Hammerschläge monströser Maschinen dröhnten entfernt durch die Kammer. Sie hallten tief aus der Domäne der Brutalen Bestatter, begleitet von verderblichen Schwaden stechender Dämpfe und gequälten Schreien. Höhnisch grinsende Gargyle aus gehämmertem und genietetem Eisen umringten die schwindelerregend hohe Kuppeldecke der Kammer und krönten die Spitzen unmöglich hoher, säulenartiger Kolben, die in schmierigen Dampf gehüllt waren und rhythmisch durch große, schädelumrandete Löcher am Rand auf und ab stießen.
Aus einer großen Kluft im Obsidianboden wallte kochendheißer Dampf in brodelnden Hitzeschwaden und stieß auf eine Brücke aus beschlagenen Eisenplatten, die auf massiven Trägern ruhten. Sie wurde von Ketten gehalten, deren eingeölte Glieder so dick wie der Rumpf eines Menschen waren.
Hunderte Meter tiefer erleuchtete ein gewundenes Band aus geschmolzenem Metall am Boden der Kluft die Szenerie. In der Kammer stank es nach Schwefeldämpfen und der sengenden Bitterkeit von gehämmertem Metall. Die Brücke führte zu einer massiven, zyklopischen Wand aus dunkel geädertem Stein mit einem großen Eisentor, das bei seiner Herstellung in einem Ozean aus Blut gehärtet worden war. Das mit scharfkantigen schwarzen Stacheln beschlagene Innentor der Festung Khalan-Ghol wurde von zwei gerüsteten Kolossen flankiert, deren polierte Eisenhaut von Millennien des Krieges vernarbt war. Das Tor führte zu den inneren Sälen des neuen Festungsherrn, und die beiden dämonengesichtigen Titanen, die mit den verdorbenen Bannern der Legio Mortis behangen waren, hoben furchterregende Waffen – fähig, ganze Städte in Schutt und Asche zu legen. Sie richteten sie auf ein Dutzend Gestalten, die es wagten, sich dem Tor zu nähern.
Die schreckliche Riesenhaftigkeit der Kammer konnte die Krieger nicht schrecken, die der ächzenden Brücke entgegenmarschierten. Der Anblick war nicht neu für sie. Tatsächlich stammte der Anführer der Gruppe aus einer weitaus älteren und monolithischeren Festung als dieser.
Lord Toramino, Kriegsschmied der Iron Warriors, zog verächtlich einen Mundwinkel hoch, als er die veränderten Augen hob, um über die Läufe der Waffen auf die Titanen zu starren. Wenn dieser Mischling glaubte, eine derart vulgäre Zurschaustellung von Macht könne ihn einschüchtern, war er noch dümmer, als seine minderwertige Abstammung vermuten ließ. Vor drei Tagen hatten sie das Wächterhaus der Festung passiert, ohne von einem Krieger des Mischlings angehalten worden zu sein, obwohl Toramino seitdem Blicke aus übernatürlichen Augen auf sich ruhen spürte. Zweifellos wurden sie auch jetzt von Runenlesern der Kabale beobachtet, doch Toramino hätte das nicht gleichgültiger sein können, während er mit hoch erhobenem Haupt und auf dem Rücken verschränkten Händen weitermarschierte.
Neben ihm knurrte Lord Berossus, während er beobachtete, wie sich die Waffen der Titanen auf sie richteten, und tastete nach seinen eigenen Waffen. Toramino sah Berossus an und schüttelte den Kopf über den Mangel an Zurückhaltung seines Vasallen. Keiner hier konnte sich einem Titan stellen und überleben, aber Berossus’ Reflexmuster waren so fest in ihm verankert, dass keine andere Reaktion möglich war.
Toramino betrat die Eisenbrücke, und das Metall zischte unter seinen gepanzerten Stiefeln und kräuselte sich wie Quecksilber, während sich seine massige gerüstete Gestalt in dem strahlenden Glanz spiegelte. Weit über zwei Meter groß, trug Lord Toramino eine Servorüstung von erlesener Qualität, die auf Olympia selbst handgefertigt und spiegelblank poliert war. Arabesken aus gehämmertem Gold und Onyxsterne zierten die Säume, und in die gesamte Oberfläche waren schreckliche Sigillen des Verderbens graviert. Ein ockerfarbener Umhang aus verwobenen Metallfäden, stärker als Adamantium, umwallte seine massige Gestalt und verdeckte teilweise das Schädelmasken-Symbol der Iron Warriors auf einem Schulterschutz. Auf dem anderen prangte das persönliche Wappen einer gepanzerten Faust über dem schlichten Bild einer Schanze mit einer Bresche.
