John Steinbeck führt uns in die Welt der Paisanos aus Tortilla Flat an der kalifornischen Küste am Anfang des letzten Jahrhunderts. Die Paisanos, das ist die spanisch / indianisch / mexikanisch gemischte Landbevölkerung dort, insbesondere die Herumtreiber und Tagelöhner. Es geht um Danny, der bisher in Gräben und Ställen übernachtet hat und der, als er aus dem Krieg heimkehrt, erfährt, das er zwei Häuser geerbt hat. Zwei einfache Holzhäuser. Er bezieht eins davon und vermietet das andere in dem Wissen, nie etwas dafür zu erhalten, an seinen Freund Pilon. Dieser untervermietet zu gleichen Konditionen an einige weitere Herumtreiber. Allerdings geht das vermietete Haus bald in Flammen auf, und die ganze Gesellschaft zieht zusammen in Dannys Haus ein. Vier Hunde kommen auch noch dazu. Nur Dannys Bett ist tabu.
Steinbeck beschreibt das Leben dieser wilden Truppe, ihre derbe Kameradschaft und ihre Anstrengungen an Wein, Essen und Frauen zu kommen. Mit der Zeit verliert Danny aber das Interesse daran, Besitzender zu sein, er will wieder zurück auf die Straße, und lebt noch mal einige Zeit draußen.
Die Bewertung mit den Sternen ist in diesem Fall nicht einfach für mich. Ich lese deswegen vorwiegend Zeitgenossen, weil ich dort beschriebene Welt besser verstehe, und Steinbeck, der 1968 gestorben ist, ist nicht wirklich mehr ein Zeitgenosse von mir. Er hatte mit diesem Buch 1935 seinen Durchbruch. Das ist die Zeit des Amerikanischen Wirtschaftswunders zwischen den zwei Weltkriegen, ich tue mich schwer damit, die Welt, die er beschreibt, zu verstehen. Die heutigen «Paisanos» leben anders und die «anständigen» Leute sowieso. Dass ich die Truppe trotzdem vor Augen hatte beim Lesen, beweist, wie bildreich und detailliert Steinbeck schreibt, wie sorgfältig er seine Welt aufbaut. Alleine schon dafür hat er drei Sterne verdient. Mindestens einen weiteren dafür, wie liebevoll ironisch er mit seinen Geschöpfen umgeht. Einen hätte er fast für die Kapitelüberschriften bekommen und für die Party im vorletzten Kapitel müssten es auch 2 sein. Andererseits gibt es Bücher, die mir besser gefallen, die ich lieber gelesen habe, und die auch keine fünf Sterne bekommen haben. Naja, das Ergebnis sieht man ja oben, ich glaube 4 Sterne ist fair, immerhin ist Steinbeck ja Nobelpreisträger, da darf man die Erwartungen ruhig etwas höher ansetzen.
Ich habe lange nach einem Titel für diese Rezension gesucht, ich nehme am liebsten ein Zitat aus dem Text. Der Platz, den Amazon dafür zur Verfügung stellt, ist aber sehr begrenzt, so ist es dieses hier geworden. Es stammt von der Seite 29, Pilon und Pablo trinken miteinander und Steinbeck beschreibt in einem kurzen Absatz den Zusammenhang zwischen dem Flüssigkeitsstand in den Flaschen und der Tiefe der Gespräche der Trinker. «Bis kurz unter den Flaschenhals der ersten Flasche: ernste und gesammelte Unterhaltung. Zwei Zoll tiefer: lieblich-traurige Erinnerungen. Drei Zoll weiter: die Gedanken schweifen zu einstigen erfreulichen Liebschaften und einen Zoll tiefer zu vergangenen, bitteren Erfahrungen. ...»
Es ist ein Stück Weltliteratur, keine Frage. Es hat alles, was ein gutes Buch braucht, aber mir hat das gereicht. Mehr Steinbeck brauche ich nicht, weil es so viele Autoren gibt, die ich lieber lese.
Für Leute, die mehr als ich mit der Zeit am Anfang des letzten Jahrhunderts anfangen können, auf jeden Fall eine Kaufempfehlung. Für alle anderen eigentlich auch, es ist schön geschrieben, macht viel Spaß beim Lesen und, wer weiss, vielleicht ist Steinbeck ja Ihr neuer Lieblingsautor.