Wolfgang Wippermann, Jahrgang 1945, ist Professor für Neuere Geschichte an der FU Berlin mit Schwerpunkt Totalitarismus- und Faschismusforschung. Er hat mit diesem Buch einen historisch-chronologischen Abriss über die Diskussion um die Totalitarismustheorie (TT), von den 1920er Jahren bis heute, vorgelegt. Im Mittelpunkt steht der politische Kontext, in dem diese Theorien entstanden. Wippermanns Grundthese lautet: Totalitarismustheorien sind weniger wissenschaftliche Theorien als vielmehr politische Ideologien.
Der Autor beleuchtet zunächst die Ursprünge der TTn. Diese bezogen sich zunächst auf die italienischen Faschisten, kurz darauf benutzten deutsche Sozialdemokraten den T-Begriff, um eine Verwandtschaft von Kommunisten und Nazis zu behaupten. Im nächsten Kapitel wird Hannah Arendts Werk behandelt, welches den Rassegedanken in die T-Diskussion einführte. Darauf folgt ein Rückblick auf die "Klassiker" unter den T-Theoretikern, Carl-J. Friedrich und Zbigniew Brzezinski. Schließlich werden verschiedene neuere TTn behandelt, wobei Wippermanns besonderes Augenmerk dem "Historikerstreit" um die "Singularität des Holocausts" gilt. Ein letztes Kapitel ist der Frage gewidmet, ob die DDR ein totalitärer Staat gewesen sei.
Im gesamten Buch hält sich Wippermann mit persönlichen Wertungen nicht zurück. Er macht immer wieder deutlich, dass er das Konzept der TT ablehnt. Ein Vergleich von Faschismus und Stalinismus sei von vornherein unzulässig, da im Stalinismus kein Pendant zum nationalsozialistischen Völkermord existiert habe. Der Holocaust, der eben ein singuläres Phänomen sei, werde durch einen Vergleich beider Systeme verharmlost.
Wippermann gelingt es zwar, die ideologischen Hintergedanken aufzuzeigen, die zur Entwicklung verschiedener TT geführt haben. Indem er es aber ablehnt, die Erkenntnismöglichkeiten der einzelnen Theorien auszuloten, und stattdessen schon den Ansatz einer TT als Verharmlosung des Holocaust denunziert, zieht er das politische Bekenntnis der wissenschaftlichen Analyse vor. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)