Vier Männer und eine Frau, Angehörige der französischen Résistance, sitzen in einer Gefängniszelle. Sie sind während eines Kampfes in die Hand des Feindes geraten. Nun erwartet sie Folter und Tod. Die Situation verschärft sich, als Jean, der ebenfalls verhaftete, aber noch unerkannt gebliebene Anführer der Gruppe, zu ihnen in die Zelle gesperrt wird. Allen ist bewußt, daß sie vielleicht ihr eigenes Leben retten können, wenn sie Jean verraten.
Das 1946 uraufgeführte Stück steht noch voll unter dem Eindruck der von Sartre selbst erlebten deutschen Besatzung. Es erregte einigen Skandal und insbesondere die Folterszenen mußten umgeschrieben werden, weil man sie dem damaligen Publikum nicht zumuten zu können glaubte. Sartre nimmt nicht nur Bezug auf ein damals hochaktuelles Thema, sondern greift in dem Drama auch grundlegende Aspekte seiner Existenzphilosophie auf. So stehen in "Tote ohne Begräbnis" Menschen - jeder auf sich allein gestellt - vor der Entscheidung, durch eine selbstverantwortliche Tat ihrem Leben einen Sinn zu geben. In diesem Fall ist es ganz konkret die Verteidigung der Freiheit gegen Willkür und Unmenschlichkeit. Dessenungeachtet besteht aber stets die Möglichkeit, daß ein Leben trotz der Entscheidung für die Freiheit scheitern und vollkommen sinnlos verlaufen kann.
Die Tatsache, daß es überall auf der Welt auch heute noch viele politische Gefangene gibt, die sich in einer vergleichbaren Situation wie die Protagonisten in Sartres Drama befinden, steigert die bedrückende Atmosphäre des Stücks in besonderem Maße. Der Leser wird sich der intensiven Wirkung des Stücks kaum entziehen können und unmittelbar an den Geschehnissen Anteil nehmen. "Tote ohne Begräbnis" ist eines der lebendigsten Dramen Sartres.