Ein Iron Warrior aus seinem vertrauenswürdigsten Gefolge trug seinen kunstvoll gestalteten Helm, ein anderer die gestrahlte Standarte, einen achtzackigen Stern aus geschwärzten Knochen auf einem stachelbewehrten, messingumrandeten Rad, aus den Sehnen von tausend schreienden Opfern gewoben. Lange weiße Haare, zu einem straffen Pferdeschwanz zurückgebunden, reichten tief hinunter auf den Rücken, und seine strengen, patrizischen Züge waren verkniffen und eckig – sie kündeten von langen Jahren bitterer Erfahrung. Die Augen unter den buschigen Brauen schillerten golden und schwelten vor unterdrückter Wut.
Als sie sich der Mauer näherten, spien die Kolben beiderseits des Tors gewaltige Ströme stinkender, öliger Gase aus. Ächzend und kreischend öffneten sich die kolossalen Schlösser, dass der Staub von der Kammerdecke rieselte.
Die Titanen senkten die gewaltigen Waffen, und ihre oberen Körperhälften drehten sich auf Bronzegelenken, packten das stachelbewehrte Tor und zogen. Dampf strömte aus schnaufenden Faserbündelmuskeln, und das furchtbare Tor öffnete sich langsam. Smaragdfarbenes Licht fiel in die Kammer, während Toramino und Berossus zwischen den gewaltigen Todesmaschinen durch in das Allerheiligste des Festungsherrn schritten.
Toramino erinnerte sich noch an den Ort; er war oft hergekommen, um Khalan-Ghols Vorgänger die Ehre zu erweisen – einem großen und schrecklichen Krieger, der zur finsteren Majestät eines Dämonenpatriarchen aufgestiegen war. Die Wände bestanden aus schlichtem schwarzen Stein, der mit Gold und Silber durchzogen war und trotz der von dem Terrazzoboden aus pulverisiertem Knochen aufsteigenden Hitze vor Feuchtigkeit glänzte. Fahles weißes Licht fiel aus einer Vielzahl hoher, schmaler Fenster in der Ostwand in schillernden Streifen auf den Boden, das der Kammer jegliches Leben entzog und ihren Insassen eine Todesblässe auferlegte.
Zwanzig Iron Warriors hatten am anderen Ende der Kammer rings um einen polierten silberweißen Thron Haltung angenommen, auf dem ein Krieger in einer ramponierten Servorüstung saß.
Es wurmte Toramino, dass er als angeblich Gleichgestellter vor den neuen Festungsherrn trat. Der Mischling war ein Bastard, eine Promenadenmischung, und ungeeignet, das Blut von der Rüstung eines Iron Warriors zu wischen, ganz zu schweigen davon, sie in der Schlacht zu befehligen. Dieser Affront für die Ehre der Legion war beinahe mehr, als Toramino ertragen konnte, und während er zusah, wie sich der Festungsherr jetzt von seinem Thron aus miteinander verschmolzenem Eisen und Knochen erhob, spürte er in sich Hass aufsteigen wie eine giftige Flut aus Galle.
Das Aussehen des Mischlings entsprach Toraminos Meinung von ihm dergestalt, dass er unrein war und nichts vom Adel der Alten Olympias hatte. Sein kurz geschnittenes schwarzes Haar saß über einem zerklüfteten, vernarbten Gesicht mit nüchternen Zügen, und seine Rüstung war verbeult und verschrammt und trug immer noch die Spuren von Kämpfen. War es dem Mischling egal, dass er gerade zwei der ältesten und edelsten Kriegsschmiede von Medrengard empfing? Dass der Kriegsschmied dieses Emporkömmlings eine derart niedere Promenadenmischung zu seinem Nachfolger ernannt haben konnte, wollte ihm nicht in den Kopf.
»Lord Honsou«, sagte Toramino, während er sich zu einer Verbeugung vor dem Mischling zwang, bei der er die Hände auf dem Rücken verschränkt ließ. Sein Tonfall war förmlich, und er sprach mit leisen Zischlauten, obwohl er darauf achtete, einen spöttischen Unterton einfließen zu lassen.
»Lord Toramino«, antwortete Honsou. »Ihr ehrt mich mit Eurer Anwesenheit. Und Ihr ebenfalls, Lord Berossus. Viele Jahre sind vergangen, seit Khalan Ghols Mauern unter der Wucht Eurer Schritte erbebten.«
Der Boden ächzte unter dem Gewicht von Lord Berossus, einem ungeschlachten Ungeheuer aus dunklem Eisen und Bronze mit einem grinsenden Totenschädelgesicht....