Gut für den Strand!
Wenn man in den Urlaub fliegen möchte, um dort ein paar ruhige Tage am Meer zu verbringen, und wenn man gerne Krimis liest und wenn man zwischen den Sprüngen ins Wasser einfach gerne durch die Untiefen der menschlichen Seele schwimmt und einen Krimi zu lesen sucht mit ansprechendem Niveau - dann ist man hier an der richtigen Stelle; zumal das Preis-Leistungsverhältnis bei diesem Doppelband wirklich gut ist und man mit den etwa 900 Seiten ordentlich beschäftigt ist. Einschränkend muss ich aber bemerken, dass qualitativ durchaus Mängel sichtbar werden. Nun will ich hier nicht ins Detail gehen, ein Krimileser möchte ja nicht vorschnell ins Bild gesetzt werden. Daher nur grob gesagt: In beiden Romanen ist die Auflösung etwas überraschend und scheint, wenn man den bisweilen etwas schleppenden Ermittlunsverlauf betrachtet, überhastet zu sein. In beiden tauchen in dieser Auflösung auch Dinge auf (Verhaltensweisen der Täter), die mehr als unwahrscheinlich und konstruiert sind und speziell der zweite Roman des Doppelbandes ("Die Schwalbe...") hat deutlich Überlänge. Solche Qualitätsabschläge muss man bei dem "Konkurrenzautor" Mankell nicht erwarten, Nesser kommt an den berühmten "Konkurrenten" aber nun einmal nicht heran, meines Erachtens in keinem seiner Bücher. Aber es ist immer noch hochwertige Ware. Und wenn man alle Mankells gelesen hat (und die letzten werden ja auch deutlich schwächer!) und weiterhin gerne gute Krimis aus Skandinavien lesen will, was soll man dann machen? Dann kann man Nesser und diesen Doppelband gerne einpacken, denn beide Romane sind gelungen konstruiert, sprachlich einigermaßen ansprechend und vor allem der zweite ist sogar bisweilen witzig, vor allem dann, wenn die Ermittler ihrem Zynismus freien Lauf lassen! Und noch etwas ist Nesser im zweiten Roman gelungen: Der Täter! Wohl nicht in seiner psychologischen Durchdringung, Nesser erklärt ihn nicht wirklich, aber in seiner Brutalität, in dem Schauder, welchen er dem Leser über den Körper jagt. Dieser Täter ist wirklich Angst einflößend, bedrohlich, eklig - und noch aktiv. Die Spannung bleibt also bis zum Ende erhalten, auch wenn man sich dann etwas wundert, wie es zu Ende geht.