Ein Titel, der neugierig macht: Fußball als Realitätsmodell? Als Tor zur Welt? Was meint der Autor nur damit? Nun, man muss schon aufmerksam lesen und den Titel immer im Hinterkopf haben, um einen roten Faden in dem Buch zu erkennen. Theweleit beschreibt zum einen, wie sich ihm die Welt über den Fußball (als Tor eben) erschlossen hat, zum anderen zieht er Parallelen zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen des Fußballs und seiner Akteure.
Ersteres ist sicher der stärkere Teil des Buches. Im ersten und längsten Kapitel des Buches erzählt Theweleit seine eigene Biographie anhand von Fußball-Erlebnissen. Ausgewürfelte deutsche Meisterschaften als Kind, Margarine-Alben mit den WM-Stars von 54, Knie-Verletzungen als junger Erwachsener. Seine Sprache ist hier zwar manchmal etwas hölzern, nichtsdestotrotz bleiben seine Erzählungen stets unterhaltsam. Ich konnte mich jedenfalls gut in seine kindliche Erlebniswelt hineinversetzen und habe meine eigenen Kindheit öfters mit der des kleinen Klaus Theweleit verglichen.
Auch der zweite Aspekte (Parallelen zwischen Gesellschaft und Fußball) wird spannend erzählt. Theweleits Vergleiche laden zum Nachdenken ein. Nicht, dass er tiefgreifende Gesellschaftskritik übt. Es bleibt nur stets die Frage: Meint Theweleit nun alles ernst, was er schreibt? Sieht er wirklich Parallelen zwischen der Digitalisierung der Welt und der Flexibilisierung der Spielweisen des Fußballs? Eine Antwort erschloss sich mir bis zum Ende nicht. Egal, denn dies ist ein wesentlicher Reiz des Buches: Es ist kein klassisches Fußballbuch wie Bücher von Christoph Biermann, Christian Eichler oder Nick Hornby. Es ist ein Essay, verfasst nicht von einem Fußballjournalisten, sondern von einem Professor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste.
So sehr Theweleit auch Fan ist, diesen Unterschied merkt man dem Buch an. Teilweise neigt er doch zu übertrieben intellektualisierenden Ausführungen. Teils gerät der rote Faden ziemlich aus dem Blickfeld, z.B. wenn Theweleit pseudo-intellektuell mit dem TV-Fernsehen (Sportschau oder Günter Netzer) abrechnet. Und seine Idee, die entscheidenden Szenen wichtiger Fußballspiele in scheinbar unbedeutenden Aktionen zu sehen, ist zwar interessant, aber auch nicht wirklich neu. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch in kurzer Zeit verschlungen, wenngleich mir die Bücher von Biermann, Eichler oder Hornby noch besser gefallen.
In der Neuauflage von Anfang 2006 hat Theweleit auf jeden Fall den von anderen Rezensenten kritisierten Fauxpas (die deutsche WM-Gruppe mit Bulgarien 1994) korrigiert.