Zugegeben, die Visionen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Aber wenn man sich das Erscheinungsjahr ansieht (Originalausgabe 1995) ist es umso verblüffender, die Ideen und Visionen Nicholas Negropontes aus aktueller Sicht Revue passieren zu lassen. Vieles ist umgesetzt, bei den meisten Dingen allerdings fällt auf, dass wir bestenfalls auf dem richtigen Weg sind (Interfacedesign, virtuelle Welten). Wer technisch fundierte Infos zum Internet sucht, ist hier allerdings an der falschen Adresse. In diesem Buch geht es um digitalisierte Inhalte und um das Zusammenwachsen von Medien und Technologien. Der Visionär und Gründer des MediaLab am MIT hat dabei ganze Arbeit geleistet. Und wenn man seine Ideen betrachtet, fällt auf, dass trotz der rasenden Entwicklung auf dem Gebiet noch einiges getan werden muss. Man bekommt dabei viele Denkanstöße, denn das Buch regt zum Nachdenken an, der Autor will, dass man sich seine eigene Meinung bildet. Dabei steht nicht so sehr die letztendliche Ausprägung der Technologie im Vordergrund. Negroponte geht es eher um die Beweggründe und die Motivationen, für die Technologie letzendlich nur ein Mittel zum Zweck darstellt. Daher sehe ich dieses Buch nicht als veraltet an. Wer gerne Artikel in Telepolis oder Spiegel Netzwelt liest und sich neben dem technologischen Wissen für soziologische Aspekte und kritische Betrachtungsweisen der neuen Medien und Technologien interessiert, ist mit diesem Buch sicher richtig beraten.