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Tor der Verwandlung. Rai-Kirah Trilogie 01.
 
 
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Tor der Verwandlung. Rai-Kirah Trilogie 01. [Broschiert]

Carol Berg , Gerd Rottenecker
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (12 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Eine spannende, kurzweilige Handlung voller Dramatik und Tempo, die beiden zentralen Charaktere wissen zu fesseln und wecken Appetit auf den abschließenden zweiten Band.“ (phantastik-news.de )

"Ein toll geschriebener Fantasyroman, der den Leser nie mehr loslässt! Einfach wundervoll." (Starburst )

"Jede Menge Action, ein interessantes Magiekonzept und zwei ungewöhnliche Helden sorgen dafür, dass dieser Roman niemals langweilig wird." (Locus Magazine )

Kurzbeschreibung

Der Auftakt zu einer packenden neuen High-Fantasy-Trilogie!

Seit mehr als sechzehn Jahren ist Seyonne ein Sklave. Und diese Jahre der Erniedrigung und des Elends haben ihn fast alles vergessen lassen, was vorher war. Er erinnert sich kaum noch an die Magie, die er einst beherrscht hat, oder an sein Volk, für das er bereits tot ist. Doch als Aleksander, der Kronprinz des derzhischen Kaiserreichs, ihn als Schreibsklaven kauft, wird Seyonne mit einer Bedrohung aus seiner längst vergessenen Vergangenheit konfrontiert. Und ihm ist nichts geblieben, was ihm helfen könnte, sich und seinen neuen Herrn gegen das alte Übel zu beschützen, das nicht nur die Derzhi, sondern die ganze Welt bedroht …

Klappentext

"Ein toll geschriebener Fantasyroman, der den Leser nie mehr loslässt! Einfach wundervoll."
Starburst

"Jede Menge Action, ein interessantes Magiekonzept und zwei ungewöhnliche Helden sorgen dafür, dass dieser Roman niemals langweilig wird."
Locus Magazine

"Eine exotische, gefährliche und mit großer Geschicklichkeit entworfene Welt."
Lynn Flewelling

Über den Autor

Carol Berg wurde in Texas geboren und ist mit den Geschichten von Robert A. Heinlein und Ray Bradbury sowie den Werken von Jane Austen und Charles Dickens aufgewachsen. Sie hat jeweils einen Abschluss in Mathematik und Computerwissenschaften, und es ist ihr gelungen, ihre Karriere als Softwareentwicklerin mit ihrer Lust am Schreiben unter einen Hut zu bringen. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Colorado.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die ezzarischen Propheten sagen, dass die Götter ihre Schlachten in den Seelen der Menschen austragen und dass sie das Schlachtfeld gemäß ihrem Willen neu gestalten, wenn es ihnen nicht gefällt. Ich glaube daran. Ich habe solch eine Schlacht und solch eine Neugestaltung, wie sie nur von den Göttern ersonnen sein konnte, gesehen. Und obwohl die Seele, der dies widerfuhr, nicht meine eigene war – Dank sei Verdonne und Valdis und allen anderen Göttern, die meinem Bericht vielleicht lauschen mögen –, so hat mich dieses Ereignis doch auch selbst verändert.
Kronprinz Aleksander, Graf von Azhakstan und Suzain, Priester des Athos, Großfürst von Basran, Thrykien und Manganar und Erbe des Löwenthrons des derzhischen Kaiserreichs, war vermutlich der unverschämteste, unreifste, kleinlichste und arroganteste junge Mann, der je durch die Wüsten von Azhakstan geritten ist. Gleich bei unserer ersten Begegnung habe ich ihn so eingeschätzt; natürlich könnte man sagen, dass ich voreingenommen war. Wenn man bei einer Auktion nackt auf dem Sklavenblock steht und dabei ein Wind weht, der kalt genug ist, einem Dämon den Hintern einfrieren zu lassen, ist es eher unwahrscheinlich, dass man von irgendjemandem einen wahrheitsgemäßen Eindruck bekommt.
