Sechs Wochen ist es her, dass Comissaris van Leeuwen einen persönlichen Schicksalsschlag erlitten hat, der ihn an die Grenzen seiner selbst führt. Er hadert mit sich und seinem Leben, hat Schwierigkeiten, sich in der Gesellschaft weiterhin zurecht zu finden, übertritt gelegentlich die Grenzen seines Berufsstandes. In dieser für ihn so mutlosen Situation stolpert er buchstäblich über einen Toten, bei dem es auf den ersten Blick aussieht, als wäre er eines natürlichen Todes gestorben. Nur dem guten Gespür van Leeuwens ist es zu verdanken, dass eine Mordermittlung eingeleitet wird, in deren Verlauf sich zeigt, dass es nicht der einzige Mord nach diesem Muster war.
Noch während der Ermittlungen wird er zu einem weiteren Mord gerufen, der zwar ähnlich ausgeführt wurde, aber nicht mit dem ersten Mordfall zu tun hat, dessen Motiv aber parallelen zu van Leeuwens eigener Vergangenheit hat und damit eine Art zweiten Handlungsstrang in diesem Buch bildet, der für van Leeuwen ein Schlüssel zur Aufarbeitungen seines eigenen Verlustes wird.
Auch in Claus Cornelius Fischers dritten Roman um den Commissaris sind die Morde nicht spektakulär oder effekthascherisch sondern die Geschichte entwickelt sich langsam und erst zum Ende wird dem Leser das ganze Ausmaß des Falles klar. Die persönlichen Probleme des Ermittlers nehmen in diesem Buch einen noch größeren Raum ein als in den beiden ersten Büchern und auf den ersten 50 Seiten war mir das teilweise schon zu viel. Die beiden Morde sind zu Beginn fast schon Nebensache, sie rücken erst im Lauf der Geschichte in den Mittelpunkt, als van Leeuwen seine Probleme langsam zu verarbeiten beginnt. Zu diesem Zeitpunkt ahnt zwar der Leser, wer der Täter sein könnte, wird aber mit der endgültigen Auflösung dann doch noch wirklich überrascht. Hier zeigt sich schon wie in den ersten beiden Büchern: Nichts ist, wie es scheint und das Grauen lauert oft "nebenan".
Als Grundlage für die Handlungsweise des Mörders hat sich Claus Cornelius Fischer eines realen Falles bedient, der vor einigen Jahren durch die Presse ging und für großes Aufsehen gesorgt hat. Diesen als Basis für einen Roman zu nehmen, die Fakten etwas zu verändern und damit eine andere Wendung der Geschichte zu zeigen fand ich sehr interessant und die Umsetzung ist ihm hervorragend gelungen.
Zu dem bereits in den ersten Büchern eingeführten Mitarbeiterkreis von Commissaris van Leeuwen gesellt sich hier noch die Psychologin Feline Mendardi, von der sich sicher bin, dass sie in möglichen folgenden Büchern noch eine tragende Rolle spielen wird. Die Figur der Julika kam mir in diesem Buch hingegen ein wenig zu kurz. Ich hätte mir hier eine andere "Richtung" gewünscht.