Der grundsätzliche Ansatz, das Leben eines Schwarzmagiers einmal aus seiner Sicht zu beschreiben und aufzudecken, dass es dabei nicht immer um nur um das Praktizieren unheiliger Rituale in dunklen, abgeschiedenen Grüften geht, sondern auch dieser Berufsstand von den nichtigen Problemen des alltäglichen Lebens gequält wird, ist ja recht löblich. In seinem Bemühen, dem Leser diesen Punkt nahe zu bringen, treibt der Autor es mit der Verniedlichung allerdings ein wenig gar zu weit.
Wir begleiten also Adeptus Minor Toras von Havena, Schüler des Oswyn Puschinske, zu seinem Zweitstudium in Al'Anfa, wo er sich mit allerlei bürokratischem Kleinkram herumschlagen darf, bevor er im Kampf um eine geringfügige Lehrverpflichtung von einem konkurrierenden Absolventen der Al'Achami zu einem Magierduell herausgefordert wird. Damit beginnt die eigentliche Geschichte... und das Desaster, in das der Autor mir der Ausgestaltung seines 'Helden' getappt ist.
Denn genau das ist der Protagonist dieses Buches: ein junger, noch etwas tollpatschiger und dennoch stets erfolgreicher 'Super-Hero', der unfreiwillig von einer Misere in die nächste schlittert, obwohl er doch eigentlich nur ein ruhiges Studiendasein führen und Geld verdienen wollte.
Selbst wenn man die Geschichte mit einem bewussten Augenzwinkern betrachtet, was ganz sicher auch die Intention des Autors war, wirkt das Ganze auf mich einfach zu dick aufgetragen, zu bemüht (oder unfreiwillig) komisch, und auch wenn in DSA-Romanen bekanntermaßen meist eine Prise Humor nicht fehlen darf, hätte diesem Exemplar schon ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit nicht geschadet.
Wie gesagt, vor allem die Verniedlichung des Schwarzmagiertums geht mir in diesem Buch schon arg zu weit... so hat der Autor aus Erzmagier Puschinske einen schrulligen älteren Herrn gemacht, der zwar ab und an für Forschungszwecke einen Ork foltern darf, bei dem man aber ansonsten eher das Gefühl hat, er würde gleich irgendwo sein Gebiss vergessen, und aus dem undurchschaubaren Erzmagier Thomeg Atherion (der von DSA-Spielern selbst oft als unerträgliche ,Mary-Sue' bekrittelt wird) eine Art lustigen Hampelmann, der offenbar nicht einmal fähig ist, einen gewöhnlichen Magier aus dem Weg zu räumen, obwohl der Held Toras das natürlich - wie könnte es anders sein - wieder einmal eher durch eine glückliche Fügung als tatsächliches Können zu Wege bringt.
Und schließlich Toras selbst, den der Autor in seinem Bemühen, ihn nur ja nicht in die Schublade des bösen Schwarzmagiers zu stecken, genau in das entgegengesetze Klischee gedrängt hat: 'Chaotisch Gut' (zugegeben mehr 'Chaotisch' als 'Gut'). Das einzige, das ihn allenfalls vom durchschnittlichen Graumagier unterscheiden könnte, ist eine gewisse Affinität für elitäres Denken, was man als typische Eigenschaft der Magier der linken Hand betrachten darf, ansonsten wirkt er einfach viel zu nett und liebenswürdig.
Einen weiteren Kritikpunkt stellt für mich die fehlende eigenständige Atmosphäre in diesem Roman dar, denn irgendwie hat man dabei ständig das Gefühl, als sei man in ein verrücktes DSA-Disneyland geraten... zu bunt, zu schrill und - um einen garantierten Wiedererkennungseffekt zu generieren - zu 'originalgetreu'.
Vor allem die Regionalbeschreibung 'Land der ersten Sonne' wird für meinen Geschmack deutlich zu oft annähernd wortwörtlich zitiert, vielfach um auf Biegen und Brechen Info unterzubringen, die für die Handlung völlig irrelevant ist und die man als ausschließlicher Leser (der sich mit der DSA-Materie zudem vielleicht noch überhaupt nicht auseinandergesetzt hat) nicht braucht, und als aktiver Spieler mit größter Wahrscheinlichkeit ohnehin schon hat (allerdings kann ich als DSA-nur-Leserin nicht beurteilen, ob diese Überfülle an Infos für aktive Spieler vielleicht weniger nervig ist), worunter die Stimmung in meinen Augen einfach leidet.
Mein Fazit also:
Ein Roman - bunt wie ein Luftballon und auch sicherlich spannend und actionreich - der jedenfalls nicht durch übertriebenen Einfallsreichtum oder die Vermeidung von Klischeehaftigkeit besticht. Als kurzweilige Unterhaltung für einen Tag am Strand oder eine langweilige Zugfahrt ist er mit seinen 300 Seiten aber durchaus geeignet.