Prinz Aleksander hatte die Intelligenz und die Stärke einer Familie geerbt, die seit fünf Jahrhunderten über ein sich stetig weiter ausdehnendes Reich herrschte und klug genug gewesen war, sich weder durch Inzucht noch durch innerfamiliäre Gemetzel zu schwächen. Ältere adlige Derzhi und ihre Frauen verachteten ihn wegen seiner Respektlosigkeit, setzten ihm aber dennoch ständig Töchter im heiratsfähigen Alter vor die Nase. Die jüngeren Adligen, von denen keiner ein Ausbund an Tugend war, bezeichneten ihn dank der verschwenderischen Zerstreuungen, an denen er sie teilhaben ließ, als einen guten Kumpel, änderten diese Meinung allerdings des Öfteren, wenn sie die Launen des Prinzen und seine Reizbarkeit wieder einmal zu spüren bekamen. Die militärischen Anführer der Derzhi hielten ihn für gut ausgebildet, wie es von ihm erwartet wurde, obwohl das Gerücht ging, dass sie Lose zogen und der Verlierer gezwungen war, dem unbesonnenen und eigensinnigen Prinzen als militärischer Berater zu dienen. Dem gewöhnlichen Volk stand in dieser Angelegenheit natürlich kein Urteil zu. Genauso wenig wie den Sklaven.
»Du sagst, der hier kann lesen und schreiben?«, sagte der Prinz zu dem suzainischen Sklavenhändler, nachdem er meine Zähne untersucht und mir in die Muskeln an Armen und Oberschenkeln gekniffen hatte. »Ich dachte, nur die Frauen der Ezzarier lernen lesen, und auch das nur, um Heiltränke und Zaubersprüche entziffern zu können. Hab nicht gewusst, dass es den Männern erlaubt ist.« Und während er noch mit seiner Reitpeitsche an meinen Geschlechtsteilen herumstocherte, beugte er sich zu seinen Begleitern und gab den üblichen witzigen Spruch zum Besten, was die Frage der Kastration ezzarischer Sklaven anging. »Wirklich vollkommen überflüssig. Darum hat sich die Natur schon gekümmert, wenn ein Mann in Ezzaria geboren wird.«
»Ja, mein Lord, er kann lesen und schreiben«, sagte der kriecherische Suzaini. Sein mit Perlen durchwirkter Bart rasselte, während er weiterbrabbelte. »Der hier verfügt über viele Vorzüge, die ihn für den Dienst bei Euch geeignet machen würden. Für einen Barbaren ist er ziemlich zivilisiert und hat ein gutes Benehmen. Er kann die Bücher führen oder bei Tisch bedienen oder schwere Arbeit verrichten, ganz wie es Euch beliebt.«
»Aber er ist dem Ritual doch unterzogen worden, oder? Und in seinem Kopf ist nichts mehr von Zauberei und diesem ganzen Unsinn?«
»Nein, nichts. Er ist seit der Eroberung ein Sklave. Ist schon am ersten Tag dem Ritual unterzogen worden, würde ich sagen. Die Gilde nimmt es bei Ezzariern immer sehr genau. In dem ist kein Fünkchen von der ganzen Hexerei mehr.«
Nein, in der Tat. Nichts mehr. Ich atmete noch. Und in meinen Adern floss noch Blut. Das war aber auch alles, was noch da war.
Noch mehr grobes Herumgestochere. »Es wäre angenehm, einen Haussklaven zu haben, der einen einigermaßen intelligenten Eindruck macht – selbst wenn es die Intelligenz eines Barbaren ist.«
Der Händler warf mir einen warnenden Blick zu, aber ein Sklave lernt schnell, sich genau zu überlegen, für welche Bereiche seiner Ehre er zu leiden bereit ist. Und im Laufe eines Sklavenlebens werden es weniger und weniger. Ich war seit nunmehr sechzehn Jahren – fast die Hälfte meines Lebens – ein Sklave. Einfache Worte konnten mich schon lange nicht mehr wütend machen.
