Das vorliegende Buch gilt in der Tat in zahlreichen Institutionen der Tourismusausbildungs als Standardwerk.
Warum ist das so, und wird das Buch diesem Anspruch gerecht?
Zweifellos versucht der Autor der Querschnittsmaterie Tourismus durch die Breite des Ansatzes gerecht zu werden - kann aber gerade dadurch letztlich nur scheitern: Dieser Anspruch ist gerade aufgrund der enormen Komplexität nur in der vorliegenden Form erfüllbar, dass gleichzahm aufzählend die zahlreichen Aspekte von Tourismus angeführt bzw. erwähnt werden. Dadurch wird aber wenig erfolgreich vermittelt, was Tourismus heute sein kann - außer vielschichtiges Stückwerk.
Die Alternative wäre, die klassische Konzeption von Tourismus über Bord zu werfen und neu zu konzeptionieren, wie dies in der anglo-amerikanischen Literatur schon längst Standard ist. Dort ist etwa zunehmend von "Mobilities" die Rede.
Und genau an diesem Punkt entlarvt sich das Buch als heillos überholt - und findet spätestens im Literaturverzeichnis eine gute Erklärung dafür: Dort finden sich zahlreiche Werte aus den 80ern und 90ern, etliches sogar aus den 70ern. Hingegen haben aktuelle Werke aus den letzten 10 Jahren nur höchst vereinzelt in die jüngeren Auflagen Eingang gefunden. Und auch hierbei dominieren die Werke des Autors selbst....
Dass dieses Buch den Wandel zu einer Neukonzeption von Tourismus nicht mit trägt, indiziert auch schon der Untertitle: "Einführung in die Fremdenverkehrsökonomie": Der Begriff "Fremdenverkehr" ist heutzutage in der Tourismusliteratur weitgehend obsolet. Was lässt sich daraus ableiten?
Wie sehr sich das Werk an den Geisteshaltungen der verwendeten Literatur orientiert, zeigt sich etwa am Umstand, dass der Schlüsselaspekt der Nachhaltigkeit auf ganzen zwei Seiten von 578! abgehandelt wird, geschweige denn, dass es ein eigenes Kapitel dafür geben würde. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, weil sich allein schon der Begriff der Nachhaltigkeit allein in den letzten zwanzig Jahren beträchtlich weiter entwickelt hat, diese Literatur aber keine Verwendung findet. So ist es angesichts des veralteten Literaturapparats, der zudem kaum englischsprachige Werke und fast keinerlei Artikel aus internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften aufweist, nicht weiter verwunderlich, dass der Autor das integrative Konzept von Nachhaltigkeit als Leitbild von Tourismusentwicklung an sich gar nicht kennen kann.
Geradezu logisch fügt sich in dieses Bild der Umstand ein, dass in diesem "Standardwerk" eine der Schlüsseldeklarationen der UNWTO, der "Internationale Kodex für Tourismusethik" so wenig Erwähnung findet wie die Thematik der Tourismusethik selbst.
Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass dieses Buch hervorragend einen Einblick in die Geschichte der Tourismuslehre eröffnet: So dachte man über Tourismus im vergangenen Jahrtausend...
...und sollte darum heute nicht mehr als Lehrbuch verwendet werden - angesichts so fundamentaler Herausforderungen für den Tourismus wie die gesamte Menschheit wie Klimawandel, Peak Oil, Migration, Terrorismus und vieles mehr... sondern nur kritisch als Nachschlagewerk für einzelne (zum Teil historische) Aspekte des Tourismus.