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5.0 von 5 Sternen
Hoffnungsvoller Abschluß mit visionärem Ausblick, 3. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Topothesie. Der Mensch in artgerechter Haltung (Gebundene Ausgabe)
Das kartesianische Weltbild hat ausgedient, doch wir leben noch so, als ob es nur eine einzige "objektive Lebenssicht" gebe. Die wird allen Menschen gleichermaßen aufgezwungen und ist nun dabei, unser Lebensglück zu zerstören.
Nach der aufregend neuen "Omnisophie" und der, das herrschende Wirtschaftssystem geißelnden "Supramanie", bringt Gunter Dueck mit der nun vorliegenden "Topothesie" die Zusammenfassung, ein Fazit seiner Gedankengänge und einige hoffnungsvolle Ausblicke für die Zukunft. Man muß die beiden ersten Bände nicht gelesen haben, um Band Drei dieser Trilogie zu verstehen, aber wer "Omnisophie" und "Supramanie" kennt, wird sich bestimmt gierig darauf stürzen, beim Lesen immer wieder hell auflachen, und alle Nase lang jemandem im Haus ungebeten Stellen daraus vorlesen, so wie ich; denn Dueck schreibt lebendig, aus eigener Erfahrung heraus und bringt bunte Beispiele aus seinem Leben als Familienmitglied und Teil eines Weltunternehmens. Beruflich ist es eine seiner Aufgaben, Elitestudenten herauszufinden und zu fördern, privat zieht er zusammen mit seiner Frau zwei Kinder groß. Man merkt im Buch auch immer, er hat noch nicht vergessen, wie es sich angefühlt hat, als er selbst noch Kind war und erzogen wurde.
Dieses Buch setzt sich ein für die artgerechte Haltung von Menschen. Es handelt sich dabei um die Menschentypen, die bereits in "Omnisophie" so treffend und facettenreich beschrieben wurden. Dueck zeigt auch, was dabei so alles schiefgehen kann, wenn der Mensch hierzulande und heutzutage aufwächst und erzogen wird. Er beschreibt die zwanghaften Mechanismen, die wir entwickeln unter dem Druck der erlebten seelischen Verwundungen im Elternhaus, in der Schule und in der Arbeitswelt, nur damit es nicht so weh tut. Oberflächlich gesehen ist alles bestens. Die Menschen schuften und schaffen unermüdlich Werte. Innerlich aber leiden sie, jeder auf seine Art; denn es gibt nur Ersatzbefriedigung und Pseudosinn anstatt echte Erfüllung als Lohn der Bemühungen. Hier wird der Leser aufgefordert, sich selbst zu erkennen, und den Schmerz der Anderen zu respektieren. Verständnisvolles Zuhören und gegenseitiges Respektieren der Andersartigkeit kann verhängnisvolle Teufelskreise und Konfliktspiralen "knacken". Ausverhandelte Kompromisse hingegen bringen nichts, weil beide Partner damit unbefriedigt bleiben.
Dieses Buch bietet von allen "Duecks" die meisten in die Praxis umsetzbaren konkreten Ratschläge. Ich möchte es daher auch als ein radikales politisches Buch bezeichnen, weil es gangbare Wege aufzeigt, die jeder Einzelne gehen kann. Es wird analysiert, wie quälende Konflikte in Familien und Beziehungen entstehen, welche Mechanismen in uns wirken. Hier werden pralle Beispiele aus dem Leben gebracht, die wir alle schon so oder so ähnlich einmal erlebt haben. Den Charme des Buches macht aus, daß hier ein Mathematiker den Alltag hernimmt und schlüssige psychologische und neurobiologische Erklärungen findet für den tragischen Kleinkrieg in der Familie, wo die Ursache für so viele unnötige Konflikte liegen, in denen wir uns oft so häufig aufreiben. Gunter Dueck legt den Finger auf die Wunden und diagnostiziert, aber er beläßt es nicht dabei.
Als Nächstes gilt es, zu deeskalieren und dann wieder zu authentischen Werten zurückzukehren. Hier findet sich auch der Ausweg aus dem supramanen Gewinnmaximierungsstreben: wo vorher nur das Schuften in Angst vor Strafe und Ausgestoßensein, das Schielen nach Punkten, rücksichtslose Habgier, Machtstreben und Ellenbogendenken oder andererseits untätiges Jammern über die böse Welt und Haß auf die Unterdrücker herrschten, können stattdessen die Freude am Geben, am Arbeiten, am Lehren und am Lieben zurückgewonnen werden. Anstatt nach Liebe, Macht, Expertenwissen und mehr Dergleichen zu streben, andere dafür auszunutzen und uns darüber selbst zu verlieren, könnten wir Lebensglück von neuer Qualität finden.
In der heutigen Zeit, in der das kartesianische Weltbild ausgedient hat, und alles nach Paradigmenwechsel schreit, ist dies ein Buch, das nicht nur Wissenschaftler und Liebhaber humanistischer Bildung schätzen werden (Dueck ist Mathematiker und führt daher herrliche Beweise für seine Theorien), sondern auch Eltern, die gerade ein Kind großziehen, philosophisch und psychologisch Interessierte. Außerdem hat Gunter Dueck eine poetische Begabung und kann Gleichnisse erdichten, die ich ganz besonders mag, weil sie im erlebbaren Alltag wurzeln. So eine ungewöhnliche und kräftige Mischung aus Geist und Poesie schafft nur ein kluger und intuitiver Querdenker.