»Aber was ist das?« Ich versuchte, nicht zusammenzuzucken, als die Reitgerte die Striemen auf meinem Rücken berührte. »Hast du nicht eben gesagt, dass er sich zu benehmen weiß? Weshalb dann die Striemen, wenn er so tugendhaft ist? Und weshalb will sein Besitzer ihn loswerden?«
»Ich habe Papiere, Eure Hoheit, in denen Fürst Harkhesian schwört, dass der hier der beste und gehorsamste Sklave ist, den man sich vorstellen kann, und dass er über all die Fähigkeiten verfügt, die ich aufgezählt habe. Er will ihn nur loswerden, um seine finanziellen Verhältnisse in Ordnung zu bringen, und sagt, die Striemen waren ein Versehen und sollten nicht gegen den Sklaven sprechen. Ich verstehe es nicht, aber auf den Papieren dieses Sklaven befindet sich Lord Harkhesians Siegel.«
Natürlich konnte der Sklavenhändler das nicht verstehen. Der alte Kriegerfürst, dem ich in den letzten beiden Jahren gedient hatte, lag im Sterben, und er hatte beschlossen, mich lieber zu verkaufen als zuzulassen, dass ich zum Eigentum seiner einzigen Tochter wurde – einer Frau, der es besonderes Vergnügen bereitete, diejenigen zu missbrauchen, denen sie nicht befehlen konnte, sie zu lieben. Die Entscheidung, wen ich liebte, war einer der Bereiche, in denen meine Ehre mir noch etwas bedeutete. Zweifellos würde er sich ebenso wie alles andere in Nichts auflösen, wenn nur genügend Zeit verstrich.
»Wenn dieser hier Euch nicht zusagt, dann vielleicht einer der anderen …« Die Blicke des Sklavenhändlers schossen nervös über den kahlen, von Mauern umschlossenen Platz und die zehn ungeduldig wartenden Zuschauer. Solange der Prinz an mir interessiert war, würde niemand sonst es wagen, ein Gebot abzugeben, und das Wetter war so unangenehm, dass es keine Gewähr gab, dass jemand ausharren würde, um die vier anderen armen Wichte zu kaufen, die in einer Ecke kauerten.
»Zwanzig Zenar. Lass ihn zu meinem Sklavenmeister bringen.«
Der Sklavenhändler war entsetzt. »Aber, Eure Hoheit, er ist mindestens sechzig wert.«
Der Prinz warf dem Mann einen Blick zu, in dem so viel erzwungene Geduld lag, dass ein vernünftiger Mensch sich nach den Dolchen umgesehen hätte, die auf seinen Rücken gerichtet waren. »Ich verringere den Preis um fünfzig, weil er beschädigt ist. Mit Striemen auf dem Rücken muss ich ihn besser kleiden. Aber ich gebe dir zehn zusätzlich, weil er lesen und schreiben kann. Ist das etwa nicht gerecht?«
Dem Sklavenhändler wurde klar, dass er verloren hatte – und in welcher Gefahr er sich befand. Er verbeugte sich tief. »Natürlich, Eure Hoheit. Gerecht und weise, wie immer. Zwanzig Zenar.« Ich hatte das Gefühl, der Sklavenhändler würde dem wohlmeinenden Freund – wer auch immer das gewesen sein mochte –, der dem Prinzen mitgeteilt hatte, dass ein gebildeter Sklave zum Verkauf stand, eine unangenehme Überraschung bereiten.
Der Prinz befand sich in Begleitung von zwei weiteren jungen Männern, die in ihren farbenfrohen Gewändern aus Seide und Satin und mit ihren Gürteln aus goldenen Kettengliedern wie Paradiesvögel wirkten. Sie trugen Dolche und Schwerter, die so kunstvoll gearbeitet und mit Juwelen überkrustet waren, dass sie absolut nutzlos sein würden. Angesichts ihres verweichlichten Aussehens und ihrer dicht beieinanderstehenden Augen fragte ich mich, ob sie überhaupt wussten, was man mit Waffen machte. Der Prinz selbst war...

Auszug aus Tor der Verwandlung. von Carol Berg , Gerd Rottenecker. Copyright © 2007. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die ezzarischen Propheten sagen, dass die Götter ihre Schlachten in den Seelen der Menschen austragen und dass sie das Schlachtfeld gemäß ihrem Willen neu gestalten, wenn es ihnen nicht gefällt. Ich glaube daran. Ich habe solch eine Schlacht und solch eine Neugestaltung, wie sie nur von den Göttern ersonnen sein konnte, gesehen. Und obwohl die Seele, der dies widerfuhr, nicht meine eigene war - Dank sei Verdonne und Valdis und allen anderen Göttern, die meinem Bericht vielleicht lauschen mögen -, so hat mich dieses Ereignis doch auch selbst verändert.
