*Auf dem Feldweg oberhalb des Schuttplatzes war am späten Nachmittag eine junge Joggerin unterwegs. Sie lief durch den Wald den steilen Weg nach Schramberg hinunter. In ihrer Bauchtasche lag eine Kamera. Sie wollte unterwegs besonders schöne Frühlingsblumen fotografieren. Die Aufnahmen entwickelte sie selbst und verkaufte sie als Postkarten auf dem Wochenmarkt, wo sie auch eigenen Honig, Walnussöl, Umweltschutzpapier, Pflanzenfarbstifte und selbst gestrickte Strümpfe anbot.
Sie roch den spitzen Gestank von Weitem. Er konnte nicht von der Müllkippe kommen. Sie dachte sofort an einen toten Fuchs. Sie hatte kürzlich schon einmal einen Kadaver gefunden und es gleich dem Förster gemeldet. In diesem Bezirk herrscht Tollwutgefahr. Der Förster hatte sie sehr gelobt für ihre Umsicht, er war nett gewesen und hatte einen Vanilletee mit ihr getrunken. Wenn sie jetzt noch ein totes Tier fand, konnte sie ihn wieder anrufen.
Der Gestank wurde stärker. Vorsichtig kletterte die junge Frau die Böschung hinab. Zwischen den Steinen wuchsen Bärlauch, Löwenzahn und Brennnesseln. Wenn das Tier beseitigt war, würde sie einen Korb mitbringen und sammeln. Die Blätter waren gesund und schmeckten gut. Man konnte Pesto, Salat und Tee daraus machen.
Den Blick auf den Boden gerichtet, ging die Frau weiter. Der Gestank überwältigte sie. Erschrocken hielt sie die Luft an und rümpfte die Nase, da entdeckte sie vor sich das Mädchen. Sie schrie nicht. Mechanisch griff sie nach ihrer Kamera ...*
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Die DNA-Analyse revolutionierte die Polizeiarbeit. Einen Fingerabdruck zu vermeiden ist relativ einfach, wenn man Handschuhe trägt; keinen genetischen Fingerabdruck zu hinterlassen ist dagegen beinahe unmöglich. Aus kleinsten Partikeln, sei es Blut, Sperma, Speichel, Hautschuppen, Urin oder Haare, können Molekularbiologen die Erbsubstanz eines Menschen - die DNA - gewinnen. Diese ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck und kann deshalb einem Menschen eindeutig zugeordnet werden. Mit Hilfe dieser neuen Technik lassen sich also auch alte Fälle aufklären, die bisher unlösbar schienen. Leider konnte diese Revolution nicht vorausgesehen werden. Bis in die 80er Jahre vernichtete man bei scheinbar aussichtslosen Fällen die Beweismittel oder gab sie an die Angehörigen der Opfer zurück.
Seither hat sich ein Bewußtsein für die Möglichkeiten des genetischen Fingerabdrucks entwickelt; die Beweise blieben und bleiben erhalten. 1998 wurde eine deutschlandweite DNA-Datei mit Daten von Straftätern angelegt, die laufend erweitert wird. Die Beweise aus den Altfällen werden nunvon den Spezialisten in den Landeskriminalämtern noch einmal überprüft und mit der Datenbank abgeglichen, was immer wieder zu Erfolgen führt.
Eine aufsehenerregende Festnahme gelang der Polizei im Jahre 2003. Eine zwölfjährige Schülerin war 1984 auf einem Reiterhof in Großbottwar nach einem Mißbrauch ermordet worden. Mit Hilfe der DNA-Analyse konnte das Landeskriminalamt Stuttgart den Fall 19 Jahre nach der Tat aufklären und einen 54-jährigen Justizvollzugsbeamten verhaften, der damals schon zum Kreis der Verdächtigen zählte.
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Uta-Maria Heim greift in "Totschweigen" das Thema der ungelösten Altfälle auf: Eine zerteilte Leiche, die 1984 gefunden wurde, kann mittels DNA-Analyse endlich identifiziert werden. Es handelt sich um Petra Clauss, ein junges Mädchen aus Schramberg - dem Heimatort des Stuttgarter Kriminalhauptkommissars Timo Fehrle. Doch anstatt auf Erleichterung treffen Fehrle und Anita Wolkenstein, die Leiterin der Stuttgarter Mordkommission, bei den Angehörigen des Opfers auf eine Mauer des Schweigens. Nach und nach zeigt sich, dass in dieser Familie mehr verborgen blieb als nur die Todesumstände der Tochter ...
Uta-Maria Heim hat einen weiteren faszinierenden Roman vorgelegt über die zerstörerische Kraft in einer Familie. Die Autorin erzählt souverän und mit genauer Beobachtungsgabe, ohne Manierismen, klar, mit psychologischen Einfühlungsvermögen und dennoch sinnlich sowie auch mit intelligentem Humor.
Einer 'Glauser-Preisträgerin' durchaus würdig -- meint -- Reinhard Busse