Eine gelungene Mischung aus Action, SciFi, Spannung, Erotik und Charakterstudie. Gut, nicht alles darf man auf Logik überprüfen. Aber ich kann darüber hinwegsehen, wenn mich die Charaktere überzeugen. Und das tun sie, von Anfang an. Jede Figur verfügt über andere Schwächen, Stärken und Abgründe. Daraus folgt eine sehr erwachsene Charakterzeichnung.
Allen voran Cpt. Jack Harkness, dem man von Anfang an seine Bisexualität abnimmt, ohne dass sie vordergründig präsentiert wird. Auch seine Unsterblichkeit hat Folgen; so schirmt er sich Anfangs gegen Mitgefühl ab, was sich aber im Laufe der Staffel ändert. Er scheint an seine Aufgabe gekommen zu sein, wie die Jungfrau zu ihrer Empfängnis. Wohl aber übel, versucht er seinen Teil beizutragen, und die Welt vor den Wesen, die aus dem Zeitriss unter Cardiff entkommen, zu retten - einfach, weil er von ihnen weiß. Ihm unterlaufen Fehler, aber das macht ihn nur sympathischer. Nichts wäre langweiliger als ein perfekter Unsterblicher! Übrigens absolut genial dargestellt war seine Kussszene mit dem richtigen Cpt. Jack - sie war männlich und nicht ein bisschen *tuntig*.
Am meisten begeisterte mich - in dieser ersten Staffel - die Figur der Gwen Cooper. Anfangs dachte ich, dass mich diese *kuhäugige* Politesse nerven würde. Aber das Gegenteil war der Fall. Ich habe hier in den unten stehenden Rezensionen gelesen, dass sich jemand fragte, welche Rolle sie überhaupt in diesem Team spielt. Das ist für mich vollkommen klar. Sie bringt ein wichtiges emotionales Gegengewicht zu den anderen - scheinbar abgebrühten - Kollegen. Oft ist es ihrer Empathie zu verdanken, dass Fälle gelöst werden. Wunderbar finde ich auch ihren Versuch, trotz der *geheimen und aufreibenden* Tätigkeit bei Torchwood, ihr Privatleben unbeirrt weiterzuführen. Das führt oft zu einigen Problemen mit ihrem Freund. Ihre Zerrissenheit spiegelt sich, in dem sie ein erotisches Verhältnis mit ihrem Teamkollegen Owen eingeht.
Damit komme ich zu dem jungen Dr. Owen Harper. Ein Zyniker, der niemanden an sich heranlässt - bis er sich in eine Zeitreisende verliebt. Eine Pilotin aus dem Jahr 1950. Owen ist ebenfalls absolut überzeugend dargestellt, eine in ihren Tiefen und in ihrer Zerrissenheit treffend gezeichnete Figur.
Ich könnte jetzt so weiter loben, was die Figuren angeht, denn auch der Bisexuelle Ianto Jones, der zuerst unsterblich in ein Cybergirl verliebt ist, als sie getötet wird, sich allmählich Cpt. Jack nähert.
Oder der unscheinbaren Toshiko Sato, einer Computerspezialistin, die ständig darum kämpft wahrgenommen zu werden und dabei doch eine große Rolle spielt.
Soviel zu den Charakteren, die für mich eine super gelungene Mischung sind. Ein Team, dem man gern folgt - über viele Folgen hinweg. Die Action und die Tricks stehen dem nicht viel nach, aber eindeutig sind die Zwischenmenschlichkeiten im Vordergrund - anders als bei *Men in Black*.
Sicher gibt es den einen oder anderen Logikfehler, aber wenn man genau hinschaut, findet man die fast überall. SciFi kann man nicht immer bis ins Letzte rational erklären. Wenn ich aber intelligent unterhalten werde, ist mir das mehr wert, als ein bestechende Logik.
Kurz, ich kann diese Serie jedem empfehlen, der erstens britischen Humor liebt und für den zweitens menschliche Schwächen und Abgründe kein Fremdwort sind. Dann ist sie herrlich bizarr und erfrischend! Meine Wertung würde genau genommen bei 4,5 liegen, das runde ich aber gern auf.