Kronprinz Aleksander, Graf von Azhakstan und Suzain, Priester des Athos, Großfürst von Basran, Thrykien und Manganar und Erbe des Löwenthrons des derzhischen Kaiserreichs, war vermutlich der unverschämteste, unreifste, kleinlichste und arroganteste junge Mann, der je durch die Wüsten von Azhakstan geritten ist. Gleich bei unserer ersten Begegnung habe ich ihn so eingeschätzt; natürlich könnte man sagen, dass ich voreingenommen war. Wenn man bei einer Auktion nackt auf dem Sklavenblock steht und dabei ein Wind weht, der kalt genug ist, einem Dämon den Hintern einfrieren zu lassen, ist es eher unwahrscheinlich, dass man von irgendjemandem einen wahrheitsgemäßen Eindruck bekommt.
Prinz Aleksander hatte die Intelligenz und die Stärke einer Familie geerbt, die seit fünf Jahrhunderten über ein sich stetig weiter ausdehnendes Reich herrschte und klug genug gewesen war, sich weder durch Inzucht noch durch innerfamiliäre Gemetzel zu schwächen. Ältere adlige Derzhi und ihre Frauen verachteten ihn wegen seiner Respektlosigkeit, setzten ihm aber dennoch ständig Töchter im heiratsfähigen Alter vor die Nase. Die jüngeren Adligen, von denen keiner ein Ausbund an Tugend war, bezeichneten ihn dank der verschwenderischen Zerstreuungen, an denen er sie teilhaben ließ, als einen guten Kumpel, änderten diese Meinung allerdings des Öfteren, wenn sie die Launen des Prinzen und seine Reizbarkeit wieder einmal zu spüren bekamen. Die militärischen Anführer der Derzhi hielten ihn für gut ausgebildet, wie es von ihm erwartet wurde, obwohl das Gerücht ging, dass sie Lose zogen und der Verlierer gezwungen war, dem unbesonnenen und eigensinnigen Prinzen als militärischer Berater zu dienen. Dem gewöhnlichen Volk stand in dieser Angelegenheit natürlich kein Urteil zu. Genauso wenig wie den Sklaven.
»Du sagst, der hier kann lesen und schreiben?«, sagte der Prinz zu dem suzainischen Sklavenhändler, nachdem er meine Zähne untersucht und mir in die Muskeln an Armen und Oberschenkeln gekniffen hatte. »Ich dachte, nur die Frauen der Ezzarier lernen lesen, und auch das nur, um Heiltränke und Zaubersprüche entziffern zu können. Hab nicht gewusst, dass es den Männern erlaubt ist.« Und während er noch mit seiner Reitpeitsche an meinen Geschlechtsteilen herumstocherte, beugte er sich zu seinen Begleitern und gab den üblichen witzigen Spruch zum Besten, was die Frage der Kastration ezzarischer Sklaven anging. »Wirklich vollkommen überflüssig. Darum hat sich die Natur schon gekümmert, wenn ein Mann in Ezzaria geboren wird.«
»Ja, mein Lord, er kann lesen und schreiben«, sagte der kriecherische Suzaini. Sein mit Perlen durchwirkter Bart rasselte, während er weiterbrabbelte. »Der hier verfügt über viele Vorzüge, die ihn für den Dienst bei Euch geeignet machen würden. Für einen Barbaren ist er ziemlich zivilisiert und hat ein gutes Benehmen. Er kann die Bücher führen oder bei Tisch bedienen oder schwere Arbeit verrichten, ganz wie es Euch beliebt.«
»Aber er ist dem Ritual doch unterzogen worden, oder? Und in seinem Kopf ist nichts mehr von Zauberei und diesem ganzen Unsinn?«
»Nein, nichts. Er ist seit der Eroberung ein Sklave. Ist schon am ersten Tag dem Ritual unterzogen worden, würde ich sagen. Die Gilde nimmt es bei Ezzariern immer sehr genau. In dem ist kein Fünkchen von der ganzen Hexerei mehr.«
Nein, in der Tat. Nichts mehr. Ich atmete noch. Und in meinen Adern floss noch Blut. Das war aber auch alles, was noch da war.
Noch mehr grobes Herumgestochere. »Es wäre angenehm, einen Haussklaven zu haben, der einen einigermaßen intelligenten Eindruck macht - selbst wenn es die Intelligenz eines Barbaren ist.«
Der Händler warf mir einen warnenden Blick zu, aber ein Sklave lernt schnell, sich genau zu überlegen, für welche Bereiche seiner Ehre er zu leiden bereit ist. Und im Laufe eines Sklavenlebens werden es weniger und weniger. Ich war seit nunmehr sechzehn Jahren - fast die Hälfte meines Lebens - ein Sklave. Einfache Worte konnten mich schon lange nicht mehr wütend machen.
