Vorneweg: Ich höre Yello seit einem Vierteljahrhundert - und werde sie wahrscheinlich hören, bis es sie nicht mehr gibt. Zu genial waren die ersten Alben, und zu eigen sind die beiden Herren noch immer, als dass man ihnen einfach so den Rücken zukehren könnte. Dafür höchsten Respekt.
Nur sollte man sich über eine Sache im klaren sein: Den Nimbus, den Yello heute noch - 30 Jahre nach ihrer Gründung - genießen, baut sich praktisch komplett auf den ersten vier, fünf Platten auf, die sie gemacht haben, und die sind lange her. War bis einschließlich "One Second" tatsächlich keine Platte wie die vorige, passierte dann bei "Flag" zum ersten mal ein musikalischer Gerinnungsprozess; sprich, eine Wiederholung von bereits erfolgreich Erprobtem. Dieses Konzept (Meier als "Schauspieler" in wechselnden Szenerien, monotoner Sprechgesang, Saxophonsamples, Ethno-Einsprengsel) ist seither beibehalten und für Yello sowohl in musikalischer als auch PR-Hinsicht zum Klischee geworden. Wie sonst käme es zustande, dass der Schaffensprozess seit Jahren und von Platte zu Platte immer wieder gleichlautend beschrieben wird: Boris Blank als Klangmaler, Dieter Meier als Geschichtenerzähler usw. usf. Es ist eine self-fulfilling prophecy, wenn man so will. Nur: Das Irre, Aberwitzige, Unberechenbare ist schon ziemlich lange nicht mehr da - und man sollte sich da in keinen Selbsttäuschungen ergehen.
Recht verstanden: Yello haben auch in den letzten 20 Jahren noch gute und absolut hörenswerte Platten gemacht. Die letzten drei würde ich da auf jeden Fall hinzurechnen. Mit denen bewegten sie sich auf der Höhe der Zeit.
Was soll man jetzt von "Touch Yello" halten? - Es gibt eine Reihe guter Ansätze: ein paar ganz schöne Melodien, toll und geschmackvoll produziert ist das ganze ohnehin, die Gastmusiker (Heidi Happy, Till Brönner) machen ihre Sache gut, und ganz am Ende gibt es mit "Takla Makan" ein regelrecht rituelles afrikanisches Flötenspiel, das für Yello-Verhältnisse bemerkenswert un-effekthascherisch daherkommt. Ich halte dieses letzte Stück für das beste, weil interessanteste.
Ansonsten allerdings gibt es kaum etwas, was man nicht schon mal gehört hätte - und zwar sowohl von den Herren Blank und Meier selbst als auch von ganz anderen (die sich dafür dann aber nicht sechs Jahre in Klausur begeben). Und: Das Album ist in der Summe leider unglaublich behäbig. Was da fehlt wie das Salz in der Suppe, ist der Höhepunkt - irgendein Track, der das sehr zurückgenommene Tempo auch mal gegenzeichnen, einen Tick mehr Drama in die ganze Geschichte bringen würde. So wartet man praktisch über die gesamte Lauflänge von "Touch Yello", dass irgendetwas passiert - dass der Knoten platzt. Aber er platzt nicht. Ich komme somit nicht umhin zu sagen, dass ich enttäuscht bin.
Meier und Blank, Ihr könnt mehr. Was ich vermisse, ist echter Wagemut - und nicht einer, der immer wieder nur behauptet und quasi als Plakette vor sich hergetragen wird. Einfach mal ins eiskalte Schweizer Bergwasser springen - und schauen, was passiert!! Dass Ihr dafür schon zu alt seid, möchte ich lieber nicht glauben.