Denn Tess Gerritsen hat einen neuen Roman um ihr Ermittlerduo Dr. Maura Isles und Jane Rizzoli veröffentlicht. Es ist der mittlerweile 8. Fall. Der Roman setzt - nach dem obligatorischen Prolog - da an, wo der letzte aufhörte: Das Privatleben der Gerichtsmedizinerin Maura Isles ist durch ihre Beziehung zu dem Geistlichen Daniel Brophy stark durcheinandergeraten, wobei sie auch die Trennung erwägt, und in dieser Situation entschließt sich Maura, einen Kongress in Wyoming zu besuchen. Dort trifft sie einen früheren Studienkollegen und lässt sich darauf ein, mit ihm, seiner Tochter und zwei weiteren Personen ein Wochenende in einer Skihütte zu verbringen. Auf dem Weg dorthin geraten sie in einen Schneesturm, bei dem sie einen leichten Autounfall erleiden. Auf der Suche nach nächstgelegener Hilfe kommen sie in ein verlassenes Dorf. Dort können sie in einem der Häuser zunächst unterkommen, als aber eine der Personen der "Reisegesellschaft" schwer verletzt wird, geraten sie in eine bedrohliche Situation, zumal sie sehr schnell feststellen, dass in diesem Dorf etwas geschehen sein muss, das nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.
Die erste Hälfte des Romanes handelt fast ausschließlich von den verzweifelten Versuchen der Gruppe, ihr Überleben zu sichern, wobei durch die Abgeschiedenheit des Dorfes dies immer schwieriger wird.
Die Autorin treibt die Handlung schnell voran und schafft es dabei, ein bedrohliches Szenario zu schaffen, in dem die Ausweglosigkeit der Gruppe immer offensichtlicher wird. Die Entscheidungen, die getroffen werden, sind nicht immer die richtigen, die immer mehr zutage tretende Uneinigkeit unter den handelnden Personen, die Enge, die vor allem im Zusammenhang mit dem verletzten Arlo eine große Rolle spielt, dass dabei auch noch ein Kind anwesend ist, das alles hat mich beim Lesen sehr gefesselt. Diese Schilderung dieses Szenarios endet abrupt, als ein Autowrack mit vier Leichen gefunden wird.
Und an dieser Stelle kippt auch der gesamte Roman. Wurde die klaustrophobische Situation in dem verlassenen Dorf immer weiter zum Höhepunkt getrieben, geht es für Jane Rizzoli, die nun ins Spiel kommt, jetzt nur noch darum zu klären, was geschehen ist. Nachdem schon auf den ersten Seiten klar ist, dass eine religiöse Gemeinschaft hier eine große Rolle spielen wird, erwartet der Leser in dieser Hinsicht natürlich eine Aufklärung, und die kommt auch. Für meinen Geschmack hat Tess Gerritsen aber gerade diesen Teil ein wenig zu breit "ausgewalzt", nutzt Vorurteile, um Stimmung zu machen, stellt Personen, die dieser religiösen Gemeinschaft angehören, klischeehaft dar. Auch ansonsten gibt es m. E. einige unnötige Längen.
Der Fall ist sicher interessant, aber von Tess Gerritsen ja nicht zum ersten Mal thematisiert. Schon viele Male vorher waren religiöser Wahn und Sektentum Gegenstand von Romanen, auch Thrillern (wie z. B. in Karin Slaughters "Gottlos"). Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem schwierigen Thema wie diesem war nicht gewollt und verlange ich auch gar nicht. Ich hätte mir aber schon gewünscht, dass die Personen ein wenig differenzierter dargestellt werden, so wie ihr das in der ersten Hälfte des Romans mit den unfreiwilligen Bewohnern des verlassenen Dorfes m. E. auch gelungen ist.
Spannend ist das Ganze allemal, auch wenn ich finde, dass dieser Thriller fast zweigeteilt ist und die zweite Hälfte des Buches gegenüber der ersten Hälfte doch etwas abfällt.
Die Autorin hält sich nicht mit ausschweifenden Erklärungen oder Hintergrundinformationen zu dem von ihr gewählten Thema auf, das macht das Lesen ihrer Thriller ja auch so leicht. In einem Rutsch habe ich auch diesen Roman durchgelesen und habe ihn nur für die notwendigen Pausen, die sich im Tagesablauf zwangsläufig ergeben, aus der Hand gelegt. Das spricht wohl für sich. Trotzdem finde ich, es war nicht einer ihrer besten Romane. Nach der ersten Hälfte hätte ich durchaus fünf Sterne vergeben, die zweite Hälfte relativiert meinen Eindruck dann wieder ein wenig. Der Gesamteindruck dieses nichtsdestotrotz spannenden und wieder einmal gut geschriebenen Thrillers ist dennoch gut, und so komme ich denn zu dem Gesamtergebnis von vier Sternen.
Ich finde, es empfiehlt sich für Neueinsteiger dieser Serie, mit dem ersten Roman zu beginnen, da das Privatleben der beiden Protagonistinnen zumindest meistens auch eine recht große Rolle spielt und aufeinander aufbaut. Zwar kann man diesen Roman auch unabhängig von den anderen lesen, dann ist es aber nicht so interessant, wie ich finde. Deshalb lohnt sich für Neueinsteiger, aber auch für Fans ein Blick auf die Homepage der Autorin (Name der Autorin mit Bindestrich dazwischen!), dort findet man auch - neben einigen anderen Informationen - die Reihenfolge der Rizzoli-Isles-Thriller.