Endlich sehe ich den Grund, warum Doctor Who in Deutschland keinen Erfolg hat. Die negativen Kommentare und Bewertungen zeigen deutlich, dass hierzulande wohl sehr viele einen Hang zur heilen Welt haben. Jedem Doctor-Who-Fan war sicher von Anfang an klar, dass bei Torchwood ähnliche Muster zu finden sein werden wie bei Doctor Who. Denn genau das macht überhaupt den langjährigen Reiz und die Spannung aus. Gerade lieb gewonnenes wird durch was neues ersetzt. Ein Spiegel des Lebens quasi.
So kann man fast froh sein, dass den Deutschen die letzten beiden Doctor-Who-Staffeln erspart blieben. Episoden wie 'Don''t Blink' hätten sie wohl nicht verkraftet. Kann ja nicht angehen, dass ein Hauptdarsteller mal eher die Nebenrolle spielt. Unverschämt, sowas.
Wer Torchwood vor allem wegen seiner Wandlungsfähigkeit und Veränderung liebt und wem die erste Staffel vielleicht etwas zu banal war, dem sei Staffel 3 nur ans Herz gelegt. Wem bei Staffel 2 schon etwas komisch in der Magengegend wurde weil sie nicht mehr wie Staffel 1 war, sollte vielleicht besser Abstand von Staffel 3 halten.
Nichts ist wie es war. Torchwood (und Doctor Who) ist eines der wenigen Glanzlichter der TV-Unterhaltung, welches dieses Grundgesetz des Lebens nicht versucht zu bekämpfen.
Man könnte es so betrachtet gar als Geniestreich bezeichnen, dass in Staffel 1 erst mal die Illusion von einer stabilen und liebenswerten Torchwood-Welt geschaffen wurde.
Und anders als die vielen 1-Stern-Bewerter hier sehe ich Staffel 3 nicht als Torchwood auf Schwindsucht, sondern ich sehe die logische Evolution. Jack ist unsterblich, also ist es doch für ein ernsthafte Serie unvermeidbar , wenn das auch mal ernsthaft thematisiert wird. Unsterbliche verlieren nun mal mit der Zeit ihre Gefährten. Zudem ist es sehr konsequent die Thematik von Staffel 3 so opferlastig darzustellen und nicht so leicht aus dem Ärmel geschüttelt wie die meisten vorherigen Folgen. Wäre doch alles viel unglaubwürdiger, wenn hinterher wieder alle in die neuerrichtete Basis einziehen und sich die Schultern klopfen. Dass Jack in seinem langen Leben auch mal gravierende Fehler gemacht haben darf, finde ich auch sehr gut und tut der Serie keinen Abbruch, sondern sorgt erst dafür, dass die Serie neuen Schwung erhält. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ehrwürdigen Torchwood-Fans sich wünschen, dass die Serie langsam in die Belanglosigkeit abdriftet, wenn alles immer beim Alten bleibt. Sieht man ja bei den ganzen CSI-Serien. Hast du 3 Folgen gesehen, weißt du wie der Rest verläuft. Teletubbies für Erwachsene.
Vergesst nicht, bei Torchwood geht es hauptsächlich um Jack Harkness, wie er sich unabhängig von Doctor Who so durch die Weltgeschichte und seine Unsterblichkeit schlägt. Die Serie ist wie Doctor Who so konzipiert, dass sie lange existieren kann, auch wenn die Schauspieler keine Lust mehr haben oder nicht mehr können. Das Konzept finde ich schon bei Doctor Who ziemlich genial und bei Torchwood kommt noch die Spannung hinzu, wie der Schauspielwechsel von Jack Harkness wohl umgesetzt wird.
Unverständlich finde ich übrigens wie das Bewertungssystem hier ad absurdum geführt wird. So finden einige der 1-Sterne-Typen die Staffel für sich betrachtet ganz spannend und gut produziert, geben aber wegen persönlicher Enttäuschung nur einen Stern. Wo soll das bitte für potentielle Käufer hilfreich sein, wenn die Sterne als Beleidigte-Leberwurst-Barometer missbraucht werden? Wäre ich genau so enttäuscht wie sie, hätte ich immer noch 3 bis 4 Sterne gegeben, weil die Staffel einfach ungewöhnlich spannend und intensiv ist, unabhängig davon, ob sie mit gewohntem bricht oder nicht.