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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Schleier wird gelüftet,
Von
Rezension bezieht sich auf: Totenverse: Kriminalroman (Taschenbuch)
Der amerikanische Titel lautet "City of Veils", also "Stadt der Schleier". Und genau das ist Ferraris Nachfolger zu "Die letzte Sure: Roman": extrem spannende Blicke, die hinter viele Schleier im Zuge der Ermittlungen zum Mord an der jungen Filmemacherin Leila geworfen werden. Und zwar aus mehreren Perspektiven.Die Protagonisten aus dem ersten Band haben weitere Charaktere zur Seite gestellt bekommen, die sie komplementieren bzw. kontrastieren: Z.B. wird der strenggläubige Wüstenführer Nayir kontrastiert durch den liberalen Inspektor Osama, der sich selbst für fortschrittlich hält, aber innerlich im Prinzip die gleichen Konflikte austrägt wird wie der strenggläubige Nayir. Katya und andere saudische Frauen z.B. heben hier ab und an in der Öffentlichkeit ihren Niqab. Sie finden ihren Counterpart in der Amerikanerin Miriam, die es zwar kaum wagt gegen die saudischen Gepflogenheiten aufzubegehren, aber immer wieder aus Ignoranz oder Starsinn einen Fauxpas begeht. Die für mich überaus interessanten Kontraste zwischen Tradition und Innovation ziehen sich durch den gesamten Roman (hätten Sie z.B. gewusst, dass es in Dschidda, dem konservativen Tor zu den Heiligen Städten Mekka und Medina rund 250 Dessous-Geschäfte gibt?). Ferraris ist mit "Totenverse" erneut ein doppelter Drahtseilakt gelungen: zum einen ein unheimlich spannender Kriminalfall mit niemals abfallender Spannungskurve und einem (zumindest für mich) völlig unerwartetem Ausgang. Zum anderen zollt sie dem Islam grossen Respekt und zeigt anhand ihrer gegensätzlichen und wunderbar gezeichneten Charaktere gleichzeitig dessen "Schwachstellen" auf, die Nicht-Muslimen immer wieder sauer aufstossen und Anlass für Kritik sind. Sie weist nochmals ausdrücklich darauf hin, dass es aber eben auch genau diese "Schwachstellen" sind, die auch den Muslimen häufig grosse Probleme bereiten. Dabei zehrt sie aus ihrem Erfahrungsschatz als Exfrau eines saudi-palästinensischen Beduinen, die selbst in Dschidda gelebt hat und berichtet im Interview am Ende des Buches, dass sie stark auf ihre in Dschidda lebenden Schwiegereltern zurück gegriffen habe, deren Meinung sie respektiere, aber nicht immer unbedingt teile. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings. Und zwar den gleichen wie auch schon für "Die letzte Sure": Ein Glossar wäre sehr nett gewesen. Nicht alle weniger gebräuchlichen Begriffe werden im Roman hinreichend erläutert. Wüssten Sie als Nicht-Muslim z.B., welches Gebet das Asr-Gebet ist? Oder was hinter "haditischen Regeln" steckt? Ich wusste es nicht. Vielleicht klappt es damit ja im dritten Band. Das wäre toll. Dennoch ist "Totenverse" für mich ein faszinierender und ungewöhnlicher Krimi, der sich durch seinen Schauplatz und seine Charaktere wohltuend aus der grossen Masse hervorhebt. Absolute, volle und uneingeschränkte Kaufempfehlung!!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Staat zwischen kaufkräftiger Modernität und strenger muslimischer Tradition,
Von Silke Schröder, hallo-buch.de "hallobuch" (Hannover) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Totenverse: Kriminalroman (Gebundene Ausgabe)
Strikte Geschlechtertrennung und allgegenwärtige Glaubenswächter, doch auch unverhohlene Doppelmoral und kreative Schlupflöcher für Verliebte: Wie schon in ihrem Debütkrimi "Die letzte Sure" beschäftigt sich Zoe Ferraris in "Totenverse" (im englischen Original: City of Veils ' Stadt der Schleier) mit der besonderen gesellschaftlichen Situation im Wüsten- und Ölstaat Saudi Arabien, dem strenggläubigsten muslimischen Land der Welt. Erst jüngst schlug dort die Eröffnung einer gemischt-geschlechtlichen Universität durch den pro-westlichen König Abdullah hohe politische Wellen.Neben ihrem clever inszenierten Kriminalfall beschreibt sie das alltägliche Leben aus der Sicht der Frauen, die weder Autofahren noch alleine einkaufen dürfen und dennoch nach Wegen aus der häuslichen Isolation suchen. Zoe Ferraris, die selbst ein Jahr in Dschidda am Roten Meer verbrachte, lichtet ein wenig den Schleier für einen Blick auf einen Staat zwischen kaufkräftiger Modernität und strenger muslimischer Tradition - spannend und lesenswert zugleich. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
der Koran und seine Lehren - Kluft zwischen Religion und Alltag,
Von Claudia M. (Claudia, Österrreich (Steiermark)) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Totenverse: Kriminalroman (Gebundene Ausgabe)
Man wird einerseites unverblümt mit jenen Lebensumständen konfrontiert, mit denen Frauen in dieser Welt Tag für Tag zu kämpfen haben: eine streng gläubige Gesellschaft, Isolation, Unterdrückung, Verbote wohin das Auge reicht...Was für mich aber auch sehr interessant ist und leider in solchen Romanen oft vergessen wird (hier allerdings nicht), ist die Rolle des Mannes! Man wird Zeuge einer Kluft die sich hier auftut, nämlich der Zwiespalt zwischen Religion (Koran) und Tradition auf der einen Seite - Emotion, Verstand, Gefühl auf der anderen Seite. Es wird vermehrt deutlich, das sich die traditionellen Lehren des Koran, immer schwieriger in das heutige Leben übertragen lassen (vorallem jene Teile, die den Umgang zwischen Mann und Frau regeln). Was diesen Roman zusätzlich noch sehr lebendig macht, ist die Tatsache, dass die Autorin Zoe Ferraris, dieses Buch nicht nur allein auf Recherchen aufgebaut hat, sondern auch auf eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Ferraris hat über ein Jahr in einer streng gläubigen Gemeinde in Dschidda gelebt, wo sie mit einem Moslem verheiratet war. Umso mehr spürt man hier ihre eigenen Eindrücke über Land, Leben, Kultur und Religion. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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