»Aber was ist das?« Ich versuchte, nicht zusammenzuzucken, als die Reitgerte die Striemen auf meinem Rücken berührte. »Hast du nicht eben gesagt, dass er sich zu benehmen weiß? Weshalb dann die Striemen, wenn er so tugendhaft ist? Und weshalb will sein Besitzer ihn loswerden?«
»Ich habe Papiere, Eure Hoheit, in denen Fürst Harkhesian schwört, dass der hier der beste und gehorsamste Sklave ist, den man sich vorstellen kann, und dass er über all die Fähigkeiten verfügt, die ich aufgezählt habe. Er will ihn nur loswerden, um seine finanziellen Verhältnisse in Ordnung zu bringen, und sagt, die Striemen waren ein Versehen und sollten nicht gegen den Sklaven sprechen. Ich verstehe es nicht, aber auf den Papieren dieses Sklaven befindet sich Lord Harkhesians Siegel.«
Natürlich konnte der Sklavenhändler das nicht verstehen. Der alte Kriegerfürst, dem ich in den letzten beiden Jahren gedient hatte, lag im Sterben, und er hatte beschlossen, mich lieber zu verkaufen als zuzulassen, dass ich zum Eigentum seiner einzigen Tochter wurde - einer Frau, der es besonderes Vergnügen bereitete, diejenigen zu missbrauchen, denen sie nicht befehlen konnte, sie zu lieben. Die Entscheidung, wen ich liebte, war einer der Bereiche, in denen meine Ehre mir noch etwas bedeutete. Zweifellos würde er sich ebenso wie alles andere in Nichts auflösen, wenn nur genügend Zeit verstrich.
»Wenn dieser hier Euch nicht zusagt, dann vielleicht einer der anderen ...« Die Blicke des Sklavenhändlers schossen nervös über den kahlen, von Mauern umschlossenen Platz und die zehn ungeduldig wartenden Zuschauer. Solange der Prinz an mir interessiert war, würde niemand sonst es wagen, ein Gebot abzugeben, und das Wetter war so unangenehm, dass es keine Gewähr gab, dass jemand ausharren würde, um die vier anderen armen Wichte zu kaufen, die in einer Ecke kauerten.
»Zwanzig Zenar. Lass ihn zu meinem Sklavenmeister bringen.«
Der Sklavenhändler war entsetzt. »Aber, Eure Hoheit, er ist mindestens sechzig wert.«
Der Prinz warf dem Mann einen Blick zu, in dem so viel erzwungene Geduld lag, dass ein vernünftiger Mensch sich nach den Dolchen umgesehen hätte, die auf seinen Rücken gerichtet waren. »Ich verringere den Preis um fünfzig, weil er beschädigt ist. Mit Striemen auf dem Rücken muss ich ihn besser kleiden. Aber ich gebe dir zehn zusätzlich, weil er lesen und schreiben kann. Ist das etwa nicht gerecht?«
Dem Sklavenhändler wurde klar, dass er verloren hatte - und in welcher Gefahr er sich befand. Er verbeugte sich tief. »Natürlich, Eure Hoheit. Gerecht und weise, wie immer. Zwanzig Zenar.« Ich hatte das Gefühl, der Sklavenhändler würde dem wohlmeinenden Freund - wer auch immer das gewesen sein mochte -, der dem Prinzen mitgeteilt hatte, dass ein gebildeter Sklave zum Verkauf stand, eine unangenehme Überraschung bereiten.
Der Prinz befand sich in Begleitung von zwei weiteren jungen Männern, die in ihren farbenfrohen Gewändern aus Seide und Satin und mit ihren Gürteln aus goldenen Kettengliedern wie Paradiesvögel wirkten. Sie trugen Dolche und Schwerter, die so kunstvoll gearbeitet und mit Juwelen überkrustet waren, dass sie absolut nutzlos sein würden. Angesichts ihres verweichlichten Aussehens und ihrer dicht beieinanderstehenden Augen fragte ich mich, ob sie überhaupt wussten, was man mit Waffen machte. Der Prinz selbst war schlank, mit langen Gliedmaßen, und er trug ein ärmelloses Hemd aus weißer Seide, braune, rehlederne Reithosen, hohe Stiefel und einen weißen Pelzumhang, der nur aus dem Fell eines silberfarbenen Makharabären gemacht sein konnte, dem besten und seltensten Pelz der Welt. Seine roten Haare waren auf der rechten Seite zu einem Zopf geflochten - dem Kriegerzopf der Derzhi -, und er trug nur wenig Schmuck: Armreife aus gehämmertem Gold und einen einzelnen Ohrring, in den ein Diamant eingelassen war und der wahrscheinlich mehr wert war als der ganze Tand, den seine geckenhaften Begleiter mit sich herumschleppten.
