Mrs Slaughter wirft fast im Halbjahresrhythmus ihre Bücher auf den Markt - dass darunter zwangsläufig die Qualität leiden muss, ist ja kein Wunder. So sind im amerikanischen Original bereits vor längerem die Folgebände "Broken" und "Fallen" zu diesem Werk "Tote Augen" (im amerik. Original als "Genesis" und "Undone" ca. Feb. 2010 veröffentlicht) erschienen.
Leider gibt sich dieser Thriller nur sehr wenig mit dem eigentlichen Kriminalfall ab, sondern erzählt in epischer Breite vom Seelenzustand von Sara, Will und Faith. Das ist am Anfang noch ganz interessant, wird aber schnell ermüdend.
Will wird zunehmend unglaubwürdiger mit seiner Lese-/Schreibschwäche: Wie kam er als Special Agent überhaupt so weit? Wie schloss er überhaupt irgendeine Schule ab, da er nicht einmal Straßenschilder lesen kann? Wieso besorgt er sich nicht ein Navi mit Sprachfunktion (soll es sogar schon in den Staaten geben), wenn er sich schon laufend verfährt - zig Seiten irrt man mit Will durch die Gegend, bis er es an seinen Zielpunkt schafft. Auf zig Seiten wird auch über sein defektes Handy berichtet, das er nicht ersetzen kann, da ja seine ganzen Kontakte darauf gespeichert sind. Lieber Special Agent, da gibt es Software, die die Kontakte von einem Handy aufs andere überträgt. Seine grenzenlose Liebe zu Angie ist auch langsam nur nervig - wobei sich jetzt schon abzeichnet, dass er und Sara ... und dann vielleicht spätern er und Faith .... Warten wir's ab, was der Autorin noch einfällt...
Bei Sara wird über zig Seiten ihre große Liebe zu ihrem verstorbenen Mann beschwört, so lange, bis es auch nur noch nervt. Bei Faith wird ermüdend langweilig ein unglaublicher Tabubruch ausgewalzt: Mit 15 ein uneheliches Kind und jetzt mit Anfang 3o eine Wiederholung? Kann das gutgehen im sittenstrengen, verklemmten Amerika? Was wird mit ihrer Karriere bei einem solch moralisch verwerflichem Verhalten?
Ich möchte anfügen, dass ich grundsätzlich ein großer Fan der Autorin bin und sicher auch bleibe, aber mit der Zusammenführung dieser beiden Serien um Sara, Will & Faith hat sie sich meiner Meinung keinen Gefallen getan.
Zu viel blabla, zu wenig sinnvolle Handlung, der Spannungsfaden wird immer wieder durch epische Gedankengänge der drei oft sehr unglaubwürdigen Hauptakteure unterbrochen.
Und der Täter? Bleibt blass, läuft quasi nur am Rand der Geschichte mit. Man erfährt nichts über die zugrundeliegenden Motive, das Buch endet abrupt. Der Täter ist eigentlich auch ziemlich schnell zu erraten, da im Thriller so wenige Akteure vorkommen, dass die Auswahl sich auf maximal 2 Personen beschränkt - und das soll dann ein spannender Krimi sein? Leider nein! Für hartgesottene Fans ein Muss, aber sicherlich keine Empfehlung für die Autorin.
Meine Bitte: Etwas mehr Zeit lassen, bessere, spannende Plots und nachvollziehbar agierende "Real-Life-Akteure", bitte keine Massenware !
You can do better, Mrs. Slaughter!