Eine Obdachlose hört zufällig ein Gespräch über ein bevorstehendes Giftgasattentat und versucht, jemanden zu finden, der ihr glaubt und das nicht als alkoholisiertes Geschwätz abtut. Das alleine wäre doch sicherlich eine gute Geschichte geworden. Mary Willis Walker reichte dies aber nicht aus, und so müssen wir zusätzlich noch lange Ausschweifungen über Molly Cates' Jugendsünden und die Unzulänglichkeiten ihres über alles geliebten, früh gestorbenen Vaters über uns ergehen lassen. Aufgerüttelt durch eine zufällige Begegnung mit dem Sheriff, der den Tod ihres Vaters untersuchte, macht Molly sich daran, ungeklärten Fragen nach 28 Jahren wieder nachzugehen. Dadurch erfährt der Leser nach und nach, daß Molly damals auf der verzweifelten Suche nach dem Mörder ihres Vaters alle Vernunft und gesunden Menschenverstand über Bord warf, und auch das idealisierte Bild des Vaters bekommt etliche Risse. Nebenbei muß sie dann noch in der Gegenwart den Giftgasanschlag verhindern, und das überfordert nicht nur die Protagonistin, sondern auch den Leser. Irgendwann funktionierte dieser Spagat zwischen Krimi und Beziehungsstudie ("Väter und Töchter") einfach nicht mehr. Schade, ich hatte mir von der Autorin des begeisternden "Unter des Käfers Keller" mehr versprochen.