Der Prinz gab einem seiner fein gekleideten Gefährten einen Klaps auf den Arm. »Bezahle den Mann, Vanye. Und warum bringst du den Burschen nicht mit? Wenn man von den Striemen absieht, ist er weitaus ansehnlicher als du. Er wird sich in meinen Gemächern gut machen, meinst du nicht auch?«
Dem pockennarbigen jungen Adligen in blauem Samt und Hahnenfedern fiel vor Erstaunen und Entsetzen das fliehende Kinn herunter. Nun, das war kein Wunder. Mit einem einzigen Satz hatte sein Prinz ihn für immer aus der derzhischen Gesellschaft ausgeschlossen. Das lag nicht so sehr an der demütigenden öffentlichen Bemerkung über seine körperliche Unzulänglichkeit, als daran, dass er sich um einen Sklaven kümmern sollte, denn diese Aufgabe war nur geringfügig besser angesehen als die, sich um Leichen zu kümmern, bevor sie verbrannt wurden, und knapp schlechter als die, Tieren das Fell abzuziehen. Während der Prinz sich umdrehte und durch das Tor davonschritt, zog der kinnlose Mann seine Geldbörse hervor und warf dem Sklavenhändler ein paar Münzen vor die Füße. Dabei machte er ein Gesicht, als hätte er gerade in eine grüne Dakhfrucht gebissen. Es war wirklich erstaunlich, mit welcher Tüchtigkeit Aleksander es verstand, in noch nicht einmal fünf Minuten einen Freund zu vernichten, einen ehrbaren Händler zu beleidigen und einen einflussreichen Fürsten um seinen Besitz zu betrügen.
Wie bei Sklaven üblich, reichte mein Blick nicht weiter in die Zukunft als die nächste Stunde. Und nun hatte ich die Aussicht, fast unverzüglich Unterkunft und Kleidung zu bekommen, statt einen ganzen Tag bei diesem grässlichen Wetter an der Mauer des Sklavenmarktes angekettet zu sein. Nicht gerade ein schreckliches Ergebnis. Kein Vergleich zu meinen schlimmsten Tagen auf dem Sklavenblock.
Aber wie es in den folgenden Monaten noch häufiger der Fall sein sollte, hatte ich die Folgen von Aleksanders Unbesonnenheit zu ertragen. Der wütende Sklavenhändler sagte, er hätte keine Zeit, mir das Würgehalsband, die Armketten und die Fußfesseln abzunehmen, die dafür sorgen sollten, dass zartbesaitete Käuferinnen sich sicher fühlten, und er weigerte sich auch, mir zumindest einen Lendenschurz zu geben, um meine Blöße zu bedecken. Mein Marsch durch die von Menschen aus allen Ecken der Welt wimmelnde Stadt, auf dem ich im eiskalten Regen nackt und verzweifelt hinter Lord Vanyes Pferd herhüpfte, verzweifelt darum bemüht, nicht nachgeschleift zu werden, verdiente einen besonderen Platz auf der Liste der lächerlichsten Augenblicke meiner langen Knechtschaft.
Was den kinnlosen Lord anging ... nun, sich in der Gewalt eines Mannes zu befinden, der das Gefühl hat, soeben auf übelste Weise schlecht behandelt worden zu sein, macht eine elende Situation nicht gerade besser. Und wenn dieser Mann dann noch von sich glaubt, er wäre klug - es aber nicht ist -, kann alles noch viel schlimmer kommen. Statt mich direkt zum Sklavenmeister des Prinzen zu bringen, zerrte Lord Vanye mich zur Palastschmiede und befahl dem Schmied, mich mit dem königlichen Siegel zu zeichnen ... mitten im Gesicht.
Vor Entsetzen verschlug es mir das bisschen Atem, das mir noch geblieben war. Alle Sklaven wurden am Tag ihrer Gefangennahme mit einem durchkreuzten Kreis gebrandmarkt, aber immer an der Schulter - wie es bei mir der Fall gewesen war - oder an der Hüfte. Niemals im Gesicht.
