Im Vordergrund rechts fährt ein US-Postal-Fahrer (Christian Vandevelde?) ins Bild, links unten sieht man das Hinterrad eines Kelme-Fahrers, aber der Blick bleibt letztendlich an dem Fahrer hängen, der von diesem Hinterrad eingerahmt, markiert wird: Lance Armstrong auf der Champs Elysée, auf dem Weg zu seinem ersten Tour de France-Sieg. Dieses Titelbild könnte exemplarisch stehen für die Sichtweise, die Markus Bühler benutzt. Immer wieder verwendet er ungewöhnliche, manchmal atemberaubende Perspektiven, lenkt den Blick des Betrachters auf Details, fotografiert, neben den Protagonisten des Mythos, oft auch die ebenso wichtigen Figuren am Rande, wie Helfer und Fans, fängt Stimmungen ein, indem er z.B. nur die Schatten der Rennfahrer auf dem Asphalt oder Kopfsteinpflaster abbildet, spielt mit der Schärfentiefe und verzichtet, wenn es der BildWIRKUNG dient, manchmal auch auf die BildSCHÄRFE. Die Reduktion der Fotos auf hartes Schwarz-Weiß betont die Dramatik.
Die gesamte Gestaltung des Buches, das Layout, die klare Typographie sind (wie so oft bei schweizerischen Publikationen) vorzüglich, ein Genuss, ebenso wie die Textbeiträge der verschiedenen, durchwegs sachkundigen, kompetenten Autoren. Sicher, für Faktenhuber und Erbsenzähler gibt es besser geeignetes (obwohl auch der historische Teil hervorragend ist). Die Genauigkeit, die künstlerische Virtuosität, mit der hier die Faszination eines der größten Sportereignisse der Welt abgebildet wird, ist aber meines Wissens nach einzigartig. Besseres zu diesem Thema kenne ich nicht.