatma, die Paläsinenserin. Fatmas Mann Hussein hat Rachels Tochter Shlomit umgebracht, und wurde dabei selbst getötet. Hussein wollte seinen Vater, den die Israelis im Gefängnis hatten sterben lassen, rächen. Und ausgerechnet Shlomit hatte sich für den Frieden zwischen Israel und den Palästinensern eingesetzt. Der Tod von Shlomit und der von Hussein, der in den Nachrichten als einer jener palästinensischen Selbstmordattentäter aufgetaucht sein dürfte, die wahllos Juden umbringen, ist gleichermaßen sinnlos. Solche Taten verlängern nur die Gewaltspirale, die wir seit langem in Israel und den Palästinensergebieten beobachten müssen.
Das Buch von Armin Wertz zeigt, dass es sich dort nicht um Monster handelt, die aufeinander losgehen, sondern um eher "normale" Menschen, deren Motive aus dem gewaltgeladenen und trostlosen Alltag entspringen, der dort herrscht. In zahlreichen Dialogen werden die Argumente beider Seiten deutlich und wie sie unter diesen Umständen zu leben versuchen. Es ist das oft vergebliche Bemühen um ein ganz normales Leben mit Essen, Trinken, Liebe, Kaffeebesuchen, Musik und Kino.
Die Dialoge zeigen, wie sehr der politische Konflikt diesen Alltag überlagert und einschnürt. Zugleich werden Einstellungen und Vorurteile beider Seiten deutlich. Die Geschichte, der Holocaust, die Vertreibung der Araber, ist stets gegenwärtig und so versteht man die Motive der Personen. Am Ende wird klar, wie ausweglos die Situation ist und wie notwendig ein Umdenken auf beiden Seiten.
Nahost-Kenner Wertz scheint bei den "einfachen" Menschen dort einige Einsichten entdeckt zu haben. Ob daraus auch ein anderes Handeln bei den Verantworlichen, bei Sharon und Arafat, bei Abbas und Bush, folgt, ist fraglich - und notwendig zuleich, wie dieses informative und zugleich aufwühlende Buch beweist.
Edgar Auth