»Dann ist das also ein Ausreißer?«, fragte der Schmied. »Prinz Aleksander lässt nur Ausreißer auf diese Weise brandmarken. Er mag es nicht, wenn sie hässlich sind - noch nicht einmal bei denen, die für die Minen bestimmt sind.«
»Nein, ich bin nur ...«, versuchte ich zu protestieren, aber Vanye brachte mich mit einem eisernen Stab, den er liebevoll getätschelt hatte, seit wir die Schmiede betreten hatten, zum Schweigen.
»Siehst du die Striemen auf seinem Rücken? Und dass wir ihn anketten mussten wie einen tollen Hund? Natürlich ist das ein Ausreißer.«
»Er ist ein Ezzarier. Durgan sagt ...«
»Hast du etwa Angst vor kriecherischem Dreck wie dem hier? Die einzige Magie, die hier gleich stattfinden wird, ist die, dass ich dich aufgrund deines Ungehorsams in einen zungenlosen Wallach verwandle. Und jetzt mach schon.«
Der Schlag gegen den Kopf, den Vanye mir versetzt hatte, hatte mich halb betäubt, doch ich wünschte mir schon bald, dass er fester zugeschlagen hätte. Da der Schmied eine Menge Erfahrung mit den Launen des Prinzen hatte und sich seiner Sache nicht sicher war, benutzte er sein kleinstes Brandeisen, um mir das Siegel des derzhischen Herrscherhauses auf den linken Wangenknochen zu brennen. Das größere Eisen hätte den Knochen und die Zähne freigelegt und so viel Schaden verursacht, dass der Wundbrand die letzten Reste gesunden Gewebes zerfressen hätte. In jenem Augenblick konnte ich ihm allerdings nicht sonderlich dankbar sein.
Und so wurde ich mitten im Winter im Sommerpalast des Kaisers abgeliefert, wurde zitternd, würgend und kaum bei Sinnen auf dem mit Stroh bestreuten Fußboden des Sklavenhauses liegen gelassen.
Der stämmige Sklavenmeister - ein bärtiger Manganarer mit flächigem Gesicht, der sich Durgan nannte -, blickte erstaunt auf mich herunter. »Was ist das? Ich habe gehört, dass ich einen neuen Haussklaven bekomme, der den Prinzen bedienen soll - keinen Ausreißer, der nur noch für die Bergwerke taugt.«
Ich war natürlich nicht in der Verfassung, Vanyes erbärmlichen Racheversuch zu erklären, seinen schlauen Plan, das Schnäppchen des Prinzen zu ruinieren.
»Das ist der einzige Neue, der heute gekauft wurde. Lord Vanye hat gesagt ...« Der Schmiedebursche, der mich über den Hof gezerrt hatte, hätte beinahe seine Zunge verschluckt, als Durgan ihn an der Kehle packte.
»Beim Dämonenfeuer! Vanye! Der Schmied hat dem neuen Sklaven das Gesicht verbrannt, weil ein Tölpel, der noch nicht mal schlau genug ist, die Hose aufzumachen, wenn er pissen muss, es so haben wollte?« Der Sklavenmeister sah aus, als hätte er den Burschen am liebsten mit dem Kopf voran gegen eine Wand geschmettert. »Sag deinem Herrn, dem Schmied, dass er niemals - wirklich niemals - einen Sklaven brandmarken darf, wenn er den Auftrag dazu nicht vom Prinzen selbst oder von mir bekommt. Man hat mir gesagt, dass ich den da saubermachen und dann hochschicken soll, damit er beim Abendessen bedienen kann. Und jetzt schau ihn dir an!«
Ich kann keinen besonders angenehmen Anblick geboten haben. Schon die Erwähnung von Essen reichte aus, dass ich ein weiteres Mal meinen Mageninhalt von mir gab.
