Wenn man ein Album auch über 25 Jahre nach seinem Erscheinen immer noch gerne hört, dann ist es das wert, ausführlich rezensiert zu werden - einfach aus Liebe zu dieser wunderschönen Melange aus Jazz und Pop.
Ja, die PAT METHENY GROUP ist eine Jazz-Gruppe - wobei FIRST CIRCLE jedoch eher dem Jazzrock oder sogar Pop zuzuordnen ist. Da mag mancher Jazz-Puritaner dieses Album als zu kommerziell bezeichnen - dafür werden viele andere, die mit Jazz nicht viel anfangen können, dankbar sein für die Griffigkeit dieser Instrumentalmusik, Musik, die von großartigen Spannungsbögen getragen wird, großen Gesten, viel Gefühl und Virtuosität. Die Besetzung: Pat Metheny an den Gitarren incl. Gitarren-Synthesizer, Lyle Mays an Piano und Keyboards, Charlie Haden am Bass, Paul Wertico am Schlagzeug und Pedro Aznar mit Vocals. Dass quasi alle Stücke mit Vocal-Gesang sind, zeigt noch einmal, wie eingängig die Musik ist (teilweise mit Popsong-Charakter) - was jedoch nicht heißt, dass die Stücke schlicht wären oder die Harmoniebögen und Melodieverläufe simpel. Im Gegenteil! - Hören wir doch einmal genauer hin:
1. FORWARD MARCH: Der Witz in Tüten! Metheny und seine Mannen spielen mit verstimmten Instrumenten eine völlig schräge Persiflage auf Marschmusik. Der beste Grund, das Album nicht weiterzuhören? Nein, auf keinen Fall! Schmunzeln - und staunen über die Unverfrorenheit, die Hörer mit so einer Farce musikalisch aufs Glatteis zu führen. Ein echter Spaß!
2. YOLANDA, YOU LEARN: Flotter 80er-Jazzrock, ein Song, der ein bisschen wie ein Kinderlied klingt. Nach dem desolaten FORWARD MARCH erstrahlt dieser Titel besonders hell.
3. THE FIRST CIRCLE: Eine opulente Mischung aus Fusion-Jazz, Pop und Filmmusik. Beginnt mit synkopischen Händeklatschen und entfaltet im Verlauf die metheny-typischen Spannungsbögen. Ein perlendes Piano-Solo von Lyle Mays kulminiert ab Minute 7 in einem bombastisch-spannungsgeladen Höhepunkt, der wie ein Soundtrack aus einem guten, amerikansichen 70er-Jahre-Großstadt-Thriller klingt, ehe der Song nach 9 Minuten mit einem krönenden Finale abschließt.
4. IF I COULD: Wieder ein musikalischer Wechsel: wer bei dieser zarten Akustikgitarren-Ballade im Weichzeichnerstil keine Lust zum Kuscheln und Schmusen kriegt, hat vermutlich gerade Migräne. Der Song ist so schön, dass es fast weh tut.
5. TELL IT ALL: Das Stück, dass noch am ehesten dem Jazz zuzuordnen ist.
6. END OF THE GAME: Fusion-Jazz. Als würde man mit weiten Schritten der aufgehenden Sonne entgegengehen - mit einem ähnlichen Aufbau wie THE FIRST CIRCLE, d. h. mit tollem Spannungsaufbau, einem dramatischen Bruch im letzten Drittel und trommelnden Finale. Ein kraftvoller Song, der mit seiner Energie regelrecht erfrischt.
7. MAS ALLA BEYOND: Romantische Gesangsballade mit Latin-Einfluss, die Pedro Aznar in spanisch singt - tolle Melodie für eine tolle Stimme.
8. PRAISE: Yep! Ein Song wie ein modernes Kirchenlied: kraftvoll, rhythmisch und sakral (was auch an der verwendeten Orgel liegt). Fast eine Ode an die Freude und so voller positiver Energie, dass man die Welt danach wirklich wieder etwas positiver sieht. Was für ein Schlusspunkt unter dieses geniale Album!
Zur remasterten Version: mangels Vergleichsmöglichkeit zur ersten CD-Auflage kann ich nicht beurteilen, ob sich der Klang verbessert hat - gut und druckvoll ist er allemal. Die remasterte Version kommt im schlichten Papersleeve zum Aufklappen - okay, das ist recht spartanisch, hat aber zumindest ansatzweise den Charme früherer LP-Klappcover. Im CD-Regal nimmt sich das Album dann allerdings sehr schmal aus. Und - ist das wichtig? Nö! Die Musik zählt - und die ist zeitlos klasse!