Als 1992 "Königsschießen" erschien, waren die Autoren Michael Bay und Artur und Hiltrud Leenders eine der ersten, die ihren Protagonisten und Fällen Lokalkolorit einhauchten. Der Begriff "Regionalkrimi" wurde erfunden und fortan tummelten sich in der Provinz Spitzbuben und Kommissare aller Couleur.
Fast 20 Jahre später sind die Klever Kriminalbeamten zwar zum Teil gegen jüngere Kollegen ausgetauscht worden, aber Norbert van Appeldorn und Jupp Ackermann sind noch immer unermüdlich im Einsatz.
Gut so, denn noch immer haftet den mal stärkeren, mal schwächeren Kriminalromanen des mit klarer Aufgabenverteilung agierenden Autorenteams etwas ganz Besonderes an: Kaum hat man sich an die etwas ruhigere Gangart tief im Westen und nahe an der holländischen Grenze gewöhnt, ist man mitten im Geschehen.
Auch "Totenacker" knüpft daran an, ein Kriminalroman der eher leisen Töne und knorrigen Typen.
Altweibersommer am Niederrhein: Mitten in Kleve werden bei Bauarbeiten Skelett-Teile gefunden. Nach einigen Tagen mühsamer Kleinarbeit wird deutlich, dass die Leichenteile aus dem 2. Weltkrieg stammen und eine Spur zu einem besonders dunklen Kapitel der Stadtgeschichte legen. Denn auch in der Provinz wurden Menschen mit Behinderungen als "unwertes Leben" beiseite geschafft.
Doch nach so langer Zeit scheint es nahezu unmöglich, Licht ins Dunkel zu bringen.
Gleichzeitig mischt eine Agrarmafia die Gegend um Kleve auf. Aus den Niederlanden operiert eine vermeintliche Genossenschaft mit allen Mitteln...
Während die Ermittlungen in beiden Fällen dieses Mal erst nach einer gewissen Zeit Fahrt aufnehmen, hat der Leser wieder einmal genügend Gelegenheit, sich über die privaten Geschicke von Cox und Co. an den Ort des Geschehens versetzen zu lassen. Schon seit Jahren ist es ebenfalls bewährte Tradition, immer wieder neue Figuren einzuführen, die einen langgedienten Teil des Teams künftig ersetzen wird. Dieses Mal ist es die junge Pathologin, die dem Kriminaltechniker van Gemmern den Kopf verdreht.
Spürbar ist in jedem Kriminalroman die große Verbundenheit der Autoren zum Niederrhein und seinen Menschen -- ohne jemals heimattümelnd zu sein. Denn das die Welt nicht heiler ist, wenn das Land flacher und die Bebauung weniger dicht ist -- nun, das zeigen sie in jedem ihrer Romane auf besondere Art und Weise.
Authentisch sind sie geblieben: Die älter werdenden Kommissare und ihre drei Erfinder, die noch immer ein gutes Gespür haben für Abgründe, Verlogenheit und kriminelle Energien und zugleich Handlung und Personen mit viel gesundem Menschenverstand und Bodenständigkeit ausstatten.
Leenders/Bay/Leenders sind auch nach all den Jahren ein Garant für niveauvolle Kriminalromane, die sicher nicht bundesweit große Leserkreise anziehen, die aber noch immer einer treuen Lesergemeinde nicht nur am Niederrhein etwas ganz Besonderes vermitteln - und das geht auch in und mit Büchern:
Nach Hause kommen!