Veit Heinichen, seit langen Jahren in Triest lebender Schriftsteller, hat 2001 mit seinem Commissario Proteo Laurenti die Krimibühne betreten und ist mittlerweile von ihr nicht mehr wegzudenken. Sinnfälligerweise wird er seitdem immer wieder mit Donna Leon und deren Commissario Guido Brunetti verglichen und es wird darauf hingewiesen, daß er ihr längst das Wasser reichen kann. Das trifft zu. Auch mit seinem neuen, nunmehr fünften Band der Reihe um Proteo Laurenti stellt Veit Heinichen unter Beweis, daß er sein Metier absolut beherrscht. Doch nicht nur, weil Triest eben nicht Venedig ist, sind seine Romane völlig anders als die von Donna Leon. Begegnet uns in Guido Brunetti ein linksliberaler Bürgerlicher mit einer Familie und zwei Kindern, der ein relativ normales Familien- und Eheleben führt und dessen Fälle selten wirklich spektakulär aufgemacht sind, ist bei Heinichens Proteo Laurenti alles etwas lebendiger, hektischer, aufgeregter, unkonventioneller.
Er ist zwar glücklich verheiratet mit Laura, aber seit Jahren hat er ein Verhältnis zu einer Staatsanwältin aus dem benachbarten Kroatien. Eine Beziehung, die in den letzten Büchern sehr leidenschaftlich war, doch in der letzten Zeit sind die Treffen mit Zivna Ravno aus Pula seltsam nüchtern geworden. Als Laurenti und Zivna sich zu Beginn des neuen Buches in der kleinen Wehrkirche des slowenischen Dorfes Hrastovlie treffen, um die Bilder des "Totentanzes" anzuschauen, teilt sie ihm kühl mit, daß sie ihre Beziehungen von leidenschaftlichem Sex auf gute Freundschaft umstellen möchte. Laurenti verlässt sie empört und wütend und wird nach seiner Rückkehr nach Triest mit einem neuen Fall konfrontiert. Es geht um eine auch im europäischen Kontext bedeutungsvolle Forschungseinrichtung in Triest, den AREA Science Park, die auch als Außenstelle der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA fungiert. Ein Ehepaar aus Slowenien, die dort kurz hinter der Grenze einen kleinen Bauernhof betreiben, ist dort mit Reinigungs- und Hausmeistertätigkeiten beschäftigt. Damjan Babic und seine Frau Jozica verdienen sich ein kleines Zubrot, indem sie für eine Konsulin eines niemals im Buch näher bezeichneten osteuropäischen Staates, der in die EU strebt, Fotografien von geheimen Forschungsdokumenten erstellen. In Wirklichkeit werden sie nach China weiter verkauft.
Als Damjan Babic mehr Geld verlangt, wird die Konsulin aktiv und Laurenti und sein Team mit der ehrgeizigen Inspektorin Pina Cardareto bekommt einen Haufen Arbeit, nachdem das slowenische Ehepaar mit ihrem Auto einen Abhang hinunter gestürzt wird , wobei Damjan stirbt, seine Frau aber so schwer verletzt wird, daß sie keine Aussage machen kann.
Die Spuren führen die Polizei letztlich zu einem alten Bekannten aus den früheren Büchern. Denn hinter allem steckt kein anderer als Viktor Drakic, dessen Schwester Tatjana nach langer Haft eine Aliasidentität als Konsulin Petra Peskera angenommen hat und mit ihrem Bruder zusammenarbeitet.
Veit Heinichen hat wieder ein extrem spannendes Buch geschrieben mit Action und einem sehr interessanten Vexierbild einer Gegend und ihrer Gesellschaftsstruktur, die schon immer multikulturell geprägt war, auch in der Kriminalität, nach der Öffnung der Grenzen jedoch ein noch bunteres Bild bietet. Man spürt fast auf jeder Seite, wie Veit Heinichen seine Heimat liebt und die Menschen, denen er dort begegnet.
Diese Reihe wird mit Sicherheit noch lange bestehen und auch gut verkauft werden.