Können Sie sich noch an die ersten Romane um Kay Scarpetta erinnern? Schwerlich aus der Hand zu legen und die Wartezeit bis zum Nachfolger erschien unendlich lang? Obwohl ich nach den letzten Romanen schon mehrfach eine "Trennung" erwogen hatte, habe ich bisher trotz allem "in guten wie in schlechten Zeiten" zu Scarpetta gehalten ;-). Anscheinend will ich es aber immer noch nicht wahr haben, dass Cornwells Romane beständig schlechter werden. Denn eine andere Erklärung gibt es wohl nicht dafür, dass ich immer noch bei der gebundenen (Original-) Ausgabe zugreife. Während ich "Defekt" immerhin noch mit 2,5* bewertet hatte, rechtfertigt "Totenbuch" m.E. nur noch 1,5*: 1 Stern für die eindimensionalen Charaktere und 0,5* für die Story:
Im Vergleich zu den nervenaufreibend spannenden früheren Scarpetta-Romanen, ist "Totenbuch" wirklich suboptimal: Scarpetta ist derartig in einem Netz von Problemen gefangen, dass für alles andere einfach überhaupt kein Raum mehr bleibt: Benton ist eifersüchtig und macht ihr (deswegen?) einen Heiratsantrag. Rose ist sterbenskrank und verliebt. Lucys Gehirntumor ist nicht in Remission gegangen und sie verhält sich wie die 6-Millionen-Dollar-Frau. Marino angelt sich ständig neue Flittchen, die nichts Gutes verheissen und hat sich von einem zwar groben, aber doch intelligentem Kerl in einen durchgeknallten Spinner verwandelt. Und vor allem hat Scarpetta seit Neuestem Mutter-Theresa-artige Eigenschaften, die einfach nicht zu ihr passen. In "Totenbuch" gibt es noch mehr unnötige, abrupte, Szenenwechsel als in "Defekt" und der Plot ist daher noch mehr zerrissen und unplausibel - m.E. fehlt nicht viel und der Plot ist nicht nur wirr, sondern auch albern.
Ich bin ein Fan der ersten Stunde, aber genug ist genug - ich bin dieses Mal wirklich enttäuscht. Die Scarpetta, die ich bewundert habe, ist anscheinend "vom Winde verweht". Booklist hatte für die amerikanische Originalausgabe (die ich gelesen habe) geschrieben, dass Cornwell sich mit "Totenbuch"/"Book of the Dead" sich wieder in die Herzen ihrer Fans schreiben wollte, dass es ihr aber nicht gelungen sei. Leider muss auch ich dieses Mal zustimmen. Es ist ihr *überhaupt nicht* gelungen. M.E. hat sie genau das Gegenteil bewirkt und alles noch schlimmer gemacht :-(.
1,5* sind immer noch sehr wohlwollend und auch nur deswegen, weil ich mich einfach *immer noch nicht* durchringen und einen Scarpetta Roman mit nur einem Stern bewerten kann. Mit anderen Worten: Lassen Sie es lieber bleiben. "Totenbuch" lohnt sich nicht - noch nicht einmal für die standhaftesten unter den Fans wie mich :-(.