»Zumindest war der Meister vorsichtig, als er ihn gebrandmarkt hat«, stammelte der Junge. »Er ist doch nicht zu sehr beschädigt, oder?«
»Wenn ich du wäre, würde ich mir keine großen Hoffnungen machen, jemals älter als vierzehn zu werden. Und jetzt verschwinde, ich habe zu tun.«
Eine halbe Stunde später stieg ich die rückwärtige Treppe von Aleksanders Palast hinauf, wobei ich ein absurd schweres Tablett trug, auf dem sich eine Schale mit geschälten Früchten, mit Zimt bestäubtes Gebäck, ein Laib stinkender Azhakikäse und ein Samovar mit kochend heißem Nazrhil befand - dem Tee, der wie brennendes Heu roch. Alle paar Stufen musste ich stehen bleiben und warten, bis mein benebelter Kopf sich wieder geklärt und mein brodelnder Magen sich wieder beruhigt hatte und der pulsierende Feuersturm in meiner Wange abgeebbt war.
Ich war in eine schlichte, ärmellose weiße Tunika gekleidet, die mir bis zu den Knien reichte - ein Zugeständnis an den Prinzen, der es nicht schätzte, mit dem Anblick von offenen Wunden oder deutlich erkennbaren Narben konfrontiert zu werden. Normalerweise trugen die männlichen Haussklaven der Derzhi sogenannte Fenzai - kurze, weite Hosen - und kein Hemd. Das war ein Überbleibsel ihrer Vergangenheit als Wüstenvolk und für diejenigen von uns, die in den gebirgigen nördlichen Regionen des Kaiserreichs gefangen gehalten wurden, seltsam unpassend und unangenehm. Die Tunika war nicht viel wärmer, aber sie fühlte sich zumindest ein bisschen schicklicher an.
Merkwürdigerweise waren es meine Haare, die den Sklavenmeister vor das größte Problem stellten. Ich hatte keinen Bart - im Gegensatz zu den meisten anderen Völkern hatten wir Ezzarier keinen Bartwuchs. Aber entgegen dem sonst üblichen Brauch in den Sklavenhäusern der Derzhi hatte die Tochter des Fürsten angeordnet, dass man mir die Haare nicht kurz scheren sollte. Durgan wollte sie abschneiden, befürchtete jedoch, dadurch würde nicht nur das Brandmal stärker auffallen, sondern auch die blutunterlaufene Beule, die ich Vanyes Eisenstab verdankte. Deshalb ließ er mir die Haare locker im Stil der Derzhi auf einer Seite zusammenbinden - natürlich nicht zum Zopf geflochten; nur Krieger, die bereits Blut vergossen hatten, trugen das Haar zum Zopf geflochten - und hoffte, dass sie die Spuren von Vanyes Torheit verbergen würden. Er schmierte mir auch eine Salbe auf das Brandmal, doch ich wäre niemals auf die Idee gekommen, darin eine freundliche Geste zu sehen. Der Sklavenmeister betete darum, den nächsten Sonnenaufgang noch erleben zu dürfen.
»Oh, Abendessen!«, sagte der Prinz, als ich zwischen den mit Blattgold verkleideten Türen hindurch in einen prächtig ausgestatteten Wohnraum kam. Ich verbeugte mich - mit dem Tablett in Händen etwas unbeholfen - und beglückwünschte mich dazu, dass es mir gelang, mich wieder aufzurichten, ohne ohnmächtig zu werden. In dem Raum befanden sich sieben oder acht Leute. Drei Männer und zwei Frauen saßen auf Kissen um einen niedrigen Tisch und spielten Ulyat, ein Spiel der Derzhi, zu dem bemalte Steine und hölzerne Stifte - und jede Menge Blutfehden - gehörten. Ich achtete sorgfältig darauf, niemanden anzusehen, als ich das Tablett auf einem anderen niedrigen Tisch abstellte, um den blaue und rote Seidenkissen herumlagen. Der Sklavenmeister hatte mir ausdrücklich eingeschärft, die Augen gesenkt zu halten. Ich wusste nicht so recht, ob das eine Hausregel war oder einfach nur verhindern sollte, dass dem Prinzen meine geschwollene, nässende Wange auffiel.
»Schaut her. Ich habe einen neuen Sklaven. Einen Ezzarier, der lesen kann.«
»Unmöglich ...« Gekicher erklang, und dann kamen die üblichen Bemerkungen.
»Er soll ziemlich gebildet sein, wie ich gehört habe. Vielleicht fließt sogar ein bisschen königliches Blut in seinen Adern.«
»Ein barbarischer Zauberer! Ich habe noch nie einen gesehen. Werdet Ihr ihn ausleihen?«, fragte eine Frau mit dunkler Stimme; sie hatte weit mehr als nur Essen im Sinn.
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