Der Schriftsteller Brian Keene war mir vorab nur durch den Roman "Die Wurmgötter" bekannt. Dann fiel mir "Totes Meer" in die Hände.
Da der folgende Klappentext mich direkt angesprochen habe, habe ich es prompt gekauft:
"Die drei wichtigsten Überlebensregeln im Falle einer Zombie-Epidemie:
Erstens: Traue keinem Menschen, auch nicht deinem Nachbarn, deinen Freunden und erst recht nicht deiner Familie.
Zweitens: Traue keinem Tier, auch nicht deinem Hund, deiner Katze oder deinem Kanarienvogel.
Drittens: Versuche auf keinen Fall - auf gar keinen Fall -, dich mit einem Schiff aufs offene Meer zu retten..."
Blöd nur, dass der Protagonist Lamar gerade diesen Weg wählt, um sich vor der stetig wachsenden Zombie-Schar in seiner Heimatstadt zu retten.
Richard Laymon wird ebenfalls auf dem Buchrücken mit den Worten: "Meisterhaft!" zitiert. Des Weiteren sagt Laymon, dass Brian Keene den Leser an der Gurgel packe und nicht mehr los ließe. Dem ersten kann ich nur bedingt zustimmen, der Aussage über Keenes Würgegriff aber vollkommen. Brian Keene schafft es eine unheimliche, düstere und triste Atmosphäre aufzubauen, die auch konsequent von der ersten Seite, die mit dem brillanten Satz "Ich erschoss die Schlampe erst, als sie anfing, Alans Gesicht zu fressen" beginnt (so stelle ich mir einen Zombie-Roman vor) und bis zum letzten Satz gehalten wird. Die Handlung ist spannend und innerhalb des möglichen "Zombierahmens" sind auch relativ viele interessante Wendungen eingebaut, so dass man mit den Charakteren, die in einem perversen Tempo dezimiert werden, mitfiebert.
Eigentlich habe ich vor Beginn des Romans eine einfache Zombie-Story erwartet, die gruselig ist und ordentlich Horror versprüht, aber was ich dann serviert bekommen habe, war eine Untoten-Geschichte, die sogar noch gesellschaftskritische Töne anschlägt und über die Zivilisation teilweise arg ins Gericht geht.
Deswegen empfinde ich den knallroten Aufkleber auf dem Buchcover als unpassend, auf welchem in schwarzen Lettern zu lesen war, dass Brian Keene der neue Richard Laymon sei. Und das ist nur eingeschränkt richtig: Richard Laymon schreibt zwar ebenfalls brutal, voller Gewalt und Morde, aber der sexuelle Tenor ist bei seinen Romanen eine weitere wichtige Komponente, die bei Brian Keene vollends wegfällt.
Deswegen könnte dieser Sticker einen falschen Eindruck erwecken.
Im Großen und Ganzen bleibt ein toller Zombie-Roman, der auf ungewöhnlichem "Boden" spielt und mit unvorhergesehenen Wendungen aufwartet und mich sehr in Bann gezogen hat.
Es wird sicherlich nicht mein letzter Brian Keene gewesen sein. Im Februar kommenden Jahres wird mit
Die Verschollenen: Roman bereits der nächste Keene im Heyne-Verlag publiziert.