Aber der Autor schreibt im Buch auch, er möchte nicht gelobt, sondern verstanden werden und darum mache ich hier Schluß und wünsche einfach allen Lesern genausoviel Freude mit "Topothesie", wie ich sie hatte.
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5.0 von 5 Sternen
Harry Potter, Umberto Eco und Gunter Dueck, 21. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Topothesie. Der Mensch in artgerechter Haltung (Gebundene Ausgabe)
IBM sollte dringend einen leichten Tablet-PC mit gutem Bildschirm auf den Markt bringen und der Springer Verlag eine E-Book-Version von Topothesie, denn dieses Buch sollte man immer mit sich tragen, um in Gesprächen - bei dennen alle hoffnungslos die Hände verrühren - mit dem Vermerk "Dueck sagt" live aus Topothesie zitieren zu können.
Indem Gunter Dueck das beschreibt was-man-nicht-zu-benennen-wagt (oder vermag) tritt er mit Harry Potter in die Reihe der grossen Zauberer des 21ten Jahrhunderts. Gunter Dueck beschreibt das, was viele intuitiv wissen und nicht zu sagen oder zu denken wagen. Er zeigt, weshalb bei unseren derzeitigen gesellschatlichen und wirtschaftlichen Trends, viele Menschen ihre unterschiedlichsten Schmerzgrenzen fühlen, diese beschützen und verperlen. Aus verschiedenen Perspektiven wird aufgelistet WARUM dies so ist und skizziert WIE und WOHIN der Wandel zu einem "Menschen in artgerechter Haltung" gehen könnte.
Gunter Dueck verknüpft wissenschaftliche Fakten und alte Weisheiten zu neuen Gedankenfeldern, so dass man sich beim Lesen immer wieder staunend ertappt: "Wie? ...So? Nein! ... Kann nicht sein ... Ich? Nicht! ... Doch! Verd....! Er hat recht! ..." und dank den wundervollen Metaphern, in die er seine Gedanken einbettet, bleiben sie lange erhalten und jederzeit abrufbar um sie anderen Menschen schmackhaft zu machen. (Hallo IBM ... vielleicht brauchts doch keine Tablet-PC-E-Book-Version ... könnte sein, dass die Brain-Metapher-Version genügt ... dann wünsch ich mir lieber eine Fortsetzung von Topothesie!)
Und wer vor dem letzten Kapitel von Topothesie noch nicht genügend originäre Gedanken mitgenohmen hat, dem bietet Gunter Dueck ein öffnendes Ende, das dem Anfang des neusten Romans von Umberto Eco ("Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana") in nichts nach steht; nur das man Topothesie nicht rückwärts lesen muss um es zu verstehen. So scheue ich mich nicht Gunter Dueck, Harry Potter und Umberto Eco in einer Zeile zu erwähnen und Topothesie allen (zumindest den intuitiven Menschen) herzlich zu empfehlen.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Vielfältiges Vergnügen für rege Geister, 8. Juni 2005
Rezension bezieht sich auf: Topothesie. Der Mensch in artgerechter Haltung (Gebundene Ausgabe)
Gunter Dueck, der bodenständige Visionär und intuitive Realist, entwickelt eine Philosophie des Verständnisses mindestens so sehr wie des Verstehens. Herz, Hirn und Seele stürzen sich darauf wie ein ausgezehrter, dreiköpfiger Säbelzahntiger - die Darlegung seines "jahrelangen Nachdenkens über den Menschen an sich" erweist sich als Nahrung, Manna, Wasser in der Wüste der Einseitigkeiten.
Erfrischend verständlich und humorvoll vermittelt der Autor uns seine Wahrnehmung durch das soziologische Argus-Auge, ermittelt in allen zwischenmenschlichen Belangen, ob Familie, Arbeitsplatz, Staat, Konzern oder Multikulti; und so triste seine Erkenntnisse auf den ersten Blick sein mögen, so beinhalten sie doch das Potential für eine neue Akzeptanz, ein neues aufeinander Zugehen, ein neues Miteinander. Erweist sich die Duecksche Evolution gar als Möglichkeit der sanften Revolution hin zu einem gewandelten Menschen-Welt-Bild?
Philosophie der Gegenwart gefällig? Gegenwärtiger gehts nicht.
Augenöffner gesucht? Wirkt auf das linke, das rechte und das dritte.
Lust auf spitzfindigen Sprachgebrauch? Sie werden auf ihre Kosten kommen.
Kleine Häppchen oder der große Rausch? Ganz nach Belieben, es liegt an ihrer Selbstbeherrschung ...
Ob Omnisophie, Supramanie oder Topothesie - die Lektüre von Duecks Büchern macht glücklich, weil sie zu Selbstverständnis führen (Homo Sapiens - erkenne dich selbst; Hinzufügung: mit Wohlwollen).
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